Hessen

Insulin für Afghanistan

Bad Nauheim (cor). Dauerhafte Unterstützung für diabeteskranke Kinder in Afghanistan – dieses Ziel hat sich der Verein Hilfe für Diabetes-Ambulanz in Afghanistan (HDAA) gesteckt. Bei seiner Tätigkeit ist der Verein mit Sitz in Bad Nauheim auf weitere Unterstützung von außen angewiesen, denn das Insulin, das regelmäßig durch Spenden nach Kabul gebracht wird, reicht für die derzeit 60 jungen Patienten nicht aus.
30. Dezember 2013, 09:48 Uhr
Tereza Plaz und Zarmina Zaman engagieren sich für kranke Kinder in Afghanistan – unter anderem mit diesem Stand beim Christkindlmarkt.	(Foto: cor)
Tereza Plaz und Zarmina Zaman engagieren sich für kranke Kinder in Afghanistan – unter anderem mit diesem Stand beim Christkindlmarkt. (Foto: cor)

Schon 15 Euro im Monat sind genug, um ein erkranktes Kind mit Insulin zu versorgen. Mit einem Stand auf dem Christkindlmarkt hat der Verein kürzlich auf seine Tätigkeit aufmerksam gemacht. Die Mitglieder um die Vorsitzende Zarmina Zaman und Ansprechpartnerin Tereza Plaz verkauften handgefertigte Strickwaren und Schmuck aus Nepal, der Erlös kommt den Diabetes-Kindern in Kabul zugute. Doch die Einnahmen reichen bei Weitem nicht aus.

»Wir benötigen weitere Fördermitglieder«, sagen Zarmina Zaman und der 2. Vorsitzende Dr. Bernt Kampmann, früherer Leiter der Diabetesklinik Bad Nauheim. Sie und weitere Mitglieder – darunter Ärzte, Krankenschwestern und Diabetes-Berater – setzen sich für die kranken Kinder in Kabul ein.

Die Idee, HDAA zu gründen, war 2007 entstanden. Im Bürgerhospital Friedberg wurden zwei afghanische Kinder, die in Gastfamilien in Bad Nauheim und Ockstadt lebten, behandelt. Einer von ihnen kam mit einem Blutzuckerwert von 500 in die Klinik. »Und das, obwohl sein Vater Apotheker ist«, erzählt Zaman. In Kabul gab es keine anständige Diabetes-Versorgung. Die kranken Kinder sollten nach der Rückkehr nach Afghanistan medizinisch versorgt werden, der Verein wurde gegründet. Ziel: Aufbau einer Diabetes-Ambulanz für Kinder und Jugendliche.

Weitere Förderer gesucht

Nachdem der Zonta Club Bad Nauheim-Friedberg finanzielle Hilfe zugesagt hatte, kamen Dr. Zubaida Sidiqi und Schwester Nuristani aus Afghanistan nach Überwindung vieler Hürden 2008 für sechs Wochen in die Diabetesabteilung des Bürgerhospitals. Im Anschluss an die Schulung schauten sich die beiden Frauen nach einem geeigneten Standort um. Nach einer langwierigen Suche und diversen Behördengesprächen wurden zwei Räume im Indira-Gandhi-Krankenhaus in Kabul eingerichtet und die Arbeit aufgenommen. »Wir haben mittlerweile 60 feste Patienten«, erklärt Zarmina Zaman.

Die Krankenschwester arbeite ganztags gegen einen geringen Lohn, die Ärztin sei zweimal die Woche da, verzichte auf ein Honorar. Wichtig sei es, die kranken Kinder zu schulen, ihnen eine Anleitung zur Selbsthilfe zu bieten. Hierfür seien Bücher aus dem Iran nach Kabul gebracht worden. Das größte Anliegen sei die Insulinversorgung. Das Medikament wird regelmäßig vom Bürgerhospital zur Verfügung gestellt, zudem spendete die Schwanen-Apotheke in Offenbach. Über eine ausländische Firma, die einen Preisnachlass biete, werde Insulin über Pakistan nach Afghanistan gebracht. Allerdings sei das Präparat durch falschen Transport und Unkenntnis nicht immer verwendbar.

Die Spenden, die bisher eingehen, können den finanziellen Bedarf nicht decken. Der Verein ist auf Insulin- und Geldspenden angewiesen. Mit dem Geld wird auch das Gehalt der Krankenschwester (200 Euro im Monat) finanziert. Neue Fördermitglieder sind willkommen, der Beitrag ist frei wählbar.

Alle Infos zur Tätigkeit des Vereins sowie Angaben zum Spendenkonto gibt’s im Internet: www.hdaa.de.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/hessen/Hessen-Insulin-fuer-Afghanistan;art189,87684

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