09. August 2017, 09:00 Uhr

Marburg

Impfstoffe vom MARS

Meningokokken sind Auslöser der Hirnhautentzündung. Impfstoffe dagegen werden bald auch vom MARS-Campus in Marburg kommen. Dafür investiert der Pharma-Riese GSK 162 Millionen Euro.
09. August 2017, 09:00 Uhr

Ein starkes Krankheitsgefühl wie Abgeschlagenheit, hohes Fieber, Erbrechen, Schüttelfrost, Gelenk- und Muskelschmerzen, Krämpfe oder sogar Bewusstseinsstörungen können Anzeichen für eine Hirnhautentzündung sein. Auslöser der Meningitis sind die sogenannten Meningokokken. Bekämpft wird die Erkrankung mit Antibiotika. Doch es gibt auch vorbeugende Impfstoffe. Seit März entsteht dafür in Marburg eine neue Produktionsstätte. Das britische Pharmaunternehmen GSK investiert 162 Millionen Euro in den Neubau für die Antigenproduktion. Weitere zehn Millionen sind für eine Produktionsstätte für einen Mumps-Impfstoff gedacht.

Damit steht am Pharma-Standort Marburg – neben dem 245-Millionen-Euro-Projekt der Firma CSL Behring für eine neue Produktionsstätte für die Blutplasmafraktionierung – eine weitere Großinvestition im dreistelligen Millionenbereich an.

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Meningokokken gelten als Auslöser für Meningitis (Hirnhautentzündung) und Blutvergiftungen...

240 Millionen investiert

Im März 2015 hatte GSK den Standort in Marburg von Novartis übernommen. Seitdem gehört er zur Impfstoffsparte des Unternehmens. GSK produziert in der Universitätsstadt mit 1100 Mitarbeitern außer im Hauptwerk und im Werk Görzhausen I auch auf dem MARS-Campus. MARS steht für MARburger Standort, der vor der Übernahme durch GSK errichtet wurde.

Rund 240 Millionen Euro investierte das Unternehmen schon in den Neubau von Anlagen zur Impfstoffproduktion gegen FSME und Tollwut und in den Bau weiterer Support-Gebäude. Nun kommen noch einmal insgesamt 172 Millionen Euro hinzu. »Wir freuen uns, mit dem Bau der Meningokokken-B-Anlage bald die Produktion von drei der insgesamt vier aktiven Komponenten für den innovativen Meningokokken-B-Impfstoff nach Marburg holen zu können«, erklärte Jochen Reutter, Geschäftsführer in Marburg.

All diese Investitionen zeigen das Vertrauen in die Expertise vor Ort und die wichtige Rolle, die der Standort Marburg auch in Zukunft im GSK-Netzwerk einnehmen wird

Jochen Reutter, Geschäftsführer

Er sieht damit ein deutliches Signal für die Region Mittelhessen: »All diese Investitionen zeigen das Vertrauen in die Expertise vor Ort und die wichtige Rolle, die der Standort Marburg auch in Zukunft im GSK-Netzwerk einnehmen wird.« Für die Herstellung der Komponenten für den Meningokokken-B-Impfstoff wird die Produktion, die derzeit noch als Auftragsherstellung in Österreich läuft, auf den MARS-Campus nach Marburg verlegt.

Für GSK ein wichtiger Bestandteil des »Zukunftsprojektes Marburg 2020+«. Ein direkter Anschluss der neuen Produktionsstätte an eine schon bestehende Anlage sorgt für eine optimale Ausnutzung der Infrastruktur.

Stoffe gegen Hirnhautentzündung und Blutvergiftung

Meningokokken werden durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch, beispielsweise beim Anhusten, Niesen oder Küssen übertragen. Sie heften sich mithilfe kleiner Fortsätze (Pili) an die Schleimhäute des Nasenrachenraumes, wo sie wochen- oder monatelang bleiben können. Vor allem, wenn das Immunsystem geschwächt ist, etwa durch andere Infektionen, vermehren sich die Bakterien, durchdringen die Schleimhäute und lösen Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen aus.

In der gut 2500 Quadratmeter großen neuen Anlage sollen auf vier Stockwerken gut 100 Mitarbeiter Meningokokken-B-Impfstoffproteine herstellen. Die Validierungsläufe – der Nachweis über die Einsatzeignung der neuen Präparate – ist für die Mumps-Impfviren-Produktion im September dieses Jahres geplant, für die Meningokokken-B-Antigen-Herstellung für 2020. Die Marktversorgung mit dem Impfstoff aus der neuen Anlage soll ab 2022 erfolgen.

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