19. Juli 2019, 22:26 Uhr

»Die Entwicklung tut weh«

Grund zur Klage für die großen Kirchen in Hessen. Erneut verlieren sie Tausende Mitglieder und nur wenige treten ein. 2018 sind sogar deutlich mehr Menschen ausgetreten als im Jahr zuvor.
19. Juli 2019, 22:26 Uhr
Die Zahl der Austritte aus den katholischen Bistümern und den evangelischen Kirchen in Hessen ist 2018 deutlich gestiegen. (Foto: KNA)

Der Negativtrend setzt sich fort: Die beiden großen Kirchen in Hessen haben erneut einen deutlichen Mitgliederverlust zu beklagen. 2018 lebten rund 1,39 Millionen Katholiken in dem Bundesland, im Vorjahr waren es noch etwa 1,42 Millionen, wie die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) am ges-trigen Freitag mitteilte. Auch die evangelische Kirche im Land verlor Tausende Mitglieder. Im vergangenen Jahr verließen der Mitteilung der DKB zufolge rund 16 400 Menschen die katholische Kirche, das sind 3500 Austritte mehr als 2017. In die Kirche eingetreten seien in Hessen weniger als 200 Menschen.

Bundesweit ging die Zahl der Katholiken im Jahr 2018 um gut 300 000 auf 23 Millionen zurück. »An den Zahlen ist nichts zu beschönigen, sie bestätigen einen Trend«, sagte Hans Langendörfer, Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz.

Die katholischen Gläubigen verteilen sich in Hessen auf die drei Bistümer Fulda, Limburg und Mainz. Deren Gebiete reichen geografisch auch in andere Bundesländer. Im Bistum Fulda sank die Zahl der Katholiken von rund 390 000 im Jahr 2017 auf etwa 382 000. Im Bistum Limburg lebten 2018 rund 608 000 Gläubige (624 000), in Mainz wiederum 719 000 - das sind knapp 11 000 weniger als zuvor.

Die Zahl der Austritte stieg in allen drei Bistümern merklich an: Im Bistum Limburg entschieden sich 7800 Menschen, die Kirche zu verlassen, also 1500 mehr als noch 2017. In Mainz traten 8400 Katholiken aus (6300), in Fulda rund 3200 (2500).

»Gerade im Hinblick auf die Verbrechen gegen Kinder, Jugendliche und Schutzbefohlene hat die Kirche viel von ihrer Glaubwürdigkeit verloren«, sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf. Die Kirche müsse zeigen, dass sie alles tue, um sich ihrer Verantwortung zu stellen.

Die Protestanten haben ebenfalls mit sinkenden Mitgliederzahlen zu kämpfen. Im Gebiet der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) sank die Zahl der Mitglieder von rund 812 300 auf 800 700. Es traten den Angaben nach 6800 Gläubige aus, 2017 waren es noch 5300. Für die Zukunft sei unter anderem wichtig, »Angebote für Jugendliche nach der Konfirmation zu schaffen und sie bei ihrem Einstieg ins Berufsleben zu begleiten«, sagte EKWW-Vizepräsident Volker Knöppel.

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) verzeichnete 2018 indes rund 1,52 Millionen Mitglieder, im Vorjahr waren es etwa 1,55 Millionen. Das entspreche einem Rückgang von 2,1 Prozent. 17 700 Menschen traten demnach aus, zuvor waren es 15 600.

»Die Entwicklung tut weh«, sagte EKHN-Kirchenpräsident Volker Jung. »Viele junge Menschen fragen sich, was die Mitgliedschaft in der Kirche nutzt. Hier müssen wir viel deutlicher machen, was wir als Kirche in der persönlichen Begleitung und auch für das Zusammenleben in der Gesellschaft leisten.«

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