01. April 2010, 19:08 Uhr

Sie werden gerufen, wenn Tiere in Not sind

Frankfurt (ddp-hes). So ganz kann Feuerwehrmann Carsten Wind sein Privatleben nicht vom Beruf trennen: Ab und zu bringt er nach der Arbeit ausgezehrte Igel oder erschöpfte Vögel mit nach Hause, sehr zur Freude seiner beiden Kinder.
01. April 2010, 19:08 Uhr
Hauptbrandmeister Bernhard Heislitz von der Berufsfeuerwehr Nied darf keine Angst vor Insekten haben. Die Sondertruppe für Tierrettung wird immer wieder alarmiert, wenn Bewohner Wespen- oder Hornissennester an ihren Häusern entdecken. (Foto: ddp)

Frankfurt (ddp-hes). So ganz kann Feuerwehrmann Carsten Wind sein Privatleben nicht vom Beruf trennen: Ab und zu bringt er nach der Arbeit ausgezehrte Igel oder erschöpfte Vögel mit nach Hause, sehr zur Freude seiner beiden Kinder. Wind ist einer von 15 Mitarbeitern des Sonderdiensts Tierrettung im Stadtteil Nied, die pro Jahr zwischen 400 und 500 mal ausrücken, um Tiere zu retten oder Menschen zu schützen.

»Das ist immer ein Mordsspektakel«, berichtet der 34-Jährige. Auch ein kleines Wildschwein hat er schon daheim aufgepäppelt. Der Frischling hatte sich an einem Zaun in einem Kleingarten verletzt, von den Elterntieren war weit und breit keine Spur. Also nahm sich Carsten Wind seiner an, das gehört zu seinem Job, er ist auf Tierrettungen spezialisiert.

»Alle bringen das Interesse aus der Freizeit mit«, sagt der Feuerwehrmann. Er hat sich für die Aufgabe freiwillig gemeldet, als Hobbyimker fürchtet er sich beispielsweise nicht vor Insektenstichen, die in seinem Beruf gerade im Sommer »an der Tagesordnung« sind: Die Sondertruppe wird immer wieder alarmiert, wenn Bewohner Wespen- oder Hornissennester an ihren Häusern entdecken. Am besten ist es für die betroffenen Haushalte, wenn die Einsatzkräfte unverrichteter Dinge wieder abziehen könnten. Wenn die Lage es gar nicht anders zuließe, würden die Feuerwehrleute die Nester aber auch in den Wald umsiedeln. Und obwohl sie einen Schutzanzug trügen, würden die Wespen immer eine Ritze finden und zustechen: »Das gehört dazu«, sagt Wind lapidar.

Auch Ekel vor Insekten ist ihm fremd. »Wir unterscheiden nicht zwischen besonders schönen oder schädlichen Tieren, wir retten alles«, betont der Feuerwehrmann. Er sperrt Straßen ab, um eine Entenfamilie sicher über die Kreuzung zu geleiten, und kümmert sich mit dem gleichen Eifer um Spinnen und Schlangen. Wenn die Bewohner Blindschleichen oder Ringelnattern im Gartenteich entdeckten, reagierten sie oft panisch. Dabei seien die Tiere in der Regel völlig harmlos. Der 34-Jährige hat keine Scheu, die Schlangen mit der bloßen Hand einzufangen. Wenn ein Nachbar mit der Schippe daneben steht, packt er die Reptilien in einen Jutebeutel und setzt sie ein paar Meter weiter wieder aus: »Sie gehören hierher.«

In der Mainmetropole seien seinen Angaben zufolge, zahlreiche Wildtiere heimisch. Immer wieder wird der Sondertrupp gerufen, weil Greifvögel an Hausfassaden geprallt sind. Auch Rehböcke, Wildschweine, Füchse und Waschbären gehören zum Alltag des Teams. Angst habe er noch nie gehabt, sagt Wind: »Wir haben hier schließlich keine Tiger.«

Die Mitarbeiter des Sonderdiensts werden von Tiertrainern ausgebildet, um die Tiere mit entsprechender Expertise zu betreuen. Waren Katzen in schräg gestellte Fenster eingeklemmt, Pferde in eine Schlammgrube gestürzt oder Mauersegler zwischen Regenrinne und Hauswand eingeklemmt, müssen die Tiere in der Regel zum Tierarzt gebracht werden. Wird das Herrchen oder Frauchen beispielsweise bei einem Unfall selbst verletzt, kümmern sich die Spezialisten darum, dass die Tiere versorgt werden.

Hauptbrandmeister Bernhard Heislitz berichtet, dass neben den einheimischen Tieren immer wieder auch exotische Tiere die Feuerwehrleute auf Trab halten. Erst vor mehreren Monaten hätten sie etwa in Zeilsheim eine nordamerikanische Kornnatter mitten auf einem Gehsteig einfangen müssen. »Wo die herkam, ist uns schleierhaft«, sagt Heislitz. Ein anderes Mal fanden die Einsatzkräfte nach einem schweren Verkehrsunfall einen Koffer, in dem ein kleiner Waran sowie zwei Boas, zwei Pfeilgiftfrösche und mehrere Wasserschildkröten eingezwängt waren. In solchen Fällen benötige auch der Sonderdienst Tierrettung Hilfe von Fachleuten, sagt Heislitz.

Nach einer Befreiung wilder Tiere sei es nicht möglich, irgendjemandem eine Rechnung zu stellen. Doch wenn der Besitzer eines in Not geratenen Tieres ausfindig gemacht werde, müsse der für die Kosten aufkommen. »Anders als bei einem Brand, bei dem ja Menschen in Gefahr sind, kostet die Tierrettung Geld.« Das akzeptierten die meisten Tierbesitzer. Sie seien froh, wen sie ihre Lieblinge wohl behalten zurückbekämen.

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