Hessen

»Kinderärzte fehlen«

Wiesbaden (dpa/lhe). Patienten-Anfragen und Beschwerden zur Kinderarztversorgung in Hessen kommen immer häufiger vor. Die Zahl der Beschwerden, etwa über zu lange Wartezeiten, Aufnahmestopps oder lange Anfahrtswege, nahm in den vergangenen Jahren deutlich zu, wie aus einer Antwort des hessischen Sozialministeriums in Wiesbaden auf eine Anfrage der Landtagsabgeordneten Daniela Sommer (SPD) aus dem Landkreis Waldeck-Frankenberg hervorgeht. Von 2015 (13 Beschwerden) nahmen die Beschwerden in den Jahren 2016 (23), 2017 (44) und 2018 (94) stark zu. Die meisten Beschwerden zur Versorgung kamen aus Frankfurt.
08. Dezember 2019, 22:36 Uhr
DPA
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Wartezeiten, Aufnahmestopps, lange Anfahrtswege - die Versorgung mit Kinderärzten sorgt zunehmend für Ärger. FOTO: DPA

Wiesbaden (dpa/lhe). Patienten-Anfragen und Beschwerden zur Kinderarztversorgung in Hessen kommen immer häufiger vor. Die Zahl der Beschwerden, etwa über zu lange Wartezeiten, Aufnahmestopps oder lange Anfahrtswege, nahm in den vergangenen Jahren deutlich zu, wie aus einer Antwort des hessischen Sozialministeriums in Wiesbaden auf eine Anfrage der Landtagsabgeordneten Daniela Sommer (SPD) aus dem Landkreis Waldeck-Frankenberg hervorgeht. Von 2015 (13 Beschwerden) nahmen die Beschwerden in den Jahren 2016 (23), 2017 (44) und 2018 (94) stark zu. Die meisten Beschwerden zur Versorgung kamen aus Frankfurt.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen berichtete dazu, dass die Main-Metropole entsprechend der Bedarfsplanung aber ausreichend mit Kinderarztpraxen versorgt sei. Es seien keine akuten Defizite zu erkennen. In Hessen waren zum Stichtag am 1. Oktober 2019 insgesamt 470 Kinderärzte in 299 Praxen tätig. Zum Stichtag im Jahr 2018 waren es 466 Ärzte in 304 Praxen. Im Jahr 2017 wurden 459 Ärzte in 306 Praxen gezählt.

Das Sozialministerium legte in der Landtagsanfrage seine Maßnahmen dar, um eine bessere Verteilung der Kinderärzte zu erreichen. Die KV habe mit einer Nachwuchskampagne das Image der Kinderärzte gehoben und das Interesse an dieser Facharztgruppe gesteigert. Zudem gebe es ein umfangreiches Anreizsystem zur Ansiedlung im ländlichen Raum. Es umfasst vor allem finanzielle Anreize wie Honorarumsatzgarantien zum Praxisstart, die Übernahme von Kinderbetreuungskosten und die Erstattung von Umzugskosten. Auch die Weiterbildung werde finanziell gefördert.

Mit welchem Erfolg? Die KV berichtet, dass mit den Förderungen der Status quo habe gehalten werden können beziehungsweise Versorgungsangebote verbessert worden seien. Es werde mit Analysen ermittelt, welcher Bedarf an Ärzten in welcher Region bestehe. Die schwarz-grüne Landesregierung vereinbarte im Koalitionsvertrag, Gemeinschaftspraxen und Medizinische Versorgungszentren (MVZ) zu stärken. »Für Ärztinnen und Ärzte bieten sie die Möglichkeit, im Team zu arbeiten sowie attraktive Arbeitszeitmodelle. Besonders für den ländlichen Raum und junge Familien bietet dies eine gute Perspektive«, erklärte Sozialminister Kai Klose. Vier MVZ gibt es in Frankfurt. Elf Landkreise/kreisfreie Städte habe je eine dieser Einrichtungen. In 14 Kreisen oder kreisfreien Städten fehlen sie dagegen.

Wartezeiten nicht erfasst

Zur Entwicklung der Wartezeiten bei psychologischen Kinder- und Jugendpsychotherapeuten konnte die KV keine Angaben machen. Die Wartezeiten auf Termine würden statistisch nicht erfasst. Die KV erklärte, dass die Erfahrungen mit Terminservicestellen mit der Vermittlung von Terminen nicht auf ein Wartezeitenproblem hindeuteten. In Hessen gibt es 469 Fachärzte dieser Art. Im Durchschnitt kommen 3483 Kinder- und Jugendliche unter 18 Jahren auf einen Arztsitz dieser Sparte.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/hessen/Hessen-Kinderaerzte-fehlen;art189,651624

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