10. Februar 2020, 18:51 Uhr

Escape aus der Notaufnahme

10. Februar 2020, 18:51 Uhr
Gemeindepädagogin Carolin Jendricke beim Aufbau eines Escape-Games in der Asklepios-Klinik in Langen. FOTO: DPA

Langen - Einen Kriminalfall lösen, eine Verschwörung aufdecken, der Ausbruch aus einer Gefängniszelle oder sich dunklen Mächten entgegenstellen - kommerzielle Escape-Rooms gibt es fast überall. Das Spiel, bei dem ein Team eine Reihe kniffliger Fragen zur Lösung eines Problems beantworten muss, liegt im Trend. Die Kirche gibt in ihren Gotteshäusern oder der Notaufnahme eines Krankenhauses Rätsel auf. Der »Barmherzige Samariter« oder »Zehn Plagen - Auszug aus Ägypten« heißt das Spiel, wenn die Kirche das Rätselraten und die Suche nach Antworten übernimmt.

»Mir kam die Idee einfach, als ich mir gesagt habe, warum nutzen wir unsere Kirchengebäude nicht auch anders«, sagt die Organisatorin und Gemeindepädagogin im Dekanat Dreieich der Evangelischen Kirche Hessen Nassau (EKHN), Carolin Jendricke. »Es ist eine gute Idee, um als Kirche auch mal außerhalb der Kirchengebäude präsent zu sein.« Kirchliche Themen werden so in ein Spiel eingebaut, bibelfest muss man dafür aber nicht sein.

Die Initiative der 29-Jährigen mit der Projektstelle innovative Erwachsenenarbeit 55+ im Dekanat trägt Früchte. »Es haben mittlerweile recht viele Gemeinden angefragt«, erzählt Jendricke. Weitere Escape-Rooms der Kirche soll es also geben. Die interessierten Gemeinden könnten sich von ihr briefen lassen und die Materialien bei ihr ausleihen. Sie sei in diesem Jahr schon zu drei kirchlichen Fachtagungen eingeladen, bei denen sie über das Konzept berichten soll. »Ich denke, das ist etwas, was sich jetzt weiter verbreiten wird.«

Das Erfolgskonzept ist nach Auffassung von Jendricke einfach. Das Spiel ist generationenübergreifend. Da haben auch schon Oma, Tochter und Enkelin zusammen gerätselt. Bei den beiden bisherigen Veranstaltungen gab es viel mehr Anmeldungen als überhaupt Zeit zur Verfügung stand. Und: Der kirchliche Escape-Room kostet die Spieler kein Geld. Wer bei der Anmeldung zuerst kommt, mahlt zuerst - Spenden werden aber gerne genommen.

Nach einem Spiel in der Stadtkirche Langen fand jüngst in der Asklepios-Klinik in Langen der zweite Escape-Room statt. Von Jendricke zusammen mit der Seelsorgerin und Pfarrerin der Klinik, Annette Röder, organisiert, spielten zahlreiche Teams in der neuen, noch nicht eingerichteten Notaufnahme des Krankenhauses. Team »Intensiv«, die Krankenschwestern Jutta Janiel, Nina Bischoff, Haleh Eslami und Jasmin Gimbel, versuchten an ihrem künftigen Arbeitsplatz zahlreiche Rätsel zu knacken und so Zahlenkombinationen für Schlösser zu bekommen.

Die Regeln waren klar. Binnen 60 Minuten mussten die vier Frauen alle Aufgaben lösen, dabei durften sie fünf Fragen an die Helfer stellen. »Bitte nicht an elektrischen Geräten rumschrauben, Steckdosen haben nichts mit dem Spiel zu tun. Die Aufgaben sind ohne Gewalt zu lösen«, wurde zum Start noch klargestellt. Ohne Nachfragen hätten die vier Krankenschwestern die Rätsel wohl nicht geknackt. Am Ende standen auf ihrer Uhr noch acht Minuten. Ihr einstimmiges Urteil: »Voll cool.«

Solche nicht kommerziellen Escape-Rooms gab es auch anderen Ortes. Bei der EKHN wurden sie schon in der Jugendarbeit veranstaltet. Nach Angaben einer Mitarbeiterin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck werden Escape-Room-Games dort ebenfalls in der Jugendarbeit eingesetzt, allerdings nicht in Kirchen, sondern in Gemeindehäusern. Die Bundespolizei in Berlin nutzte das Spiel, um für Nachwuchs zu werben und mit kniffligen Rätseln den Arbeitsalltag der Beamten zu simulieren. dpa

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