26. November 2019, 22:18 Uhr

Gießener Professor verwarnt

26. November 2019, 22:18 Uhr

Der Gießener Professor Stefan G. ist wegen Subventionsbetrugs und Untreue in acht Fällen vor dem Amtsgericht Gießen verwarnt worden. Lässt er sich innerhalb von zwei Jahren etwas zuschulden kommen, muss er 180 Tagessätze zu je 150 Euro zahlen. Außerdem muss er 9000 Euro an eine Hilfsorganisation zahlen - sobald das Urteil rechtskräftig geworden ist. Am Dienstag ahnte Richter Jürgen Seichter aber schon, dass das nicht so schnell passieren wird. Denn die Staatsanwaltschaft hat angekündigt, Rechtsmittel einzulegen.

Die Erleichterung auf dem Flur des Amtsgerichts ist spürbar. Es geht beim Gespräch zwischen dem Gießener Professor Stefan G. und seinen Begleitern um Sport, Politik und einen Mitarbeiter der Justus-Liebig-Universität, an der G. lehrt. Es lag wohl am »milden Urteil« und dem »Teilfreispruch« für die Feier am Hambacher Schloss, wie Richter Seichter die Entscheidung kommentierte. Der »Denkzettel« in Form der Geldauflage war Nebensache.

Freiheitsstrafe gefordert

Für die Staatsanwaltschaft Gießen hatte Dr. Volker Bützler wegen Untreue in neun Fällen und Subventionsbetrug in einem Fall eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten gefordert. Stefan G. habe seinen 50. Geburtstag auf dem Hambacher Schloss gefeiert und dem von ihm geleiteten Transmitzentrum in Rechnung gestellt - und damit Kosten von 15 000 Euro. Als wissenschaftliches Symposium deklariert, sei es aber eine Geburtstagsfeier gewesen.

»Der Angeklagte, der viel von sich hält, schmückte sich mit Geschäftspartnern und Politikern«, sagte Bützler. »Die Anerkennung war sein Antrieb, nicht das Geld.« Er habe gedacht, er habe das Recht dazu, weil er so viel für die Universität geleistet habe. Das glaube G. bis heute - auch wenn er tatsachengeständig sei. Die Gelder des JLU-Zentrums seien aber zur Förderung der Forschung gedacht - »und nicht zur Förderung des privaten Vergnügens«. Seine Position, betonte Staatsanwalt Bützler, sei dem engagierten und verdienten Professor zu Kopf gestiegen.

Subventionsbetrug wirft die Staatsanwaltschaft G. in einem Fall vor. Eine Doktorandin soll Stunden in einem Projekt abgerechnet haben, in dem sie gar nicht gearbeitet hatte. Hinzukämen acht Fälle von Untreue bei abgerechneten Fahrten eines Doktoranden, die nie stattgefunden haben. Insgesamt geht es dabei um 5000 Euro. Dabei, betonte Bützler, habe G. seine Stelle als Amtsträger missbraucht.

Der Verteidiger des Professors, Frank Richtberg, sagte, auf der Veranstaltung im Hambacher Schloss sei ein Geschäft mit einem Volumen von 250 000 Euro auf den Weg gebracht worden; davon wären 30 000 Euro an die Univerwaltung gegangen. Der Vorteil für das JLU-Zentrum sei also höher gewesen, weil die Feier stattgefunden habe. Es sei es irrelevant, welchen Namen die Veranstaltung auf dem Hambacher Schloss getragen habe. In den anderen Fällen unterstrich Richtberg, dass diese lange zurücklägen, G. den Schaden wiedergutgemacht und er sich nicht bereichert habe.

Stress und Woolrec

Der 60 Jahre alte Wissenschaftler betonte, er habe jetzt »2833 Tage Stress« hinter sich - den Woolrec-Prozess mit eingeschlossen, bei dem er Ende Oktober vorm Landgericht Gießen wegen Beihilfe zum unerlaubten Umgang mit gefährlichen Abfällen zu einer Geldstrafe von 52 500 Euro verurteilt worden war. »Ohne Woolrec wäre ich heute nicht hier.« G. kritisierte, Medien hätten »Rufmord« betrieben, dabei habe er sich nicht bereichert, sondern seine Lebenszeit für die Wissenschaft geopfert.

Für Richter Seichter und die beiden Schöff- inen war die Feier im Hambacher Schloss eine gemischte Veranstaltung. Weil 53 Prozent der Gäste Geschäftspartner gewesen seien, könne G. bei der Abrechnung kein Vorwurf gemacht werden. Und bei den anderen Fällen habe sich G. nicht bereichert, der Schaden sei gering.

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