06. Dezember 2019, 22:42 Uhr

Mehr Schutz für jüdische Einrichtungen

06. Dezember 2019, 22:42 Uhr
An über 250 jüdischen Einrichtungen in Hessen - wie in der Frankfurter Westend-Synagoge - gibt es bereits polizeiliche Schutzmaßnahmen. FOTO: DPA

Wiesbaden (dpa/lhe). Hessen erhöht deutlich den Schutz der jüdischen Einrichtungen im Land. An über 250 Objekten wie Synagogen und Gemeindehäusern, Schulen und Kindergärten sowie Friedhöfen und Gedenkstätten gebe es polizeiliche Schutzmaßnahmen, teilte Innenminister Peter Beuth (CDU) auf eine Anfrage der AfD-Fraktion im hessischen Landtag in Wiesbaden mit. Außerdem habe es als Konsequenz aus dem Anschlag auf die Jüdische Synagoge in Halle in Sachsen-Anhalt zahlreiche Beratungsgespräche gegeben, wie die Gebäude etwa durch eine Videoüberwachung, die Verbesserung der Türen und Fenster oder Außenbeleuchtung sicherer gemacht werden können. Daniel Neumann, Direktor des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen und Vorsitzender der Jüdischen Gemeinden in Darmstadt, begrüßte die eingeleiteten Schritte. Wichtig sei aber auch, dass die Maßnahmen nachhaltig seien und die Unterstützung des Landes sich auch in den kommenden Haushalten widerspiegele. »Der Schutz für die Menschen in den Einrichtungen und auch das subjektive Sicherheitsgefühl steigen«, sagte Neumann der Deutschen Presse-Agentur. Es fehle aber noch vielfach an Personal. Zudem seien der Standards der Einrichtungen landesweit recht unterschiedlich. Das Aufrüsten der Sicherheitsmaßnahmen löse aber nicht das gesellschaftliche Problem mit dem Antisemitismus, betonte Neumann. Diesem Gedankengut müsse der Nährboden entzogen werden. Dass die AfD sich für die Interessen der Juden einsetze, bezeichnete Neumann als »politisches Manöver«. Sollte das ernst gemeint sein, müsste sich die Partei von ihrem rechtsnationalen »Flügel« und antisemitischen Äußerungen ihrer Mitglieder distanzieren. »Nur Phrasen dreschen im Landtag reicht nicht.«

Bei den Beratungen für die jüdischen Einrichtungen, die in einer Größenordnung im mittleren zweistelligen Bereich durchgeführt wurden, ging es nach Angaben des Innenministers sowohl um technische Möglichkeiten für mehr Sicherheit als auch Verhaltensempfehlungen. Neben den allgemeinen Schutzmaßnahmen gebe es speziell bei besonderen Anlässen wie jüdischen Feiertagen Polizeipräsenz. Insgesamt gibt es in Hessen über 400 jüdische Einrichtungen, die im Rahmen des Objektschutzes der Polizei erfasst sind.

Ein schwer bewaffneter Mann hatte im Oktober versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen, in der Gläubige den höchsten jüdischen Feiertag begingen. Als der Angreifer scheiterte, erschoss er in der Nähe eine 40-Jährige und einen 20-Jährigen. Der 27 Jahre alte Deutsche hat rechtsextreme und antisemitische Motive eingeräumt.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Alternative für Deutschland
  • CDU
  • Hessischer Landtag
  • Peter Beuth
  • Polizei
  • Volker Bouffier
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 4 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.