16. Juli 2019, 22:32 Uhr

Jugendschutz im Kinosaal

16. Juli 2019, 22:32 Uhr
Seit 1949 legt die FSK Altersgrenzen für Filme und sonstige Medienangebote fest. Rund 2000 Langfilme werden jährlich geprüft.

Wiesbaden (dpa). Es ist still im kleinen Kinosaal an der Wiesbadener Murnaustraße. Nur fünf Zuschauer sitzen verteilt in dem Raum. Sie schauen konzentriert zu, wie der kleine Sam in seinen Ferien über den Tod nachdenkt und das Leben entdeckt. Dabei haben sie beleuchtete Klemmbretter auf den Knien und machen sich eifrig Notizen. Ab und zu wird gelacht, denn der Kinderfilm »Meine wunderbarseltsame Woche mit Tess« ist streckenweise wirklich lustig.

Eigentlich fasst der Saal rund 100 Zuschauer, die fünf Frauen und Männer haben ihn jedoch aus einem wichtigen Grund ganz alleine für sich: Sie prüfen im Auftrag der freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK), ab welchem Alter sich Kinder diesen Film im Kino anschauen dürfen.

Die FSK ist eine Einrichtung der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft und hat ihren Sitz in Wiesbaden. Die Gesellschaft agiere selbstständig und finanziere sich zu 100 Prozent aus den Gebühren, die etwa Verleihfirmen für die Altersprüfung ihres Filmes zahlen, erklärt FSK-Geschäftsführer Stefan Linz. Es bestehe zwar in Deutschland keine gesetzliche Vorlagepflicht für Filme, aber faktisch würden fast alle im Kino laufenden Filme geprüft. Der jährliche Etat der FSK beträgt laut Linz rund drei Millionen Euro; die Prüfung eines Spielfilms kostet je nach Länge zwischen 1000 und 1500 Euro.

Während Filme im Kino und auf DVDs aufgrund des Jugendschutzgesetzes geprüft werden, gilt bei Online-Angeboten der seit 2003 gültige Jugendmedienschutzstaatsvertrag der Länder. Geht es nach Linz, sollten Filme online und offline in Zukunft gleich behandelt werden. »Es sind die gleichen Inhalte, die bei den Zuschauern auch die gleiche Wirkung erzielen«, stellt er klar. Laut Linz sind zum Beispiel die Regelungen bei Kinofilmen derzeit erheblich strenger.

Die FSK, die am morgigen Donnerstag ihr 70-jähriges Bestehen feiert, arbeitet seiner Auskunft nach daran, ihre Prüfverfahren zu vereinfachen. So soll in Zukunft nicht mehr jeder Film von einem fünfköpfigen Ausschuss begutachtet werden. Davon ausgenommen sind Filme, bei denen über die Altersfreigabe ab 18 Jahren entschieden wird.

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