24. Februar 2017, 12:00 Uhr

Frankfurter Bahnhofsviertel

Kampf gegen Drogen

Frankfurt ist die einzige deutsche Stadt mit einer größeren Crack-Szene. Einer von vielen Gründen für die Probleme im Bahnhofsviertel.
24. Februar 2017, 12:00 Uhr
Tausende Besucher strömten im vergangenen Jahr bei der »Bahnhofsviertelnacht« in Frankfurt durch den Rotlichtbezirk am Bahnhof. (Foto: dpa)

Jeden Tag rund 100 Polizisten zusätzlich, ein Koordinator für den Stadtteil, ein regionaler Präventionsrat, Videoüberwachung und Putzaktionen: Polizei und Stadt drehen an vielen Stellschrauben, um gegen die Drogenkriminalität und Verrottung im Frankfurter Bahnhofsviertel vorzugehen – mit ersten Erfolgen. »Es sind weniger Dealer da«, heißt es überall in den Geschäften der unterirdischen Einkaufspassage im Hauptbahnhof. »Jetzt müssen sich auch die Kunden wieder her trauen«, sagt ein Verkäufer von Lebensmitteln, der – wie seine Kollegen – anonym bleiben will.

Die Polizei geht seit rund drei Monaten viel stärker gegen die Rauschgiftszene vor. 114 Beamte von Landes-, Bundes- und Stadtpolizei sind im Schnitt jeden Tag zusätzlich im Einsatz. Rund 20 000 Menschen wurden inzwischen kontrolliert, etwa jeder Zehnte bekam eine Anzeige. Drogen waren in mehr als der Hälfte der Grund, bei fast jeder vierten Anzeige ging es um Verstöße gegen das Ausländerrecht. Knapp 330 Verdächtige wurden festgenommen, rund 3,6 Kilogramm Rauschgift sichergestellt und mehr als 1500 Platzverweise erteilt, wie ein Polizeisprecher aufzählt.

»Es liegt nicht nur an den Dealern und Drogenabhängigen, die ganze Passage ist runtergekommen«, kritisiert der Verkäufer einer Filiale in der sogenannten B-Ebene, der weder seinen Namen noch den seiner Kette lesen will. »Es wird Zeit, dass der lange versprochene umfassende Umbau endlich beginnt.« Vorarbeiten dafür laufen schon seit Monaten, der eigentliche Startschuss lässt aber auf sich warten. Fest steht bislang nur, dass der Hauptbahnhof 2022 in ganz neuem Licht erstrahlen soll.

Uringestank vor dem Imbiss

Ein Imbissbudenbesitzer und eine Verkäuferin aus einem kleinen Geschäft nebenan beschweren sich aber nach wie vor über den Uringestank. »Besonders schlimm sei es am Treppenaufgang zur Straßenbahn-Haltestelle »Hauptbahnhof«». Und wirklich: »Puuh, stinkt das«, ruft ein Jugendlicher, während er die Stufen herunter eilt – und sich dabei die Nase zuhält. Sorgen machen sie sich die Händler zudem, was passiert, wenn die Polizei wieder weniger wird.

»Der Einsatz wird in den nächsten Wochen und Monaten noch ausgeweitet«, kündigt ein Polizeisprecher an. Und Polizeipräsident Gerhard Bereswill hatte bei der Vorstellung der sogenannten Besonderen Aufbauorganisation (BAO) für das Bahnhofsviertel Ende 2016 gesagt, er gehe auch davon aus, dass bei den intensiven Einsätzen mehr Täter gefasst werden – auch dank gezielter und verdeckter Ermittlungen.

Angsträume beseitigen

Ein Mitte Februar gegründeter »Regionalrat« und der neue Bahnhofsviertel-Koordinator Klaus-Dieter Strittmatter sollen dazu beitragen, die Situation im Viertel dauerhaft zu verbessern. Der Präventionsrat soll das bürgerschaftliche Engagement der Bewohner, Gewerbeleute und Vereine im Quartier stärken und so Kriminalität vorbeugen. Das Interesse bei der Gründungsversammlung war nach Angaben der Stadt groß.

Der Polizist, Jurist und Präventionsfachmann Strittmatter ist überzeugt: »Wir werden Veränderungen herbeiführen können.« Es gehe vor allem um Beschwerdemanagement, Vernetzung und somit kürzere Wege, schnellere und durchdachtere Lösungen. Als Beispiele nennt er, Angsträume beseitigen und die Sauberkeit verbessern. Allerdings weiß der 56-Jährige auch: »Klinisch wird es nicht. Das ist ein Verkehrsknotenpunkt.«

Am Nordausgang des Hauptbahnhofs, wo viele Haschisch- und Marihuana-Dealer auf Käufer lauern, ist das Lob über den intensiven Polizeieinsatz nicht ganz so groß wie in der B-Ebene. »Viele Kunden haben immer noch Angst, abends nach der Arbeit auf dem Weg zum Bahnhof hier vorbei zu laufen«, sagt eine Verkäuferin, die ihren Namen aber auch nicht nennen will. »Grundsätzlich hat sich schon etwas verbessert, aber es hat sich auch verlagert«, heißt es in einer Bäckerei. »Es ist halt das Frankfurter Bahnhofsviertel.«

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