20. August 2015, 18:00 Uhr

Alufolie stoppt Autodiebe

Wetteraukreis (sha/lk). Ihr Zielobjekt: hochpreisige Autos. Ihr Werkzeug: spezielle Scanner. Ein Trick, um den Autodieben das Stehlen zu erschweren: Alufolie. Hätten die vielen Wetterauer, denen in den vergangenen Wochen und Monaten der Wagen gestohlen wurde, von diesem einfachen Mittel gewusst, hätten sie ihre Autos wohl noch.
20. August 2015, 18:00 Uhr
Einmal Alufolie um den Autoschlüssel, und die Gauner schauen in die Röhre. (Foto: Oliver Schepp)

Zehn mal zehn Zentimeter Alufolie als wirksamer Schutz gegen das organisierte Verbrechen? Das ist kein besonders preisbewusster Ratschlag von Onkel Dagobert im Kampf gegen die Panzerknacker, sondern ein Tipp der Polizei, um Autodieben das Handwerk zu legen. Ohne Witz.

Wie simpel das funktioniert, erläutert Jörg Reinemer, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen, im Gespräch: Der Autoschlüssel wird einfach in Alufolie eingewickelt. Auf diese Weise können die Diebe dessen Funksignale nicht empfangen. Denn: Ein Autoknacker bricht heute keine Fahrzeuge mehr auf, er arbeitet mit moderner Technik.

Die meist aus Osteuropa stammenden Banden sind mit speziellen Scannern unterwegs. Nur einer dieser Apparate koste bereits weit über 10 000 Euro, schildert Reinemer. Um dieses Geld wieder »einzuarbeiten«, haben es die Profidiebe auf Luxusfahrzeuge abgesehen. Besonders populär sind die Marken BMW, Audi und Mercedes sowie große Geländewagen.

Zündschlüssel sendet Funkwellen

Einen Mann aus Rosbach hat es jüngst doppelt hart getroffen: Innerhalb von drei Monaten wurde ihm zweimal das Auto gestohlen – beide Male war es ein etwa 100 000 Euro teurer 7er-BMW. Doch auch in anderen Kommunen des Kreisgebiets haben die Autodiebe zuletzt zugeschlagen. Am ersten August-Wochenende verschwanden in Nieder-Mörlen und in Ober-Mörlen je ein BMW im Wert von jeweils über 40 000 Euro. Mitte Juli wurden innerhalb weniger Stunden in Dortelweil gleich drei BMW der 5er- und 7er-Serie gestohlen.

Polizeisprecher Reinemer weiß: Die Banden agieren nachts. Auf Straßen und in Einfahrten geparkte Autos schnappen sie sich völlig geräuschlos – mit Funkwellen. Die sendet der Zündschlüssel. Er wird zum Kumpan der Diebe. Vor allem dann, wenn er zu nah an der Haustür an einem Schlüsselbrett hängt oder nicht weit entfernt auf einem Schuhschrank liegt. Einer der Täter stehe mit einem sogenannten »Keyscanner« vor der Haustür und empfange das Signal des Schlüssels. Dieses werde weitergegeben an einen Komplizen mit »Carscanner«, der mit diesem Gerät sowohl die Türen des Fahrzeugs öffnen als auch dessen Motor starten könne, beschreibt Reinemer das Vorgehen der Banden.

Neben dem Trick mit der Alufolie gebe es aber noch eine weitere simple Methode, dem eigenen Zündschlüssel die Kollaboration mit den Gangstern unmöglich zu machen, verrät der Polizeisprecher: Autobesitzer müssten schlicht darauf achten, dass der kleine Gegenstand nicht zu nah an irgendwelchen Fenstern oder Türen aufbewahrt werde. Reinemer empfiehlt eine Distanz von mindestens drei bis vier Metern. Dann könnten die Scanner nämlich keine Funkwellen mehr empfangen.

Der allerbeste Schutz gegen die professionellen Autoschieberbanden bleibt nach Aussage Reinemers allerdings die heimische Garage. Dort parkt der Polizist auch seinen eigenen BMW.



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