11. Dezember 2018, 19:38 Uhr

Computer als Steuerfahnder

11. Dezember 2018, 19:38 Uhr
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Von DPA

Kassel/Wiesbaden (dpa/lhe). Auf der Jagd nach Steuersündern setzt das Land Hessen auf künstliche Intelligenz (KI). »Sämtliche Ermittlungsbehörden, und im besonderen Maße die Steuerfahndungsstellen der Finanzbehörden, werden in ihrer täglichen Arbeit seit Jahren mit einer zunehmenden Flut von elektronischen Datenmengen konfrontiert«, erklärte Moritz Josten, Sprecher des hessischen Finanzministeriums. Automatische Programme könnten bei der Auswertung helfen. Eingesetzt wird die KI vor allem in Nordhessen.

Die Steuerfahndungsstelle im Finanzamt Kassel II werte mit dem Bundeskriminalamt (BKA) die »Panama Papers« aus. Die Finanzdokumente einer panamaischen Anwaltskanzlei enthalten Informationen über Geschäfte mit Briefkastenfirmen. Es handele sich dabei um mehrere Millionen Dateien. Bei der Auswertung werde der Einsatz der KI erfolgreich praktiziert, erklärte Josten. Das Prinzip: Der Computer lernt anhand der Ergebnisse, die durch menschliche Ermittler zustande gekommen sind. Je mehr Treffer und Fehltreffer eingespeist werden, desto »aussagekräftiger und qualitativ hochwertiger ist das erwartete Ergebnis«.

KI kommt in Kassel zum Einsatz, weil das Finanzamt II dort zentral für die Bearbeitung digitaler Massendaten zuständig ist. »Ich denke, es geht darum, Steuerfahnder effizienter zu machen«, sagte der Darmstädter Professor Kristian Kersting. Er hat untersucht, wie Journalisten mit KI unterstützt werden können, und dabei die Auswertung der »Panama Papers« verfolgt. »Es gibt sehr gute Fortschritte, durch die Maschinen Texte besser verstehen können.«

Eine KI könne in einer Datenbank schnell große Datenmengen verarbeiten, dabei Namen identifizieren und so Querbezüge zwischen Dokumenten herstellen. Selbst unterschiedliche Namensschreibweisen oder den Bezug von Personalpronomen könne eine KI lernen. Die Erfassung von Worten ermögliche noch mehr: »Ein System kann beispielsweise erkennen, wie Ihre Steuererklärung normalerweise aussieht und wenn es große Abweichungen gibt.«

Das System kann Fehler machen. »Der Mensch sollte auf die Ergebnisse regulierend draufschauen. Ich bin aber auch kein Freund davon, den Menschen in absolute Wahrheitssphären zu setzen«, erklärte Kersting. Dieses Problem berühre eine zentrale Frage der KI-Forschung: »Wie müssen sich die Interaktionen zwischen lernendem System und Mensch gestalten?«

Ausgebildet werden könnten die künftigen KI-Fahnder ebenfalls in Kassel. Vom Wintersemester 2019/20 an sei in Kooperation mit der Universität ein duales Studium geplant. »In diesem Rahmen sollen fünf Studienplätze im IT-Bereich geschaffen werden«, erklärte das Finanzministerium.



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