05. Mai 2010, 20:26 Uhr

Kidd Pivot stürmt tänzerisch das Universum

Frankfurt. »Ich bin immer wieder erstaunt, was mir der Tanz über die Welt erzählt«, sagt Crystal Pite. Dabei macht sich die kanadische Choreografin in ihren Arbeiten mit ihrer Tanzcompany Kidd Pivot selbst immer wieder auf die Suche nach der Welt. In ihrer Choreografie »Dark Matters« stürmt sie tänzerisch gewissermaßen gleich das Universum.
05. Mai 2010, 20:26 Uhr
Die kanadische Choreografin Crystal Pite mag Spannungen. (Foto: pia)

Denn hier widmet sie sich einer Terra incognita unserer sorgsam erforschten Gegenwart: der dunklen Materie, die etwa 96 Prozent des sichtbaren Universums ausmacht. »Ich sehe eine Parallele zwischen unserem Unwissen über das Universum und unserem Unwissen über die menschliche Psyche«, sagt die blonde Kanadierin, Jahrgang 1970, mit ihrem sehr wachen und hellen Blick und der lebendigen wie kraftvollen Gestik. Das Nichtwissen, das Nichtkennen schrecke sie nicht wirklich.

Heute Abend »Dark Matters«

Mit »Dark Matters« stellen sich Pite und ihre Tanzcompany ab heutigem Donnerstag dem Frankfurter Publikum vor. Mindestens in den nächsten drei Jahren sind sie eine feste Größe in der Tanzszene der Mainstadt. Crystal Pite ist Tänzerin, Choreografin und Leiterin von Kidd Pivot, der neuen Tanztruppe des Mousonturms, die nun zu ihrem Namen den Zusatz Frankfurt RM (Rhein-Main) erhält. Die Company, die 2001 im kanadischen Vancouver gegründet wurde, besteht ursprünglich aus sechs Tänzerinnen und Tänzern und wird jetzt noch um zwei bis drei erweitert. Pite und Kidd Pivot - sie tanzt selbst in zahlreichen Choreografien mit - sind eben erst von einem Gastspiel zurückgekehrt. Und gerade erst haben sie den Umzug von Vancouver an den Main bewerkstelligt. Den Frühling findet Crystal Pite die schönste Jahreszeit, um nach Frankfurt zu kommen - wo sie keine Unbekannte ist. Schließlich tanzte sie von 1996 bis 2001 im »Ballett Frankfurt« unter William Forsythe. Ihre Rückkehr an den Main empfindet sie daher fast wie eine »Heimkehr«.

Schon einmal hatte der Mousonturm eine eigene feste Tanztruppe. Unter dem Namen S.O.A.P. und dem Choreografen Rui Horta feierte die zwischen 1991 und 1996 in der Waldschmidtstraße ansässige Truppe weltweit Erfolge. Die Gründung einer neuen Tanzcompany war erklärtes Ziel der 2008 der vom Künstlerhaus Mousonturm initiierten Tanzoffensive, die mit großen Gastspielen, internationalen Festivals und eben einer eigenen Kompanie die Region Frankfurt/RheinMain wieder zu einer national wie international aktiven und vitalen Tanzlandschaft machen will. Dafür sollen nun Crystal Pite und Kidd Pivot sorgen, unter anderem auch mit Gastspielen. Die Choreografin hat bereits für zahlreiche andere Kompanien, darunter international renommierte wie das Nederlands Dans Theater, das Cullberg Ballet oder das Ballet Jazz de Montréal gearbeitet und einen sehr eigenen Stil entwickelt.

Pite beschreibt sich als eine Künstlerin, die hart an ihren Choreografien arbeitet und nicht auf plötzliche Inspiration vertraut und die auch dann weiterarbeiten kann, wenn sie das Ergebnis noch nicht vor Augen hat. Entsprechend entspannt und lebendig wirkt sie. Pite mischt schauspielerische Elemente, erzählerische Fantasie und Tanz, präzise Choreografie und Improvisation, Texte und Musik. Impulse für ihre Arbeit findet sie in der Philosophie, der Musik oder der Natur. Die Choreografien von Kidd Pivot kennen Kraft ebenso wie Weichheit, fließende und abgehackte Bewegungen, sanftes Zusammenspiel der Tänzer genauso wie abruptes Aufeinanderprallen. Sie mag Spannungen, die sich aus Kontrasten und Gegensätzen ergeben, sagt sie.

Vorbild ist William Forsythe

Bisher hat die Tanztruppe nur in Projekten zusammengearbeitet. Von der Arbeit mit der nun festen Company erhofft sich Pite eine »tiefere Auseinandersetzung und Arbeit« und »die Möglichkeit, mehr wagen und auch verwerfen zu können«. Für die tänzerische und choreografische Entwicklung findet sie das sehr wichtig. William Forsythe sei schließlich ein Vorbild für sie, und von ihm habe sie gelernt, in den Choreografien alles Unwesentliche zu eliminieren und darauf zu vertrauen, dass etwas anderes an die Stelle des »Zerstörten« tritt. Und Pite wirkt, als übe sie diese choreografische Lektion auch im wirklichen Leben. Astrid Biesemeier, pia

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