26. Juni 2019, 22:16 Uhr

Hessen müssen weiter schwitzen

26. Juni 2019, 22:16 Uhr
Der Edersee hat nach der Dürre im vergangenen Jahr wieder viel Wasser. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Hann. Münden und das Regierungspräsidium Kassel haben ein neues Verfahren vorgestellt, um möglichst lange Wasser im Edersee zu halten. (Foto: dpa)

Offenbach/Frankfurt/Main (dpa/lhe) In Hessen bleibt es heiß: Temperaturen wie Ozonwerte bleiben auch am heutigen Donnerstag hoch. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet im Norden des Landes mit sommerlichen Höchstwerten zwischen 25 und 29 Grad, während es im Süden 30 bis 34 Grad heiß werden soll. Immerhin dürften die Nächte deutlich kühler als die vorangegangenen »Tropennächte« sein - in Nordhessen dürfte es nachts bis zu elf Grad kühl werden, während im Süden die Tiefstwerte nach DWD-Angaben vom Mittwoch etwa 15 Grad betragen. Einem sonnigen und trockenen Donnerstag folgt ein Freitag mit Sonnenschein und Höchstwerten zwischen 26 und 32 Grad.

Lange Hosen Pflicht

Keine Entwarnung also für die Menschen, die besonders unter den hohen Temperaturen leiden. In Seniorenheimen etwa sei die Hitze ein großes Problem, sagte Gerald Fischer, Leiter des AWO-Altenzentrums Käthe-Richter-Haus in Kassel. Schon morgens um fünf werde im ganzen Gebäude stoßgelüftet, um es herunterzukühlen. Mehrfach am Tag messe man die Temperaturen und verlege gegebenenfalls Bewohner in klimatisierte Räume. »Jeder, der sein Zimmer nicht verlassen kann, bekommt einen Ventilator«, sagte Fischer.

Zudem würden die Medikamentenlisten darauf geprüft, welche Arzneimittel Schwitzen verhindern könnten. Ihre Einnahme könne zu gefährlicher Überhitzung im Körper führen. Das Haus mit 105 Bewohnern hat zudem 70 Kästen Wasser auf Vorrat.

Wasser gab es am Mittwoch auch für die Wartenden, die nach einem Lastwagenunfall auf der A5 bei Friedberg stundenlang im Stau ausharren mussten, teilte die Polizei mit (siehe Text unten).

Auf kühle Getränke, Ventilatoren in den Büros und Klimaanlagen im Streifenwagen setzt die hessische Polizei auch in eigener Sache. Denn auch wenn es ein kurzes Diensthemd gibt - lange Hosen sind auch bei Hitzegraden Pflicht, sagte eine Sprecherin der Frankfurter Polizei. Allerdings gebe es in Hessen keine Mützenpflicht. Auch die schusssichere Weste ist kein Muss. »Die tragen wir aber trotzdem zur Eigensicherung.« Gelockerte Kleidungsvorschriften gab es dagegen im hessischen Landtag. Bediensteten und Abgeordneten stehe es frei, wegen der hohen Temperaturen statt im Sakko oder Kostüm auch mal in kurzer Hose oder im Sommerhemd zu arbeiten, sagte Landtagssprecher Pascal Schnitzler in Wiesbaden. Die Politiker würden davon aber noch nicht allzu oft Gebrauch machen. Auch auffällig viele Angestellte auf dem Weg ins Frankfurter Bankenviertel hatten am Mittwochmorgen die Anzugjacke zu Hause gelassen.

Während in Teilen Hessens hohe Waldbrandgefahr herrscht, ist bei den Badeseen des Landes alles im grünen Bereich. Die Wasserqualität der 61 Binnenseen sei durchweg gut, sagte Thomas Ott vom hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie in Wiesbaden. Wer im kühlen Nass Zuflucht vor der Hitze sucht, kann dies also unbesorgt tun. Allerdings sind nach Angaben des Landesamts an mehreren Orten Hessens die Ozonwerte stark gestiegen. Eine Überschreitung des Alarmwertes in den kommenden Tagen kann nicht ausgeschlossen werden.

Noch nie war es in Deutschland im Juni so heiß. 38,6 Grad wurden am Mittwoch in Ostdeutschland gemessen - damit ist der bisherige Juni-Rekord geknackt. Der neue Höchstwert wurde nach vorläufigen Angaben an gleich zwei Orten erfasst: im brandenburgischen Coschen an der deutsch-polnischen Grenze sowie in Bad Muskau in Sachsen. Dis bisherige Bestmarke hatte bei 38,5 Grad gelegen, gemessen am 27. und 28. Juni 1947 in Bühlertal in Baden-Württemberg.

In Ostwestfalen kämpfen Wasserversorger mit Trinkwasserengpässen. Betroffen seien die Städte Löhne, Bad Oeynhausen sowie einige Gemeinden. Bürger sind aufgerufen, auf das Sprengen ihrer Gärten und das Befüllen von Pools zu verzichten. »Auch das Arbeiten mit Hochdruckreinigern muss unterbleiben«, heißt es in dem Aufruf der Stadt Löhne.

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