05. Juni 2019, 21:51 Uhr

Merkel und die Ahle Worscht

05. Juni 2019, 21:51 Uhr
Bundeskanzlerin Angela Merkel erhält von Volker Bouffier und Lucia Puttrich beim Hessenfest einen Geschenkkorb. (Foto: dpa)

Berlin (dpa/lhe). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kam nur auf eine halbe Stunde beim traditionellen Hessenfest in Berlin vorbei. Zwischen Groko-Ärger, Industrie-Schelte und Auslandsreisen genoss die 64-Jährige aber sichtlich die kurze Stippvisite am Dienstagabend in der Landesvertretung bei Ahler Worscht, Weißwein und sommerlichen Temperaturen - sehr zur Freude auch von Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU).

Die Kanzlerin sei ein besonders treuer Gast, der Hessen jedes Jahr die Ehre erweist. »Ich freue mich auch, dass ich selbst wieder dabei sein kann«, bekannte Bouffier vor den rund 2000 Gästen aus der Landes- und Bundespolitik sowie der Wirtschaft und Gesellschaft, die dem von einer Krebserkrankung genesenen 67-Jährigen für die ehrlichen Worte spontan kräftig applaudierten.

Merkel plauderte am Tisch schmunzelnd mit Bouffier, Europaministerin Lucia Puttrich (CDU) und CDU-Fraktionschef Michael Boddenberg, probierte immer wieder hessische Spezialitäten - besonders schätzt sie die Ahle Worscht - und hatte auch bei ihrer kurzen Rede die Lacher auf ihrer Seite. »Ich habe heute schon so viele Reden gehalten. Ich kann jetzt hier unmöglich noch eine lange halten«, berichtete die Kanzlerin nach einem Marathontag, um dann auch eine kleine Spitze zu verteilen: »Ich denke an Hessen immer in den besten Tönen - außer wenn man mal am Frankfurter Flughafen zu lange warten muss.«

Auch die politischen Sticheleien von Hessens Vizeregierungschef Tarek Al-Wazir von den Grünen konterte Merkel in ihrer typischen Art: Al-Wazir habe ihr auf dem Fest gesagt, dass Hessen durch eine stabile Regierung von CDU und Grünen glänze. »Ich darf zurückgeben: Von uns liest man das nicht jeden Tag. Aber wir tun mehr, als man denkt«, betonte Merkel mit Verweis auf die mit den Ländern vereinbarten Vorhaben für Hochschulen und Forschung.

Direkt auf die Debatten über den Erhalt der großen Koalition in Berlin ging Merkel nicht ein. Die Führungskrise in der SPD war großes Tuschel-Thema auf dem Hessenfest. Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel, Teil eines Trios, das die Sozialdemokraten zunächst kommissarisch führt, war auch in die Landesvertretung gekommen.

Rund um den Tisch des Ministerpräsidenten blieb nie ein Platz leer. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und ihr Amtskollege aus dem Gesundheitsressort, Jens Spahn (beide CDU), kamen genauso zum Plaudern wie die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt. Auch Hessens ehemaliger Regierungschef Roland Koch (CDU) und der frühere hessische Umwelt- und spätere Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) gesellten sich dazu.

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