05. Juni 2019, 22:36 Uhr

Harmlose Motte oder giftiger Prozessionsspinner?

Im Fall des erschossenen Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke sind weiterhin viele Fragen offen. Die Ermittler halten sich sehr bedeckt, sie suchen fieberhaft nach dem Täter. Für große Empörung sorgen Äußerungen im Internet, die Freude und Häme über den Tod des Politikers erkennen lassen.
05. Juni 2019, 22:36 Uhr
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Von DPA

Limburg (dpa/lhe). Schleier und Raupen in Büschen und Bäumen lassen derzeit in der Limburger Stadtgärtnerei die Telefone klingeln. Die Anrufer hätten die Befürchtung, dass es sich dabei um die giftigen Raupen des Eichenprozessionsspinners handelt, teilte die Stadt am Mittwoch mit.

Es gehe in diesen Fällen aber um die harmlose Gespinstmotte, die häufig mit dem Eichenprozessionsspinner verwechselt werde. Dessen Raupen bilden gefährliche Brennhaare aus, die bei Menschen zu Hautrötungen, Juckreiz, Asthmaanfällen bis hin zu allergischen Schocks führen können. Deswegen gehen Kommunen hessenweit gegen die Tiere vor.

Die Gespinstmotte überzieht Zweige und Blätter mit einem hellen Schleier. »Diese Raupen sind harmlos, auch wenn die Gespinste teilweise bedrohlich wirken«, teilte die Stadt weiter mit.

Der Eichenprozessionsspinner baut demnach meist runde Nester vorzugsweise am Stamm von Eichen oder an Starkästen. Um diese Nester sollte man einen Bogen machen - und sie der Stadtverwaltung melden.

Spinnen sind definitiv nicht jedermanns Sache. Erfahrungsgemäß vor allem nicht jederfraus Sache. Zumindest in meiner Familie reagieren Gattin und Tochter mit Abscheu gegenüber den durchaus nützlichen Tierchen. Gut, sie sehen nicht so niedlich aus wie ein Hundewelpe. Trotzdem erhalten sie von mir nur einen häuslichen Platzverweis und kein Ticket ins Jenseits.

Eine sehr geschätzte Kollegin reagierte zwar mit Unverständnis, als ich mich vor einiger Zeit weigerte, 160 Kilometer Hin- und Rückfahrt auf mich zu nehmen, um diesen Aus-dem-Haus-Transportservice auch in ihrem Domizil zu übernehmen. Allerdings hatte sie einen hervorragenden Vorschlag für ein neues Start-up, eine echte Marktlücke: den Spinnennotdienst.

Gute Idee. Und ich will mich da auch sofort unterstützend einbringen, wenn auch nicht durch aktives Handanlegen. Hier also ein heißer Tipp für alle Damen und Herren, die ein Dienstleistungsunternehmen für das Entfernen der gruseligen Krabbeltierchen gründen möchten: Die Online-Datenbank »World Spider Catalog« wurde in einem weltweit einmaligen Projekt mit Artenkatalogen verschiedener europäischer naturkundlicher Museen verknüpft, informiert das Senckenberg-Forschungsinstitut, Sektion Arachnologie. Die vom Naturhistorischen Museum in Bern organisierte Datenbank enthält mehr als 48 000 beschriebene Spinnenarten und bietet auch Infos zum Typusmaterial. Da müsste doch für jeden Spinnenentferner etwas dabei sein.

Frankfurt (dpa/lhe). Wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen Mitglieder der Geschäftsführung des Klinikums Höchst. Auslöser für die Ermittlungen sei eine Reportage des Fernsehsenders RTL gewesen, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit.

Demnach meldeten sich nach der Ausstrahlung der Reportage über angebliche Missstände zwei nicht betroffene Bürger bei der Staatsanwaltschaft und erstatteten Strafanzeige. Angaben zum Stand der Ermittlungen wollte die Staatsanwaltschaft zunächst nicht machen.

In dem Beitrag des Fernsehsenders RTL hatte in März eine verdeckt arbeitende Reporterin über Missstände in dem Frankfurter Krankenhaus berichtet. Das Klinikum hatte danach »erhebliche Mängel« eingeräumt und Aufklärung angekündigt.

Der gewaltsame Tod des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ist kurzfristig auch ein Thema für die ZDF-Sendung »Aktenzeichen XY... ungelöst« geworden. Die Ermittler haben am Mittwochabend per Fernsehfahndung einen neuerlichen Zeugenaufruf gestartet. Sie baten insbesondere Besucher einer Kirmes, die nicht weit entfernt vom Tatort stattfand, am Abend entstandene Fotos und Videos der Polizei zur Verfügung zu stellen.

Die Ermittler der 20-köpfigen Sonderkommission konnten unterdessen am Mittwoch keinen neuen Sachstand zu der Tat mitteilen.

Was wir wissen

Der Tatort: Ein Angehöriger hat den Regierungspräsidenten in der Nacht zum Sonntag gegen 0.30 Uhr auf der Terrasse des Wohnhauses im 900-Einwohner-Dorf Wolfhagen-Istha gefunden. Reanimationsversuche blieben erfolglos. Um 2.35 Uhr wurde der Staatsanwaltschaft zufolge in einem nahe gelegenen Krankenhaus der Tod des 65-Jährigen festgestellt.

Die Todesursache: Wie eine Obduktion ergab, starb Lübcke an einem Schuss aus einer Kurzwaffe - dazu zählen beispielsweise Pistolen oder Revolver. Der Schuss wurde aus nächster Nähe abgegeben.

Die Ermittlungen: Eine 20-köpfige Sonderkommission befasst sich momentan mit dem Fall. »Wir ermitteln in alle Richtungen«, hatte Sabine Thurau, Chefin des hessischen Landeskriminalamtes, gesagt. Man wolle nichts ausschließen. Ermittelt wird wegen »Verdachts der Tötung«. Das LKA ist eingeschaltet, weil Lübcke als Person des öffentlichen Lebens gilt.

Morddrohungen: Es gab Morddrohungen gegen Lübcke als Leiter des Regierungspräsidiums Kassel, das in der Flüchtlingskrise bei der Unterbringung von Flüchtlingen federführend in Nordhessen war. Damals hatte sich der Regierungspräsident gegen Schmährufe gewehrt und auf einer Veranstaltung gesagt, wer gewisse Werte des Zusammenlebens nicht teile, könne das Land verlassen. Das war 2015. Eine Verbindung zur Tat sehen die Ermittler aber bislang nicht.

Hasskommentare im Netz: Im Internet äußerten nach der Tat insbesondere User aus der mutmaßlich rechtsextremen Szene unverhohlen Freude oder Häme über den gewaltsamen Tod des Politikers. Dies habe aber mit dem unmittelbaren Tatgeschehen nichts zu tun, sagen die Ermittler. Die Staatsanwaltschaft hat aber angekündigt, solche Kommentare daraufhin zu prüfen, ob sie womöglich strafrechtliche Relevanz haben. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nannte die entsprechenden Kommentare in den sozialen Netzwerken »zynisch, geschmacklos, abscheulich, in jeder Hinsicht widerwärtig«.

Was wir nicht wissen

Das Motiv: Warum Lübcke erschossen wurde, ist völlig unklar. Es habe keine Hinweise auf eine aktuelle Gefährdungslage für Lübcke gegeben, sagte LKA-Chefin Thurau am Montag. Grundsätzlich galt der Regierungspräsident als beliebt. Er wäre im Herbst in den Ruhestand gegangen.

Der Täter: Auch dazu gibt es überhaupt keine Angaben. Auf die Frage, ob man eine konkrete Person suche, sagte Horst Streiff, Leiter der Kasseler Staatsanwaltschaft nur: »Wir suchen einen Täter.« Ob es Zeugenaussagen zu verdächtigen Personen gibt, wollten die Ermittler ebenfalls nicht sagen.

Die Tatwaffe: Die Ermittler teilten nicht mit, ob eine Tatwaffe gefunden wurde.

Die Kirmes: In der Tatnacht fand nur wenige Meter vom Haus Lübckes entfernt eine Kirmes statt. Ob es einen Verbindung der Tat zu dem Fest gibt, dazu wollte sich die Staatsanwaltschaft nicht äußern.

Die Familie: Wo sich die Familie befindet, ist unklar. Es sei Standard, dass die Familie in solchen Fällen betreut werde, man eine Gefährdung für sie analysiere und entsprechende Maßnahmen zum Schutz der Familie einleite, hatte LKA-Leiterin Thurau erklärt. Das sei auch in diesem Fall geschehen.

Bischofsheim (dpa/lhe). Mehrere Schüsse mit einer Schreckschusswaffe haben in Bischofsheim (Kreis Groß-Gerau) einen Polizeieinsatz ausgelöst.

Anwohner hatten die Schüsse am späten Dienstagabend gemeldet, wie die Polizei gestern mitteilte. Auslöser der Aufregung war nach ersten Erkenntnissen die Geburtstagsfeier eines 22-Jährigen. Die Beamten durchsuchten seine Wohnung und fanden auf dem Dachboden eine Schreckschusswaffe.

Ein ebenfalls 22 Jahre alter Gast soll mehrmals mit der Waffe geschossen haben. Die Polizei stellte Waffe und Munition sicher. Gegen die Männer wird wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt.



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