27. Oktober 2017, 12:30 Uhr

Kommentar

Kommentar zum Mordfall Johanna Bohnacker

Erleichterung, Lob für die Ermittler und die bleibende Frage nach dem Warum. Unser stellvertretender Chefredakteur Burkhard Bräuning kommentiert den Mordfall Johanna Bohnacker.
27. Oktober 2017, 12:30 Uhr
In der Nähe des Sportplatzes wurde Johanna gewaltsam verschleppt. (Foto: sax)
Es gibt ein kleines Gedicht, das heißt: »Hast du auch ein Kind«. Es ist nicht sehr verbreitet, aber man kann es seit vielen Jahren auf einer Website lesen, die Johanna Bohnacker gewidmet ist. Man findet darauf viele Fotos des Mädchens, die Mutter beschreibt, wie Johanna war, was sie gerne gegessen hat, wie sich bewegte, kleidete: »Bis zu ihrem Verschwinden war sie ein fröhliches Mädchen, das immer den Familienkasper gemacht hat«, steht da. Und: »Sie isst überhaupt keine Erbsen, aber sehr gern Huhn.«

Mordfall Johanna Bohnacker: Chronologie der Ereignisse

Ein Kind wie viele andere also. 26 Jahre alt wäre sie heute. Sie ist seit 18 Jahren tot, ihre Leiche wurde in einem Wald bei Alsfeld abgelegt. Bis Mittwoch war nicht klar, wer sie getötet hat. Heute weiß man schon ganz viel. Einige Dinge sind besonders bemerkenswert.


Die Ermittler haben großartige Arbeit geleistet, haben alles darangesetzt, den Fall zu lösen. Das Vertrauen vieler Menschen in Polizei und Justiz ist nicht (mehr) sehr groß, manchmal geht es gegen null. Ja, es gibt da Vorgänge, die man kritisieren kann. Die Abkürzung NSU steht sozusagen als Synonym für das Versagen von Behörden.
Was im Fall Bohnacker geleistet wurde, ist die andere Seite.

Mordfall Johanna Bohnacker: Erleichterung in Bobenhausen - die Erinnerungen bleiben für immer

Sie zeigt: Ja, man kann Vertrauen haben in die Handlungsfähigkeit des Staates. Und nirgendwo ist dieses Vertrauen wichtiger als im Bereich Sicherheit. Es wurde alles dafür getan, um ein furchtbares Verbrechen aufzuklären. Nie haben die Ermittler aufgegeben. Im Gegenteil: Zuletzt, als man neue Erkenntnisse und neue Möglichkeiten hatte, da wurden noch einmal größte Anstrengungen unternommen, um den Fall zu lösen.

Mordfall Johanna Bohnacker: Das brachte die Ermittler auf die Spur

Und: Es gibt neben all dem vielen Hass und dem Egoismus auch noch Mitgefühl, Anteilnahme, Nächstenliebe in unserem Land. Die Menschen in der Region haben Johanna Bohnacker nicht vergessen. Das Interesse am Schicksal des Mädchens und der Familie ist unverändert hoch. Erleichterung und Dankbarkeit waren gestern die Wörter des Tages.

Was nun bleibt, sind Trauer und auch Fragen wie diese: Warum machen Menschen so etwas? Warum töten sie? Warum zerstören sie Familien? Vielleicht auch: Warum lässt Gott so etwas zu? Befriedigende Antworten wird man nicht finden. Nur ein bisschen Trost vielleicht. Wer auch immer die Seite für Johanna eingerichtet und gestaltet hat: Sie oder er nimmt etwas den Schrecken von dieser Tat.



Es ist dort viel von Liebe die Rede. Es wird an Johannas Geburtstage erinnert. Sie bekommt symbolische Geschenke. Passend zu ihrem Alter. Und liest man den letzten Vers im Gedicht »Hast du auch ein Kind« fließen die Tränen: »Weißt du kein Gedicht mehr? Werde ich bald groß? Brauch ich dich dann nicht mehr? Warum weinst du bloß?«

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