04. September 2017, 14:31 Uhr

Eishockey-Saisonstart

Alles für die Playoffs beim EC

Ein halbes Jahr Pause mussten die Fans des EC Bad Nauheim hinter sich bringen, bis es im Colonel-Knight-Stadion endlich wieder zur Sache geht. Vorher hat sich der Streifzug den »neuen« EC angeschaut.
04. September 2017, 14:31 Uhr
Einer von zwölf Neuzugängen: Eric Meland (l.). (Foto: Th. Heide)

Die Vorfreude ist längst spürbar, Spieler und Fans können es kaum erwarten. Der EC Bad Nauheim steht kurz vor dem Start in die neue DEL2-Saison. Auf der Saisoneröffnung auf dem Bad Nauheimer Aliceplatz merkte man den Fans an, dass sie dem Auftakt gegen die Heilbronner Falken am 15. September um 19.30 Uhr im Colonel-Knight-Stadion entgegenfiebern.

Dort sollen die ersten Zähler auf dem Weg in die Playoffs eingefahren werden. Denn das ist das erklärte Ziel von Spielern und Fans. Zwei Playoffspiele im heimischen Stadion stehen bisher in der Statistik. 2016 standen die Roten Teufel seit ihrem Aufstieg in die DEL2 vor vier Jahren erstmals in den Playoffs. In der abgelaufenen Spielzeit verhinderte eine Negativ-Serie im Dezember eine erneute Teilnahme an der Post-Season.

Unser Auftaktprogramm ist nicht leicht. Mir ist aber egal, wann wir gegen wen spielen

Cheftrainer Petri Kujala
Nun sind die Uhren wieder auf null gestellt und einer neuer Anlauf wird gestartet. Die Spieler machen aus ihrer Zielstellung kein Geheimnis: »Wir sind überzeugt, dass wir die Playoffs erreichen«, riefen Andreas Pauli, Harry Lange und Co. rund 500 Fans auf dem Aliceplatz zu. Geschäftsführer Andreas Ortwein unterstrich die Ambitionen: »Wir haben 20 Mann, die sich zerreißen werden, um die Playoffs zu erreichen.«

Insgesamt zwölf Neuzugänge verpflichtete der EC, die Fans der Roten Teufel müssen sich eine Menge neuer Namen merken. Trotz des großen Umbruchs im Kader sagt Cheftrainer Petri Kujala: »Die Mannschaft hat das Zeug, um die Playoffs mitzuspielen.« Die Marschrichtung ist klar. Die Entscheidung fällt auf dem Eis. Der Streifzug hat den EC während der Sommerpause beobachtet und stellt alle Neuerungen kompakt vor: Von den Transfers über Neuheiten im Stadion bis zur möglichen Aufstellung.


Das Team

Zwölf Neuzugänge, 13 Abgänge - die halbe Mannschaft wurde ausgetauscht. »Ganz so umfangreich hatten wir den Umbruch nicht geplant«, sagt EC-Cheftrainer Petri Kujala, »andererseits sind zwölf Neuzugänge auch erfrischend.« Nach dem Kreuzbandriss von Goalie Jan Gruyca ist lediglich die Position des zweiten Torhüters noch vakant. Möglich ist eine feste Verpflichtung, auch ein Goalie per Förderlizenz ist denkbar.




Neue Teufel: Mit Alexander Trivellato verpflichtete die Roten Teufel einen italienischen Nationalspieler. Der 24-Jährige besitzt eine Ausstiegsklausel für die DEL und soll wenigstens bis Mitte November für den EC spielen. Möglich ist aber auch ein Engagement über die komplette Spielzeit.

Zwei neue Kontingentspieler unterscheiden sich quasi nur durch ihren Namen. James Livingston (27) und Cody Sylvester (25) haben beide den kanadischen Pass und sollen als Stürmer für Tore sorgen. Beide spielten in Nordamerika für NHL-Farmteams in der AHL und später in der ECHL, bevor es über den großen Teich ging. Dort trafen sich beide beim Dornbirner EC in der ersten österreichischen Liga und ziehen nun gemeinsam nach Bad Nauheim weiter. Insidern dürfte Sylvester aus seiner Zeit bei DEL-Club Iserlohn Roosters ein Begriff sein, für die er knapp eineinhalb Jahre auf dem Eis stand.

Von eben jenen Iserlohn Roosters kommt Noureddine Bettahar zum EC. Der 22-jährige Deutsche unterschrieb einen Ein-Jahres-Vertrag. Verteidiger Eric Meland (27) kommt von HK Nitra (Slowenien). Die vierte Kontingentstelle besetzt Mike McNamee. Der Kanadier spielte zuletzt in der AHL, der EC Bad Nauheim ist seine erste Profi-Station in Europa.

Mit der Referenz von über 500 Spielen in der DEL und DEL2 kommt Maximilian Brandl (29) von Ligakonkurrent Ravensburg Towerstars zu den Teufeln. Für die Torhüterposition verpflichtete der EC mit Felix Bick von der Düsseldorfer EG einen alten Bekannten. Der 24-Jährige stand in der Spielzeit 2015/2016 schon zwischen den Nauheimer Pfosten.

Mit Marvin Ratmann haben die Teufel zudem einen 19-jährigen Stürmer von DEL-Klub Kölner Haie mit einem Try-Out-Vertrag über drei Monate ausgestattet. Der Linksschütze spielte bis zuletzt im DNL-Team der Haie und absolvierte die gesamte Vorbereitung bei den Roten Teufeln. Mit ihm reagierten die EC-Verantwortlichen auf die Vertragsauflösung von Manuel Edfelder bei Kooperationspartner und DEL-Klub Düsseldorfer EG, der eigentlich als Förderlizenzspieler vorgesehen war.

Alte Teufel: Eugen Alanov (Nürnberg Ice Tigers) und Diego Hofland (Krefeld Pinguine) wechseln in die DEL. Alex Kranjc (Eispiraten Crimmitschau), Charlie Sarault (ESV Kaufbeuren), Joel Johansson (SC Riessersee), Marcus Götz (Heilbronner Falken) und Jonas Gertung (Bayreuth) laufen künftig für Ligakonkurrenten auf. Nick Dineen wechselt zurück zu Lillehammer IK in die norwegische Liga. Nach Österreich zum EHC Lustenau zieht es Torwart Mikko Rämö. Das Ziel von Vitalij Aab ist noch unbekannt. Marcel Pfänder und Dominik Laschelt wechseln zu Oberligist Moskitos Essen, auch Tom Pauker spielt künftig in der Oberliga für die Blue Devils Weiden. Der Vertrag von Förderlizenzspieler Manuel Edfelder bei Kooperationspartner Düsseldorfer EG wurde aufgelöst.


Die Kooperationen

Die Kooperation mit der Düsseldorfer EG aus der DEL wird fortgesetzt. »Wir möchten den Weg der Förderung junger Talente weitergehen. Die Kooperation mit der DEG ist ein elementarer Bestandteil«, sagt Kujala. Aus dem aktuellen Kader der Rheinländer erhielten Torwart Timo Herden (bislang Rosenheim), die Verteidiger Niklas Mannes (wie im Vorjahr), Johannes Hueß (zuletzt Bad Tölz/Neuling des Jahres in der Oberliga Süd) und Leon Niederberger (dann in seiner dritten Saison) eine Spielberechtigung für den EC.Wie schon in der vergangenen Saison kooperiert der EC mit Oberligist Moskitos Essen. Aus deren Aufgebot wurden Verteidiger Oliver Granz sowie die Stürmer Dominik Laschelt und Niclas Hildebrand lizensiert. Aus dem EC-Kader sind Abwehrspieler Marius Erk sowie die Stürmer Nico Kolb und Maurice Keil für die Moskitos spielberechtigt.


Die Termine

Der Saisonauftakt steigt am Freitag, 15. September, um 19.30 Uhr im Colonel-Knight-Stadion gegen die Heilbronner Falken. Das erste Auswärtsspiel führt den EC am darauffolgenden Sonntag, 17. September, nach Ravensburg zu den Towerstars. »Unser Auftaktprogramm ist nicht leicht. Mir ist aber egal, wann wir gegen wen spielen«, sagt Kujala. Das erste Hessen-Derby mit den Kassel Huskies ist für Sonntag, 8. Oktober, um 18.30 Uhr terminiert. Exakt drei Wochen später, am 22. Oktober, statten die Löwen Frankfurt dem CKS ihren ersten Besuch ab.




Das neue Jahr wird am Sonntag, 7. Januar, um 18.30 Uhr mit dem zweiten Heim-Auftritt gegen die Huskies eröffnet, zwei Wochen später, (21. Januar um 18.30 Uhr) geht es abermals gegen die Löwen. Das letzte Spiel der Hauptrunde absolvieren die EC-Cracks am 4. März um 18.30 Uhr gegen die Ravensburg Towerstars. Die Auswärts-Derbys in Frankfurt gehen am 10. Dezember und 25. Februar (jeweils 18.30 Uhr) über die Bühne, in Kassel geht der EC am 26. November und 11. Februar (jeweils 18 Uhr) auf das Eis. Die erste Runde der Play-offs respektive Play-downs startet am 13. März.


Die Finanzen

Die Roten Teufel planen mit einem Budget von 2,5 Millionen Euro. Dies setzt sich unter anderem aus 900 000 Euro an Sponsoreneinnahmen, 700 000 Euro aus dem Ticketverkauf und 100 000 Euro aus dem Bereich Merchandising zusammen. Demgegenüber stehen unter anderem Ausgaben für den Kader (samt Trainer und Betreuer) in Höhe von 930 000 Euro, für das Verwaltungspersonal (270 000 Euro), 370 000 Euro für Mieten (Stadion/Wohnungen) und für das Material 100 000 Euro.

Zudem wurde die Verwaltung »gestrafft«, sagt Geschäftsführer Ortwein. Die Einführung des vierten Unparteiischen in allen Spielen schlägt mit Zusatzkosten von rund 7000 Euro zu Buche. Mit dem Verband und den Schiedsrichtern ist dabei eine Kompromisslösung gefunden worden.


Das Stadion

Dass die Atmosphäre in der EC-Spielstätte besonders ist, hat sich auch bei den Neuzugängen schon rumgesprochen: »Ich bin gespannt auf das Stadion und die Atmosphäre«, sagte Verteidiger Eric Meland direkt nach seiner Ankunft in Bad Nauheim. Zur neuen Saison hat sich bereits einiges geändert, weitere Neuerungen werden noch hinzukommen.

Voraussichtlich zum zweiten Pflichtspiel, also dem Heimspiel gegen Vorjahres-Finalist Bietigheim (22. September um 19.30 Uhr), wird die neue LED-Videowand in Betrieb genommen. Finanziert wird das Ganze über ein Crowdfunding-Projekt und mit Unterstützung von den Stadtwerken Bad Nauheim. Peter Draussing, der Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Nauheim, hat die Kooperation mit dem DEL2-Klub unter das Motto »Highspeed-Sport trifft Highspeed-Netz« gestellt. Noch im Herbst will man im Stadion freies WLAN anbieten. Vorteil für die Fans: Ohne lange Ladezeiten Updates aus den anderen Stadien bekommen oder das Gruppenfoto aus der Fankurve schnell bei Instagram und Co. in die digitale Welt schießen.

Für eine perfekte Spielfläche wird in Zukunft »Mammoth« sorgen. Die neue Eismaschine nimmt mit Beginn der Saison ihren Betrieb auf. Die alte Zamboni, die 14 Jahre lang das Eis im CKS aufbereitete, geht aber nicht in den Ruhestand. Für den Fall der Fälle hat sie in einer Garage in Stadionnähe ein neues Heim gefunden und steht als Back-up für »Mammoth« parat. Auch vom Catering gibt es Neuigkeiten:

Auf der Saisoneröffnung präsentierte Ortwein den (vorrangig weiblichen) Fans einen neuen EC-Prossecco. Auch rund um den Einlass will man weiter für Optimierungen im Ablauf sorgen und »das Stadionerlebnis weiter verbessern«, sagte Ortwein.


Das Team hinter dem Team

Mit Michael Caspari hat der EC einen neuen Gesellschafter aufgenommen, dafür verließ Jörg Semmler, einer der Gründungsgesellschafter, den Verein. Seit Ende April ergänzen zudem Lothar Frank und Thorsten Herbert als Gesellschafter Nummer sechs und sieben den Eigentümerkreis des EC Bad Nauheim.

Den Posten des Team-Managers übernimmt Ex-Profi Matthias Baldys zusätzlich zu seiner Geschäftsstellenleitung. Tim Talhoff, der in der abgelaufenen Saison als Praktikant die Geschäftsstelle unterstützte und dort u.a. das Crowdfunding-Projekt leitete, wird ab sofort die neu geschaffene Stelle des Assistenten der Geschäftsleitung übernehmen. Für den Bereich Medien- und Öffentlichkeitsarbeit kam mit Jana Duderstadt eine duale Studentin hinzu.


Das Fazit

Die DEL2 ist eine ausgeglichene Liga, wo lediglich Frankfurt, Kassel und Bietigheim als Topfavoriten auf Playoffs und die Meisterschaft zählen. Für den EC wird viel davon abhängen, wie schnell sich die vielen Neuzugänge sportlich integrieren. Der Umbruch in der Mannschaft war zu groß, um vom Saisonbeginn weg eine eingespielte Einheit zu erwarten. Kommen die Roten Teufel ohne eine Negativ-Serie wie die der vergangenen Saison durch die Spielzeit, sind die Pre-Playoffs allemal drin. Alles darüber hinaus wäre eine Zugabe.

 

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