26. Juli 2019, 22:27 Uhr

Aus den Augen, aus dem Sinn

Die Hessen werfen reichlich Müll weg. Was damit passiert, hängt vom Abfalltyp ab. Mancher kann quasi vor Ort recycelt werden, anderer muss weiter entfernt verbrannt werden. Oft wissen Verbraucher allerdings nicht, welcher Müll wie und wo entsorgt werden muss.
26. Juli 2019, 22:27 Uhr
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Von DPA
In Hessen sind zuletzt 5,76 Millionen Tonnen Müll entsorgt worden. Davon stammten 2,9 Millionen Tonnen aus Haushalten und kleinen Gewerbebetrieben. (Foto: dpa)

Mülltonne auf, Abfall rein und weg: In Hessen sind zuletzt 5,76 Millionen Tonnen Müll entsorgt worden. Davon stammten 2,9 Millionen Tonnen aus Haushalten und kleineren Gewerbebetrieben, wie aus der jüngsten »Abfallmengenbilanz« des Landes für das Jahr 2017 hervorgeht. Weg sind Essensreste, Altpapier und Verpackungen natürlich nicht, sondern verbleiben noch eine Weile im Abfallkreislauf - in dem es heißt: sortieren, sortieren, sortieren.

Weil das so ist, appellieren die Entsorger an die Verbraucher: »Wir sind auf die Hilfe der Bürgerinnen und Bürger angewiesen, die ihren Müll in die richtige Tonne werfen«, sagt Michael Werner, Sprecher der Frankfurter Entsorgungs- und Service-Gesellschaft FES. Ist der Müll einmal abgeholt, laufen demnach »eingespielte Prozesse« ab. In Hessen sind die Kommunen für die erste Stufe der Abfallentsorgung zuständig: Sie holen den Müll ab. Die Kreise und kreisfreien Städte kümmern sich dann um die Verwertung und Entsorgung.

Die Hessen sind noch weit davon entfernt, keinen Müll mehr zu produzieren. Besonders voll sind zum Beispiel ihre Restmülleimer: Darin kamen 2017 insgesamt rund 936 000 Tonnen zusammen. Die Hessen warfen zudem fast 866 000 Tonnen Bananenschalen, Teebeutel, Gemüsereste und andere Bioabfälle weg sowie 402 000 Tonnen Verpackungen aus Glas, Karton oder Kunststoff.

Zu den »eingespielten« Prozessen in Hessens größter Stadt Frankfurt gehört, den gesammelten Restmüll ins Müllheizkraftwerk zu fahren, wie FES-Sprecher Werner erklärt. Drei von vier Öfen seien dort ständig in Betrieb. Pro Jahr können demnach 525 000 Tonnen Abfälle verfeuert werden. Brennmaterial gebe es genug, da auch Nachbarkommunen ihre Abfälle herbringen. Zudem mache sich bemerkbar, dass einige asiatische Länder Verpackungsmüllimporte gestoppt oder eingeschränkt hätten.

73 Prozent des in Hessen angefallenen Hausmülls wurden 2017 zur Energiegewinnung genutzt und meist in Müllheizkraftwerken wie in Frankfurt entsorgt. Der Rest sei in Kraftwerken als Ersatzbrennstoff verfeuert worden, heißt es in der »Abfallmengenbilanz«.

Beim Recycling hat der Biomüll die Nase vorn im Land: Dieser konnte zuletzt zu 95,5 Prozent verwertet werden. Das läuft »wirklich gut«, sagt Jürgen Roth, der Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Wetterau. Der Wetteraukreis betreibt - wie andere Kommunen auch - eine eigene Anlage, in der Obst- und Gemüsereste zu Biogas und Kompost werden. »Das ist ein kurzer, geschlossener Kreislauf.« Auch das Papier-Recycling hat sich Roth zufolge bewährt. Dies sei ein weiterer Kreislauf, »den wir auf kurzen Weg schließen können«. Der Kreis bereitet das Altpapier aber nicht selbst auf, sondern arbeitet dafür mit Recycling-Firmen zusammen. Die ländlich geprägte Wetterau hat auch keine eigene Müllverbrennungsanlage. Der Hausmüll wird gesammelt, alles Metallische fürs gesonderte Recycling herausgefischt und der Rest zu Müllverbrennungsanlagen »im Umkreis von 100 Kilometern« gebracht. Und dann ist da noch der Verpackungsmüll wie Dosen, Folien oder Joghurtbecher, meist entsorgt über den gelben Sack oder die gelbe Tonne. Den Verbrauchern bereitet das System mitunter Probleme, weil sie unsicher sind, was hineingehört. Der Strohhalm beispielsweise ist zwar aus Plastik, aber keine Verpackung und muss draußen bleiben.



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