07. August 2017, 21:10 Uhr

Geschäft mit dem Sneaker-Kult

07. August 2017, 21:10 Uhr
Dominic Trieschmann reinigt hauptberuflich Sneaker. (Foto: dpa)

Kassel/Offenbach/Fulda (dpa). Die prominentesten Turnschuhe Hessens stehen in Offenbach: Mit ihnen sorgte Joschka Fischer 1985 für einen Tabubruch, als er sich im Landtag als erster hessischer Umweltminister der Grünen vereidigen ließ. Heute sind sie ein Exponat im Deutschen Schuhmuseum und würden bei einer Ministervereidigung weniger Aufsehen erregen. Sportliche Schuhe im Alltag, Sneakers, sind längst gesellschaftlich akzeptiert.

Für den Kasseler Dominic Trieschmann war es nicht der grüne Umweltminister, der den Turnschuh-Trend begründet hat, sondern eine Hip-Hop-Band aus den USA. Mit dem Song »My Adidas« besangen Run DMC 1986 den Sneaker. »Seitdem sind die Schuhe auf der Überholspur«, sagt der 25-Jährige. Trieschmann hat den Kult um die modischen Turnschuhe zu seinem Job gemacht. Als »Sneaker-Cleaner« hat sich der gelernte Versicherungskaufmann auf die Reinigung der Sportschuhe spezialisiert.

Mit einem Online-Shop fing er an, im Juni öffnete dann sein Ladenlokal in Kassel. Mit der Dienstleistung besetzte er eine Nische, in der kaum Konkurrenz sei, sagt Trieschmann. Ab zehn Euro gibt es bei ihm eine Reinigung. Die lohnt sich vor allem bei teureren Modellen: 130 bis 150 Euro würden seine Kunden für den Kauf eines Sneaker-Paars ausgeben, schätzt Trieschmann. Er hat auch schon Schuhe im Wert von 500 Euro gereinigt.

Auf 9,7 Milliarden Euro schätzt das Institut für Handelsforschung in Köln das Volumen des deutschen Schuhmarkts. Ein großer Teil der verkauften Schuhe sind Sneakers: Von einem »starken Trend«, spricht Ulrich Effing, Sprecher des Marktführers Deichmann. Sneakers machten für Deichmann etwa ein Drittel des Umsatzes aus. In Deutschland lag der Gesamtumsatz 2016 bei 2,2 Milliarden Euro. Doch kleinere, spezialisierte Händler gewinnen an Bedeutung: »Der passende Schuh ist heute der wichtigste Part bei einem Outfit«, sagt Mischa Krewer, einer der beiden Geschäftsführer von 43einhalb Sneaker Store, einem weltweit tätigen Schuhhändler aus Fulda.

Die Schuhe sind nicht nur Kleidungsstück, sondern taugen auch zum Sammlerobjekt. Beim Kaufpreis scheinen keine Grenzen gesetzt. »Eines der sehr raren selbstschnürenden Nike Air Mag-Modelle aus dem Film Zurück in die Zukunft ging bei eBay für mehr als 35 000 US-Dollar über die virtuelle Ladentheke«, berichtet Krewer. Begehrt sind begrenzte Auflagen. »Für ein stark limitiertes Sondermodell haben Camper bei uns am Laden mehr als drei Tage ausgeharrt. Einige kamen sogar aus Madrid nach Hessen, um die Sneaker zu kaufen«, erzählt Krewer. Die Preisspanne zwischen Materialwert und Kaufpreis ist gewaltig. Die Differenz sei wie bei allen Sammler- und Liebhaberobjekten groß, sagt Krewer.

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