30. Januar 2009, 14:56 Uhr

Ritterschlag im Stephansdom für den Virtuosen des Kaisers

Über den ungefähren Zeitgenossen von Martin Luther ist der Ausspruch von Paracelsus überliefert: »Was der Hofhaimer auf der Orgel, ist der Dürer auf der Malerei.«
30. Januar 2009, 14:56 Uhr
Hofhaimers Alterswohnsitz und Sterbehaus in Salzburg, Pfeifergasse 18 (Foto von 1926)

Das Jahr 2009 steht ganz im Zeichen großer Komponisten-Jubiläen. Anfang Februar wird der 200. Geburtstag von Felix Mendelssohn Bartholdy gefeiert; im April folgt Georg Friedrich Händel mit seinem 250. Todestag und am letzten Maitag jährt sich der Todestag von Joseph Haydn zum 200. Mal.

Einer, der diesen Dreien zu seinen Lebzeiten an Ruhm in nichts nachstand, war der Komponist, Organist, Orgelbauer und Musiklehrer Paul Hofhaimer, dessen 550. Geburtstag am 25. Januar 2009 begangen wurde.

Über den ungefähren Zeitgenossen von Martin Luther ist der Ausspruch von Paracelsus überliefert: »Was der Hofhaimer auf der Orgel, ist der Dürer auf der Malerei.« Dass Hofhaimer heutzutage weniger bekannt ist, liegt neben dem großen zeitlichen Abstand unter anderem daran, dass die meisten seiner Werke die lange Zeit nicht überdauert haben.

Schon einige Monate nach seinem Tod fand sein von einer Reise zurückgekehrter Freund Stomius zu seinem Bedauern die meisten Manuskripte Hofhaimers »von Würmern und Motten zerfressen« vor.

Paul Hofhaimer wurde am 25. Januar 1459 im »Lederhäusl« von Radstadt im Salzburger Land geboren. Ersten Orgelunterricht dürfte er von seinem Vater, einem Salzmagazinverwalter und Organisten erhalten haben. Ganz zunftgemäß wurden auch seine Brüder und Neffen Organisten. Mit zwanzig Jahren stand Hofhaimer vermutlich im Dienst des Kaisers Friedrich III. am Grazer Hof. 1480 folgte eine Lebensstellung als Kammerorganist bei Erzherzog Sigismund in Innsbruck. 1484 ist dort eine Begegnung Hofhaimers mit Heinrich Isaac bezeugt, dessen berühmtes Lied »Innsbruck, ich muss dich lassen« bis heute bekannt ist.

1486 ließ ihn sein Dienstherr auf Staatskosten nach Frankfurt reisen, wo er bei der Königswahl von Maximilian I. seine außergewöhnlichen Orgelkünste präsentierte. Erzherzog Sigismund führte seinen Orgelvirtuosen gern vor, so dass Hofhaimer schnell zur europäischen Berühmtheit wurde. Auch als Orgellehrer war er schon in den 1480er Jahren sehr gefragt. 1489 erhielt er den ehrenvollen Ruf auf die Hoforganistenstelle am Budapester Hof, den er jedoch ablehnte, weil kurz zuvor König Maximilian I. die Nachfolge von Herzog Sigismund angetreten und ihn mit der ganzen Tiroler Hofkapelle übernommen hatte.

Diese neue Position im alten Umfeld verschaffte Hofhaimer viele Vorteile - Maximilian I. blieb Zeit seines Lebens ein Bewunderer und Gönner des berühmten Organisten und Komponisten. Ein Wermutstropfen in Hofhaimers neuem Hofleben war die Reiselust des Königs, der 1508 die Kaiserwürde annahm. Rückblickend beklagte Hofhaimer in einem Brief, dass er oft »wie ein Zigeuner habe übers Land ziehen müssen«. Die anstrengenden Reisen führten ihn etwa nach Linz, Wien, Augsburg, Konstanz, Freiburg und sogar nach Mechelen. Der Ausgleich dafür, die Sorglosigkeit durch ein festes Gehalt war leider nicht von Dauer. Aufgrund von Maximilians militärischen Abenteuern wurden die Einkünfte der Hofmusiker ab etwa 1500 unsicher. Hofhaimer musste sich verstärkt um auswärtige Aufträge bemühen. In dem Kurfürsten Friedrich dem Weisen von Sachsen, dem Beschützer Luthers, fand er einen weiteren Gönner. Mehrere Quellen belegen, dass Hofhaimer für seine Konzerte in Weimar und Torgau mehr als fürstlich entlohnt wurde. 1509 ließ er sich in der Fuggerstadt Augsburg nieder.

Paul Hofhaimer war nicht nur ein herausragender Organist, Komponist und Orgellehrer, er betätigte sich auch erfolgreich als Orgelbauer, wobei er den Typ der gotischen Charakterstimmenorgel weiterentwickelte. Die Nachbildung einer Hofhaimer-Orgel steht in St. Anna in Augsburg. Gemeinsam mit dem Augsburger Orgelbauer von Dubrau hatte er 1512/13 eine Orgel für die Fuggerkapelle dieser Kirche gebaut. Weitere Orgelprojekte verwirklichte das Team in den gleichen Jahren in Innsbruck und Eisenerz.

Höhepunkt des Ruhms im Jahr 1515

Den Höhepunkt seines Ruhms erreichte Hofhaimer 1515. Für sein Orgelspiel anlässlich der Habsburger Doppelverlobung im Wiener Stephansdom wurde er zum Ritter geschlagen und erhielt ein eigenes Wappen.

Wo und wie Hofhaimer nach dem Tod von Kaiser Maximilian I. und der Auflösung der Tiroler Hofkapelle im Jahr 1519 lebte, ist unbekannt. Vermutlich hielt er sich in Augsburg und Passau auf. 1522 übersiedelte er nach Salzburg und übernahm dort das Amt des Domorganisten. Als sein Dienstherr, Erzbischof Lang, 1529 wegen der Bauernkriege in Zahlungsschwierigkeiten geriet, schrieb der 70-jährige Domorganist einen Bittbrief an Ferdinand I.

Gegen Ende seines Lebens schloss er Freundschaft mit dem Salzburger Humanisten Johannes Stomius, der ihn dazu anregte, lateinische Oden zu vertonen. Über dieser Arbeit starb er 1537 im Alter von 78 Jahren in seinem Salzburger Wohnhaus in der Pfeifergasse. Er wurde auf dem Friedhof St. Peter beigesetzt. Auf seinem Grab befindet sich heute ein Gedenkstein aus dem 19. Jahrhundert.

Oden, Liedsätze und Orgelwerke

Zu den wenigen erhaltenen Werken von Paul Hofhaimer gehören neben den 35 lateinischen Oden einige geistliche und weltliche deutsche Lieder - meist als mehrstimmiger Tenorliedsatz ausgeführt - sowie vier Orgelwerke. In den Orgelwerken wie etwa im »Salve Regina« oder im »Recordare« ist das Streben nach vollem Klang auffallend, das von Zeitgenossen als »engelhafte Harmonie« gepriesen wurde. Eine seiner Liedmelodien hat bis heute in dem evangelischen Kirchenlied »Allein zu dir, Herr Jesu Christ« überlebt.

Wie populär Hofhaimer zu seiner Zeit war, zeigt die Tatsache, dass er mehrfach porträtiert wurde - unter anderem von Albrecht Dürer und Lucas Cranach d. Ä. . Letzteres Bild ist verschollen. Das British Museum in London besitzt Spielkarten aus dem 16. Jahrhundert, die auf ihren Rückseiten mit Hofhaimer-Melodien bedruckt sind. Anita Kolbus

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