23. Juni 2018, 12:00 Uhr

Expertin rät

Maß halten – auch beim Sonnenbad

Sommer, Sonne – Sonnenbrand? »Mann, bis du braun geworden«, heißt es nach der Rückkehr oft bewundernd. Eine Expertin rät allerdings zur Vorsicht.
23. Juni 2018, 12:00 Uhr
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Von Gerd Chmeliczek
So sollte man sich den Rücken nicht eincremen. Die Expertin empfiehlt zudem, alle zwei Stunden nachzulegen. (Foto: dpa)

Ordentlich gebräunt, am besten noch nahtlos – für viele ein Schönheitsideal. PD Dr. Daniela Göppner möchte den Sonnenanbetern auch überhaupt nicht den Spaß verderben. Doch die Oberärztin an der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg wird jeden Tag mit den negativen Folgen übermäßigen Sonnenkonsums konfrontiert: Hautkrebs. Daher rät sie dringend, den Schutz der Haut nicht zu vernachlässigen.

Frau Dr. Göppner, sind die Menschen aus ihrer Sicht ausreichend über das Thema Hautschutz informiert?

Daniela Göppner: Das kann man pauschal nicht beantworten. Es wäre aber sicher wünschenswert, wenn mehr Menschen wüssten, was es mit dem natürlichen Schutz der Haut auf sich hat oder was Lichtschutzfaktor bedeutet. Dann wüsten sie auch, welchen Schutz sie benötigen.

Na dann: Was bedeutet denn Lichtschutzfaktor?

Göppner: Wenn Sie beispielsweise eine Sonnenmilch mit Lichtschutzfaktor 50 benutzen, haben Sie das 50-fache des eigenen Hautschutzes. Und dieser Hautschutz hält bei einem Menschen mit hellem Hauttyp in der Sonne ungefähr zehn Minuten.

Das sind 500 Minuten, also etwas mehr als acht Stunden. Das reicht dann für den ganzen Tag, oder?

Göppner: Das ist nur die graue Theorie. In der Realität empfehle ich, alle zwei Stunden nachzucremen.

Warum?

Göppner: Nun, wir verwenden Sonnencreme, um uns vor gefährlichen UV-Strahlen zu schützen. Die in der Creme enthaltenen chemischen und physikalischen Filter schützen die Haut vor UVA- und UVB-Strahlung. Die chemischen Filter dringen in die Haut ein, die physikalischen bestehen aus mikroskopisch kleinen Teilchen, die das Sonnenlicht streuen und reflektieren. Sie bleiben also auf der Oberfläche der Haut. Und diese physikalischen Filter sind nach Schwimmen, Duschen und Abtrocknen schnell wieder verschwunden. Daher muss regelmäßig nachgelegt werden.

Gilt beim Eincremen also das Motto »viel hilft viel«?

Göppner: Wenn Sie den gesamten Körper eincremen möchten, gilt als Faustregel: Ein volles Whiskyglas mit Sonnenmilch. Also eine ganze Menge. Der weiße Film, der nach dem Eincremen auf der Haut verbleibt, das sind übrigens die physikalischen Filter.

Hängt die Wahl des Lichtschutzfaktors vom Hauttyp ab?

Göppner: Ich empfehle dem Mitteleuropäer generell Lichtschutzfaktor 50.

Durchgehend? Dann komme ich ja so blass wieder, wie ich weggefahren bin...

Göppner. Ich bin Tumorspezialistin. Ich sehe das aus medizinischer Sicht. Eine tiefgebräunte Haut sieht zwar gut aus, ist aber tatsächlich ein Not-reaktion der Haut, sich vor zu viel eindringender UV-Strahlung zu schützen, also ein Hilferuf. Sie birgt zudem die Gefahr, dass langfristige UV-Schäden an der Haut und irgendwann dann auch Hautkrebs entstehen. Außerdem lässt Sonne die Haut schneller altern.

Das heißt, am besten schließe ich mich im Hotelzimmer ein?

Göppner. Nein, das heißt es überhaupt nicht (lacht). Man sollte nur beim Sonnenbaden – wie auch bei anderen Dingen im Leben – Maß halten. Der beste Schutz vor UV-Strahlen ist ohnehin die Kleidung. Eine Sonnenbrille, um die Schleimhäute der Augen zu schützen und eine Kopfbedeckung sollten ebenfalls zur Grundausstattung gehören. Und eine Mittagspause einlegen, wenn die Sonne am meisten brennt. Es hat schon seinen Grund, warum in den südlichen Ländern in der Mittagszeit das Leben ruht.

Was ist bei Kindern zu beachten?

Göppner: Hier liegt der Schwerpunkt eher auf Kleidung, die UV-Strahlen abhält. Bei Sonnenmilch sollte man darauf achten, dass sie keine Nanopartikel enthält, die in die Haut eindringen. Der physikalische Filter sollte auf der Hautoberfläche bleiben.

Und wenn ich mir jetzt doch den Rücken verbrannt habe?

Göppner: Das sollten Sie unbedingt vermeiden. Wenn es aber wirklich passiert, sollten sie die Sonne vermeiden und die Haut kühlen. Apres-Sun-Lotionen können helfen, wenn sie antientzündliche Wirkstoffe enthalten.



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