20. Juli 2017, 22:02 Uhr

»Das Material wird härter«

Wenige Tage nach einem großen Schlag gegen Kinderpornos im Darknet melden die Ermittler den nächsten Erfolg: Die Wohnungen von 67 Tatverdächtigen wurden durchsucht. Neun von ihnen stammen aus Hessen. Ein betroffener Online-Dienst aus den USA unterstützte die Ermittlungen.
20. Juli 2017, 22:02 Uhr
Erst vor Kurzem hatten die Ermittler einen wirkungsvollen Schlag gegen Pädophile gemeldet: Eine der größten internationalen Kinderpornografie-Plattformen im Darknet, »Elysium«, wurde stillgelegt. Nun gelang den Behörden wieder ein Erfolg. (Foto: dpa)

Wie die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt und das Bundeskriminalamt (BKA) Wiesbaden am Donnerstag mitteilten, erfolgten die Durchsuchungen bereits vom 5. bis 19. Juli. Die Tatverdächtigen im Alter von 18 bis 80 Jahren stehen nach Angaben des BKA und der Generalstaatsanwaltschaft im Verdacht, über den Online-Dienst »Chatstep« Bilder und Videos von teils schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern sowie von sexueller Gewalt gegen Kindern ausgetauscht zu haben. Unter den Opfern sollen auch Babys im Alter zwischen ein und drei Jahren gewesen sein.

Neun der insgesamt 67 Tatverdächtigen, die über »Chatstep« Bilder und Videos mit Kinderpornografie getauscht haben sollen, stammen aus Hessen. Die ermittelten Personen kämen aus Frankfurt sowie den Kreisen Marburg-Biedenkopf, Limburg-Weilburg und Darmstadt-Dieburg sowie dem Hochtaunuskreis, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, Georg Ungefuk, am Donnerstag in Wiesbaden. Weitere Details zu den Beschuldigten wurden nicht genannt. Alle Tatverdächtige befinden sich derzeit auf freiem Fuß. Es habe nach der bundesweiten Durchsuchung von Wohnungen keine Festnahmen gegeben, sagte Ungefuk, am Donnerstag in Wiesbaden. Kein Tatverdächtiger sitze in Untersuchungshaft. Das könne sich aber ändern, wenn das sichergestellte Material ausgewertet worden sei. Bislang gebe es keine Hinweise, dass die Tatverdächtigen realen sexuellen Missbrauch begangen haben könnten. »Hinter jedem Bild steht aber ein real geführter Missbrauch«, betonte Sabine Vogt, Leiterin der Abteilung Schwere und Organisierte Kriminalität beim BKA. In vielen Fällen kämen die Täter aus dem familiären Umfeld. Grundsätzlich gebe es bei den Betroffenen aber keinerlei Einschränkung, was Alter oder Herkunft betrifft. »Es geht quer durch die Gesellschaft.« Und: »Das Material wird zunehmend aggressiver und härter«, erklärte Ungefuk. »Dass Kleinstkinder unter den Opfern sind, ist inzwischen keine Besonderheit mehr.«

Um die mutmaßlichen Täter zu identifizieren, habe der US-amerikanische Betreiber der Internet-Plattform mit dem BKA zusammengearbeitet. Hintergrund ist ein US-Gesetz, nachdem es die Verpflichtung gibt, festgestellte Fälle des Austauschs von Kinderpornografie für die Strafverfolgung zu melden. Insgesamt rund 7000 Hinweise gab es. Neben Deutschland läuft auch in anderen Ländern die Suche nach den Tätern. Die Auswertung der sichergestellten Datenträger der Beschuldigten sowie weitere Ermittlungen dauerten noch an. Die meisten Tatverdächtigen kommen aus Hessen, Niedersachsen (je neun), Bayern und Nordrhein-Westfalen (je acht) sowie Baden-Württemberg (fünf).

Die Beschuldigten schickten sich nach Angaben der Ermittler über den Online-Dienst »Chatstep« die Aufnahmen gegenseitig zu. Dort sollen sie sich in Chatgruppen mit bis zu 50 Teilnehmern zusammengeschlossen haben. Bei dem Dienst war zwar eine Anmeldung im Internet mit persönlichem Namen erforderlich. Eine Sicherheitsüberprüfung gab es aber nicht, berichtete Vogt. Der Onlinedienst gilt zwar als nicht besonders groß. Der Vorteil war aber offenbar, dass über die Chats relativ große Dateien verschickt werden konnten.

Einen Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen die internationale Kinderpornografie-Plattform im Darknet, »Elysium«, gibt es bislang nicht. Der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft schloss aber nicht aus, dass sich bei der Auswertung des sichergestellten Materials Überschneidungen zeigen könnten. Nach dem Abschalten von »Elysium« waren jüngst 14 Verdächtige festgenommen worden. Zwölf von ihnen wird sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen. Auf der 87 000 Nutzer zählenden Plattform waren kinderpornografische Bilder und Videos ausgetauscht und auch Verabredungen zum sexuellen Missbrauch getroffen worden. Auch hier waren einige Opfer nur zwei Jahre alt.

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