20. September 2019, 22:38 Uhr

Herausforderung für Versorger

20. September 2019, 22:38 Uhr
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Von DPA
Um die Versorgung von Millionen Menschen im Rhein-Main-Gebiet zu gewährleisten, muss nach Angaben von »Hessenwasser« weiter in Pumpen, Speicher und Leitungen investiert werden. (Foto: dpa)

Es ist seit mehreren Tagen trocken und heiß, dann kommt ein Werktag, und es sind keine Schulferien: An solchen Tagen schnellt im Rhein-Main-Gebiet der Verbrauch an Trinkwasser extrem nach oben, wie die Experten des Unternehmens Hessenwasser nun schon im zweiten Jahr in Folge beobachtet haben. Was Hitze und Trockenheit für die Wasserversorgung im Ballungsraum bedeuten - dazu nachfolgend wichtige Fragen und Antworten.

? Welche Auswirkungen hat die anhaltende Trockenheit?

Noch nie hat Hessenwasser eine solche Nachfrage nach Trinkwasser verzeichnet: 426 312 Kubikmeter waren es am 26. Juni 2019. Damit wurde der Höchstwert aus dem Vorjahr noch einmal um zwei Prozent überschritten. Wenn es länger nicht regnet und heiß ist, begännen die Gartenbesitzer angesichts geleerter Regentonnen, ihren Rasen mit Leitungswasser zu sprengen, berichtet Geschäftsführerin Elisabeth Jreisat. Und auf mindestens eine kühle Dusche freue sich auch jeder an solchen Tagen. Die Folge: Die Leitungs- und Speicherkapazität gerät an ihre Grenzen. Denn problematisch sei nicht die nachgefragte Wassermenge an sich, sondern deren Verteilung. Auf extreme Spitzenwerte seien die Speicher, Leitungen und Pumpen derzeit nicht ausgelegt.

? Woher kommt das Wasser für das Rhein-Main-Gebiet?

Hessenwasser beliefert mehr als 2,2 Millionen Menschen in Wiesbaden, Frankfurt, Darmstadt und rund 50 weiteren Kommunen mit rund 110 Millionen Kubikmetern Trinkwasser pro Jahr. Die Quellen liegen unter anderem im Vogelsberg, Taunus und Spessart. Dazukommt Wasser aus Rhein und Main, das aufbereitet und in den Boden geleitet wird, um den Grundwasserspiegel im hessischen Ried und im Frankfurter Stadtwald auszugleichen. Abgeschöpft werde nur ein Promillebereich im Vergleich zur Menge, die die Flüsse hinabfließt. Selbst bei niedrigen Pegelständen sei bisher ausreichend Flusswasser vorhanden gewesen - und damit rechnet das Unternehmen auch künftig.

? Was bedeutet der Klimawandel für die Wasserversorgung?

Dass die Temperaturen und damit die Wasserverdunstung ansteigen werden, sei unter Klimaforschern unstrittig. Wie sich allerdings die Niederschläge in Rhein-Main entwickeln werden, dies gehe aus den Modellen nicht eindeutig hervor, erklärt Hessenwasser.

? Wie können die höheren Mengen zu den Verbrauchern kommen?

Hessenwasser plädiert für weitere Investitionen in Pumpen, Speicher und Leitungen. Größere Projekte wie der Bau eines neuen Wasserkraftwerks im südhessischen Gernsheim für rund 28 Millionen Euro laufen bereits; für insgesamt rund 110 Millionen Euro wird abschnittsweise eine neue Leitung aus dem Ried gebaut, angelegt ist das Projekt bis ins Jahr 2030. Auch die Anlage zur Gewinnung von Mainwasser in Frankfurt müsse erneuert werden.



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