25. April 2017, 09:00 Uhr

Seuche

Blauzungenkrankheit auf dem Vormarsch

Die Blauzungenkrankheit breitet sich in Richtung Deutschland aus. Für Schafe, Rinder, Ziegen und andere Wiederkäuer kann das ernsthafte Folgen haben.
25. April 2017, 09:00 Uhr
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Von Eva Diehl
Die Blauzungenkrankheit ist eine virale Infektion bei Wiederkäuern. Für Schafe kann die Erkrankung tödlich sein. (Foto: bb)

Auch in Hessen sollten Tierhalter daher jetzt aktiv werden und ihr Vieh schützen, rät das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Fragen und Antworten zu der Maulkrankheit im Überblick:

Wie äußert sich die Blauzungenkrankheit?

Die Blauzungenkrankheit ist eine virale Infektion bei Wiederkäuern. Für Schafe kann die Erkrankung tödlich sein. Verläuft die Krankheit schwer, treten bei den Tieren Fieber, Atemprobleme, vermehrter Speichelfluss sowie die typisch geschwollenen und blaugefärbten Zungen auf. Bei Ziegen sind die Symptome meist deutlich schwächer ausgeprägt. Bei Rindern verläuft die Erkrankung meist milder, mit Veränderungen im Nasen-Maulbereich, am Euter und an den Zitzen. Zudem treten Bindehautentzündungen, Schwellungen an Unterschenkeln oberhalb der Klauen auf in Verbindung mit Lahmheit und verminderten Milchleistung bei Kühen beziehungsweise Deckunlust bei Bullen.

Besteht Gefahr für den Menschen oder andere Haustiere?

Für Menschen ist die Blauzungenkrankheit ungefährlich. Auch durch Verzehr erkrankter Tiere wird die Seuche nicht übertragen. Haustiere wie Hund, Katze oder Pferde gehören nicht zu den Wiederkäuern und sind ebenfalls nicht gefährdet.

Was geschieht mit betroffenen Tieren? Können sie geheilt werden?

Erkrankte Tiere müssen nicht verpflichtend geschlachtet werden, können aber auch nicht mehr geimpft werden. In der Regel behandelt der Tierarzt die einzelnen Symptome gezielt. Bei einem leichten Krankheitsverlauf, etwa bei Rindern oder Ziegen kann die Erkrankung selbstständig abklingen. In schweren Fällen verläuft sie jedoch tödlich. Die Blauzungenkrankheit ist eine anzeigepflichtige Seuche. Tierhalter müssen Verdachtsfälle daher der zuständigen Veterinärbehörde melden.

Wo tritt die Tierseuche derzeit in Europa auf?

Die Blauzungenkrankheit grassiert seit Monaten in Frankreich, Italien und in einigen Balkanstaaten. Seit Anfang des Jahres sind Fälle in Frankreich Richtung deutscher Grenze aufgetreten. Von Überwachungszonen (150-km-Radius) sind unter anderem Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und das Saarland betroffen. In diesen Zonen dürfen Tiere frühestens 60 Tage nach der Impfung in ein anderes Gebiet gebracht werden. In Deutschland gab es in diesem Jahr noch keinen Ausbruch, gibt das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz an.

Wann war die Infektion zuletzt akut in Deutschland, Hessen und den Landkreisen Gießen, Wetterau und Vogelsberg?

Die Blauzungenkrankheit vom Serotyp 8 ist in Deutschland zum ersten Mal im August 2006 aufgetreten. Innerhalb eines Jahres verbreitete sich die Infektion explosionsartig. Auf dem Höhepunkt des Seuchenzuges im Sommer 2007 waren allein in Hessen Tausende von Tieren erkrankt; viele starben an den Folgen. Im Landkreis Gießen waren 188 Betriebe mit Rindern und Schafen betroffen, im Vogelsbergkreis waren es 283 Bestände, in denen 460 Tiere verendeten. Im Wetteraukreis erkrankten Tiere in rund 200 Betrieben, rund 80 Rinder und 400 Schafe starben.

Eine flächendeckende Impfung in den Jahren 2008/2009 stoppte schließlich die Ausbreitung des Virus in Deutschland. 12 000 Schafe und 17 000 Rinder wurden allein im Wetteraukreis geimpft. Die letzten, vereinzelten Fälle der Blauzungenkrankheit gab es in den Landkreisen Gießen, Wetterau und Vogelsberg im Jahr 2008. Seit 2011 ist Deutschland offiziell frei von der Krankheit.

Wie wird die Krankheit von einem Tier zum anderen übertragen?

Die Blauzungenkrankheit wird durch das Bluetongue-Virus (BTV) verursacht, das in mindestens 27 Typen bekannt ist. Ein Eintragsrisiko nach Deutschland besteht vor allem für die Typen BTV-4 und BTV-8. Der Krankheitserreger wird durch Stechmücken, die Gnitzen, übertragen, die bei den derzeit warmen Temperaturen schon aktiv sind. Weitere Übertragungswege sind infizierte empfängliche Tieren, Sperma, Embryos und Eizellen.

Wie können Tierhalter ihre Tiere schützen?

»Wir empfehlen dringend die vorbeugende Impfung gegen die Blauzungenkrankheit mit den Serotypen 4 und 8«, sagte Priska Hinz, Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, kürzlich in Wiesbaden. Die hessischen Tierhalter sollten ihre Rinder, Schafe und Ziegen möglichst zeitnah gegen den Erreger der gefährlichen Seuche impfen lassen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat jetzt berechnet, dass eine Tilgung der Blauzungenkrankheit nur gelingen kann, wenn 95 Prozent der Rinder und Schafe mindestens fünf Jahre in Folge geimpft werden.

Ist eine Impfung Pflicht? Was sollten heimische Tierhalter beachten?

Die Impfung gegen die Blauzungenkrankheit ist freiwillig. Die Kosten dafür trägt der Tierhalter. Die Immunisierung sollte frühzeitig erfolgen, da erst nach sechs bis sieben Wochen ihre volle Wirkung entfaltet. Wenn die Infektion bereits erfolgt ist, kommt die Impfung zu spät. Die Impfung muss je nach Tierart regelmäßig wiederholt werden. Tierhalter sollten sich an das zuständige Veterinäramt wenden, da die Impfung genehmigungspflichtig ist. Der Landkreis Gießen hat Impfung für das Jahr 2017 pauschal genehmigt durch eine sogenannte Allgemeinverfügung.

Tierhalter müssen die Daten der geimpften Tiere eigenständig in der HIT-Datenbank im Internet melden oder ihren Hoftierarzt damit beauftragen. Auch in der Wetterau müssen Tierhalter die Impfungen nicht einzeln genehmigen lassen. Im Vogelsbergkreis kann jede Tierarztpraxis beim Veterinäramt in Lauterbach eine Genehmigung für die Impfung gegen Blauzungenkrankheit beantragen. Eine Genehmigung für jeden einzelnen Tierhalter ist auch hier nicht erforderlich.



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