03. Januar 2019, 22:08 Uhr

Marburg will Flüchtlinge aufnehmen

03. Januar 2019, 22:08 Uhr
Die »Sea-Watch 3« vor der libyschen Küste. (Foto: Chris Grodotzki/Jib Collective/Sea-Watch.org/Archiv)

Der Marburger Oberbürgermeister Thomas Spies hat laut städtischer Pressestelle einen Brief an Innenminister Horst Seehofer verfasst. Inhalt des Schreibens: Spies möchte 32 Schiffbrüchige nach Marburg holen. Bis gestern hat Seehofer auf das Angebot jedoch nicht reagiert. Das Ministerium bestand in einer Verlautbarung auf einer »ausgewogenen Verteilung im Rahmen einer gemeinsamen europäischen Verantwortung und Solidarität«.

Rund 30 deutsche Städte und mehrere Bundesländer haben sich bereit erklärt, die 32 schiffbrüchigen Flüchtlinge aufzunehmen, die das Schiff »Sea Watch 3« kurz vor Weihnachten im Mittelmeer vor dem Ertrinken gerettet hat. Auch Marburg hat sich als »sicherer Hafen« für die Frauen, Männer und Kinder angeboten, wie die Stadt nun durch eine Pressemitteilung verlauten lässt.

In der Mitteilung heißt es weiter, dass Oberbürgermeister Thomas Spies diesbezüglich kurz nach Weihnachten einen Brief an Innenminister Horst Seehofer geschrieben habe. »Nach unserer Überzeugung und dem geltenden Recht müssen Menschen, die in Seenot geraten, gerettet werden – egal, aus welchen Gründen sie auf dem Meer sind. Bei allen Schwierigkeiten und Herausforderungen, die die Integration mit sich bringt, handelt es sich im konkreten Fall zudem um eine verschwindend geringe Zahl von Frauen, Männern und Kindern, die in großer Gefahr sind«, so Spies in dem Schreiben. »Solange die Politik nicht in der Lage ist, den Menschen in ihren Heimatländern eine sichere, friedliche und auskömmliche Existenz zu sichern, solange ist es unangemessen, die Augen vor den Konsequenzen zu verschließen. Und solange ein Teil unseres Wohlstands an Armut und Unterdrückung in anderen Ländern hängt, solange ist das Schicksal von Menschen in Not auch unsere Verantwortung«, betont der Oberbürgermeister.

Spies bittet Seehofer, die Aufnahme der Geretteten – darunter Kinder, unbegleitete Jugendliche und ein Baby – in Deutschland zu ermöglichen und sie der Stadt Marburg zuweisen zu lassen. Es entspreche den Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung und dem humanitären Gesicht der Stadt, »dass wir solche Menschen aufnehmen. Unser Fachdienst Migration und Flüchtlingshilfe und die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer sind gerne und jederzeit bereit, sich um diese Menschen zu kümmern«.

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