24. April 2008, 16:44 Uhr

Nicht alle Beteiligten sind restlos zufrieden

Frankfurt. Alarm auf dem Vorfeld: Der Pilot der Lufthansa-Maschine »Viscount 814« meldet beim Anflug auf den Rhein-Main-Flughafen Probleme mit der Steuerung. Beim Ausrollen kann er das Flugzeug nicht mehr kontrollieren – es kommt von der Landebahn ab und kracht in ein Flughafen-Gebäude. Einige der 40 Menschen in und vor dem Gebäude sind auf der Stelle tot, viele weitere schwer verletzt. Zwischen Koffern und Taschen liegen auf dem Vorfeld mit künstlichem Blut verschmierte »Opfer«. Überlebende schreien um Hilfe oder rennen unter Schock ziellos durch die Gegend.
24. April 2008, 16:44 Uhr
Während der Großübung auf dem Flughafen werden dieVerletzten von Feuerwehrleuten und anderen Rettungskräften geborgen.

Innerhalb weniger Minuten treffen die ersten Feuerwehr- und Rettungswagen ein. Was sich am Donnerstag auf dem zweitgrößten Passagierflughafen des europäischen Festlandes abspielt, ist zum Glück nur eine Notfallübung: Mehr als 300 Einsatzkräfte und 85 Statisten simulieren das Unglück, um die Abläufe und die Zusammenarbeit zwischen den Einsatzkräften des Flughafens und den staatlichen Behörden zu überprüfen. »Uns kommt es weniger auf die praktischen Tätigkeiten an – das können wir«, sagt der Leiter der Flughafen-Feuerwehr, Karl-Christian Hahn.

Unmittelbar nach dem Unglück löst die Leitstelle des Flughafens sofort die Alarmstufe »Flugzeugkatastrophe« aus. Neben der Feuerwehr des Airports, die bereits während des Anflugs in Position gegangen ist, werden nun auch Kräfte der Frankfurter Berufsfeuerwehr und der Rettungsdienste aus dem Umland angefordert. Sämtliche Kliniken der Rhein-Main-Region werden informiert. »Wenn der Einsatzleiter eine solche Alarmstufe ausruft, muss er sich bewusst sein, was er da im Hintergrund auslöst«, sagt Henri Lachmann von der Flughafen-Feuerwehr.

Helfer tragen die Überlebenden von der Unglücksstelle und teilen sie nach ihrem Verletzungsgrad ein: Wer »nur« Schmerzen im Knie oder einen blutenden Arm hat, muss erstmal warten. Auch Unverletzte müssen betreut werden. »Das erfordert unglaublich viel Manpower«, sagt Lachmann. Nach gut eineinhalb Stunden sind alle versorgt, die Übung geht zu Ende.
Nicht alles läuft rund

Ihr Verlauf dürfte nicht alle Beteiligten restlos zufrieden stellen, denn nicht alles lief rund. Feuerwehr-Chef Hahn sagt zwar, er sei insgesamt »sehr zufrieden«, wies jedoch auch auf Mängel hin, die künftig abgestellt werden müssten: »Die externen Rettungswagen sind etwas später gekommen, als wir erwartet haben«, sagt er. Ob sie zu spät alarmiert wurden oder im Verkehr steckengeblieben sind, müsse untersucht werden. Dazu werden 30 Beobachter die Übung in den kommenden Wochen detailliert auswerten.
Medizinische Leiter hat Verbesserungsbedarf
Verbesserungsbedarf meldet auch der medizinische Leiter des Flughafens, Walter Gaber, an: Zu viele Einsatzkräfte seien rot gekleidet gewesen. »Es war nicht erkennbar, wer Notarzt ist.« Er schlug vor, Notärzte in Zukunft mit einem blauen Kringel auf dem Helm zu kennzeichnen.
Nach Ansicht des obersten Sicherheits-Chefs des Flughafens, Volker Zintel, muss sich der Airport in Zukunft auf weitaus schwierigere Szenarien als das durchgespielte einstellen. Man habe zwar »eine schöne Übung gemacht«, sagt er. Mit dem Airbus A380, in dem mehr als 600 Menschen Platz hätten, warte künftig aber »eine andere Herausforderung« als am Donnerstag mit 40 Menschen. Im Szenario von gestern waren die Verantwortlichen davon ausgegangen, dass sich in der verunglückten Maschine nur einige wenige Besatzungsmitglieder und keine Passagiere befanden. Daniel Kirch, dpa

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