14. Mai 2014, 18:22 Uhr

Freispruch für Dennis Stephan

Gießen/Buseck (sha). Dennis Stephan ist ein freier Mann, kein Brandstifter. Und er leidet an einer Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis, ist deshalb schuldunfähig. So sieht es die Zweite Große Strafkammer des Gießener Landgerichts, die am Dienstag ihr Urteil verkündete.
14. Mai 2014, 18:22 Uhr
Die Aufhebung der vorübergehenden Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus war ein erster Teilerfolg (Foto); nun wurde Dennis Stephan freigesprochen.

Der 37-jährige ehrenamtliche Kreispolitiker hatte sich stets gegen den Vorwurf gewehrt, am 30. Juni 2013 versucht zu haben, seine Wohnung in Beuern in Brand zu setzen. Ebenso gegen die Feststellung, dass er an einer psychischen Erkrankung leidet (die GAZ berichtete). Noch am Dienstag geißelte er die Anklage als »üble Nachrede«, sprach von einer »öffentlichen Hinrichtung« seiner Person.

Zuvor hatte Staatsanwalt Klaus Bender in seinem Plädoyer den Vorwurf der schweren Brandstiftung unter anderem mit einer Aussage eines Gutachters begründet: Demnach hätte der Sauerstoffgehalt in dem Badezimmer ausgereicht, um das Feuer so zu entfachen, dass es gegebenenfalls auch auf »wesentliche Teile« des ganzen Gebäudes hätte übergreifen können. Dennoch sprach sich Bender gegen eine aus. Denn nach Aussage eines medizinischen Gutachters seien von dem 37-Jährigen trotz Erkrankung »keine weiteren erheblichen Straftaten zu erwarten«.

Der Arzt habe dies damit begründet, dass der Kreispolitiker bislang »immer eine gewisse Vorsorge« getroffen habe, dass ein Brand sich »nicht weiterentwickelt« – etwa Zeitungsreste auf Steinplatten außerhalb seiner Wohnung verbrannt. »Brandpräventives Verhalten« hob auch Verteidiger Thomas Saschenbrecker hervor, der einen Freispruch für seinen Mandanten verlangte. Die Tat in Beuern sei eine »Verkettung unglücklicher Umstände bei der Beseitigung von Resten« gewesen, jedoch keine nachweisbare Brandstiftung.

Gericht für eine Entschädigung

Vorsitzende Richterin Regine Enders-Kunze hielt die ursprünglich von der Staatsanwaltschaft erhobene Anklage ebenfalls für nicht bestätigt. Sie ging von einer Sachbeschädigung durch »fahrlässige Brandentstehung« aus. Daran, dass der 37-Jährige es war, der auf dem Boden seines Badezimmers eine Anhäufung von unter anderem Büchern, Holz und Textilien angezündet hatte, zweifelte Enders-Kunze nicht.

Außer Stephan hatten nur noch die ihm »wohlgesonnenen« Vermieter einen Schlüssel für die Wohnung gehabt. Diese seien über jeden Verdacht erhaben. Einen technischen Defekt als Brandursache hatte ein Gutachter ausgeschlossen. Auch die von Stephan angeführte Begründung – noch glimmende Räucherstäbchen im Badezimmerpapierkorb als Brandursache – habe der Sachverständige als »höchst unwahrscheinlich« bezeichnet. Außerdem habe der Mülleimer eben gerade an der Außenseite Brandspuren aufgewiesen, was gegen die Räucherstäbchen-These spreche. Gleichwohl habe es sich bei dem von Stephan verursachten Feuer nur um einen Schwelbrand gehandelt, betonte die Vorsitzende. Der habe in dem bis zur Decke gefliesten Raum nicht das Potenzial gehabt, wesentliche Teile des Gebäudes in Brand zu setzen. Dennoch: Dass auch ein Schwelbrand in einem geschlossen Raum – etwa durch Verrußung – Schaden anrichten kann, hätte auch der Angeklagte wissen müssen, dies aber »billigend in Kauf genommen«.

Allerdings sei Stephan aufgrund seiner Erkrankung nicht schuldfähig, unterstrich Enders-Kunze. Orientiert an der Empfehlung des medizinischen Gutachters sprach sich auch die Kammer gegen eine Unterbringung des 37-Jährigen aus. Gleichwohl betonte die Richterin: »Niemand der Beteiligten« habe gesagt, dass jemand, der an einer psychischen Erkrankung leide, »ein Monster« sei. Stephan hatte sich eine psychiatrische Diagnose immer vehement verbeten. Der medizinische Sachverständige habe gerade dem Kreispolitiker attestiert, »welche Leistungsfähigkeit« dieser trotz seines Krankheitsbildes besitze, sagte Enders-Kunze.

Außerdem steht dem 37-Jährigen aus Sicht der Kammer eine Entschädigung zu, weil er nach einem ersten – vorläufigen – Gutachten nach seiner Festnahme vorübergehend in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht worden war.

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