01. August 2018, 20:56 Uhr

»Elysium«-Prozess beginnt

01. August 2018, 20:56 Uhr

Limburg (dpa). Mehr als ein Jahr nach der Zerschlagung der riesigen Kinderporno-Plattform »Elysium« beginnt der Prozess gegen die mutmaßlichen Haupttäter. Die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt spricht von einem außergewöhnlichen Verfahren: »Den Prozess macht besonders, dass es um die mutmaßliche Führungsriege geht«, sagte Sprecher Georg Ungefuk.

Die vier Angeklagten im Alter zwischen 40 und 62 Jahren müssen sich von heute an vor dem Landgericht Limburg unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern und der Verbreitung pornografischer Schriften verantworten. Die Männer sollen die Plattform im Darknet, einem verborgenen Bereich des Internets, betrieben oder sich daran beteiligt haben.

Datenaustausch und Verabredungen

Die Ermittler hatten die Plattform – eine der größten ihrer Art – nach langer Detektivarbeit im Sommer 2017 abgeschaltet und mehrere Verdächtige festgenommen, auch in Österreich. Die Fahnder stießen auf mehr als 111 000 Mitgliederkonten weltweit und fanden Bild- sowie Videodateien mit Aufnahmen schwersten sexuellen Missbrauchs von Kindern. Manche Opfer waren erst zwei Jahre alt. Die Nutzer konnten nicht nur Dateien austauschen. Sie sollen sich auch zu Übergriffen verabredet haben.

Den Fall mache außerdem besonders, »dass es sich um eine in Deutschland, von mutmaßlich deutschen Verantwortlichen betriebene Plattform im Darknet handelt«, erläuterte Oberstaatsanwalt Ungefuk. »Bis dahin saßen die Betreiber meist im Ausland.« Und: »Die Plattform hat innerhalb von sechs Monaten sehr viele Nutzer gewonnen, sodass wir davon ausgehen können, dass nahezu jedes Mitglied der kinderpornografischen Szene in Deutschland bei ›Elysium‹ aktiv war.«

Ein 40-jähriger Angeklagter, ein Mann aus dem hessischen Bad Camberg, soll für den Betrieb des Servers verantwortlich gewesen sein und Zugriff darauf gehabt haben. Einem 58-Jährigen aus dem Kreis Tübingen in Baden-Württemberg wirft die Generalstaatsanwaltschaft vor, das Programm für die Plattform geschrieben und eingerichtet zu haben. Zudem soll er sich schon an einer anderen Plattform aktiv beteiligt haben.

Angeklagt sind außerdem ein 47-Jähriger aus dem Main-Tauber-Kreis (Baden-Württemberg) sowie ein 62-Jähriger aus Landsberg/Lech in Bayern. Sie sollen bei »Elysium« die Funktion von Moderatoren und Chat-Administratoren übernommen haben. Der 62-Jährige soll zudem über die Plattform Kontakt zu einem Österreicher geknüpft und dann dessen zwei Kinder mehrfach sexuell missbraucht haben, um Aufnahmen von den Übergriffen anzufertigen.

Auch wenn nun die mutmaßlichen »Elysium«-Protagonisten vor Gericht stehen – die Ermittlungen dauern an. So konnten die Fahnder der bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt angesiedelten Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) in Gießen noch längst nicht alle Nutzer der Plattform finden. »Es ist eine Puzzlearbeit, die Menschen hinter den Nutzeraccounts zu finden«, sagte Ungefuk. »Im Darknet können wir sie nicht mit technischen Mitteln wie IP-Adressen identifizieren.«

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