25. Januar 2017, 22:10 Uhr

Brückenbau

Der Traum von der Brücke

Die letzte Rheinbrücke zwischen Bingen und Rüdesheim haben die Nazis gesprengt. Jetzt wird wieder mal über eine neue Verbindung debattiert. Im Landtag gab es ungewohnte Allianzen.
25. Januar 2017, 22:10 Uhr
So nah und doch so fern: Der Landtag debattiert darüber, ob man zwischen Rüdesheim und dem rheinland-pfälzischen Bingen wieder eine Brücke über den Rhein bauen sollte. Wunderschön ist die Aussicht von Hessen auf das Nachbarbundesland allemal – auch ganz ohne Übergang. (Foto: dpa)

Hasso Mansfeld spricht von einem »echten Kraftakt«: In den vergangenen Monaten hat der 54-Jährige mit seiner Bürgerinitiative an Ständen und auf Winzerfesten im Kreis Mainz-Bingen mehr als 10 000 Unterschriften gesammelt. Ziel: Per Bürgerentscheid soll im Kreistag eine Machbarkeitsstudie zum Bau einer Rheinbrücke zwischen Bingen und Rüdesheim auf hessischer Seite erzwungen werden.

»Wir wollen das Recht auf eine Rheinüberquerung«, sagt Mansfeld und verweist auf mehrere Tausend Pendler zwischen Rheinhessen und dem Rheingau. Mit einer Brücken-Lücke von 84 Kilometern zwischen Mainz/Wiesbaden und Koblenz stelle der Rhein einen »Europarekord« auf. Auch wenn es zwischen Wiesbaden und Mainz die Schiersteiner Autobahnbrücke gibt: Der Traum von einem weiteren Übergang zwischen Rheinhessen und dem Rheingau ist alt – seit deutsche Pioniertruppen im Januar 1945 wegen der heranrückenden Amerikaner die bereits bei Luftangriffen beschädigte Hindenburg-Eisenbahnbrücke zwischen Bingen-Kempten und Rüdesheim in Schutt und Asche gelegt haben.

Schon in den 1950er Jahren wurde über den Wiederaufbau der Brücke für den Autoverkehr diskutiert – deren Pfeiler sind heute noch zu sehen. Anfang der 1970er Jahre waren die Planungen schon recht fortgeschritten, bis die Ölkrise diese erneut beerdigte. Jetzt hat die Idee ein weiteres Mal Auftrieb erhalten, da die neue rot-gelb-grüne Landesregierung in Mainz auf Druck der FDP eine Machbarkeitsstudie in ihren Koalitionsvertrag geschrieben hat.

Zur Bedingung wurde jedoch die Zustimmung und finanzielle Beteiligung der beiden Landkreise gemacht. Prompt kam vom Kreistag Mainz-Bingen mit der Mehrheit von SPD, Grünen und Freien Wählern ein ablehnendes Votum. Das will die maßgeblich von der FDP mitgetragene Bürgerinitiative nun doch noch kippen.

 

Grüne ablehnend

 

Ausgerechnet die hessische Seite, wo die Brücke bisher weit weniger Thema war als in Rheinland-Pfalz, ist schon weiter. Im Rheingau-Taunus-Kreis hat der Kreistag mit den Stimmen von CDU, FDP und Freien Wählern für die Machbarkeitsstudie gestimmt. »Freundschaften finden über den Rhein kaum statt«, sagt FDP-Fraktionschef Stefan Müller fast pathetisch zum Beschluss. Die Rheinfähren seien kein Ersatz.

Ähnlich wie auf der anderen Seite haben auch in Hessen die Liberalen die Brücke zu ihrem Lieblingsprojekt gemacht: Gestern debattierte auf Antrag der FDP der Landtag in Wiesbaden darüber. Die schwarz-grüne Regierung trat dabei nicht so einheitlich auf wie gewohnt. So machte sich die CDU zusammen mit ihrem früheren liberalen Koalitionspartner für den Brückenschlag ins Nachbarland stark. Der grüne Verkehrsminister Tarek Al-Wazir verwies dagegen auf die prekäre Verkehrssituation am Ufer des Rheintals: »Es kommt ja nicht nur darauf an, Fahrzeuge über den Rhein zu bringen.« Ablehnung kam von SPD und Linken.

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