04. November 2019, 22:16 Uhr

Mutmaßlich falsche Ärztin zeigt sich selbst an

04. November 2019, 22:16 Uhr
Die Verdächtige

Fritzlar/Frankfurt (dpa/lhe). Die mutmaßlich falsche Ärztin aus Nordhessen hat laut Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen sich selbst ins Rollen gebracht. Die Frau habe Selbstanzeige wegen Anstellungsbetrugs gestellt, sagte Behördensprecher Götz Wied am Montag in Kassel. Ob die 48-Jährige einer Entdeckung und weiteren Anzeigen zuvorkommen wollte, blieb unklar. Zu den Motiven für die Anzeige äußere man sich nicht. Die Frau sitzt in Untersuchungshaft. Sie soll während ihrer Tätigkeit in einer Klinik in Fritzlar (Schwalm-Eder-Kreis) vier Todesfälle zu verantworten haben.

Anstellungsbetrug bedeutet, dass man für den Abschluss eines Arbeitsvertrags falsche Angaben macht. Die Frau soll sich mit gefälschter Arztzulassung beworben haben. Dabei täuschte sie auch die Landesärztekammer Hessen. Die Verdächtige hatte vor einigen Jahren bei der Anmeldung als neues Kammermitglied eine angebliche Zulassung vorgelegt. »Uns ist nicht aufgefallen, dass die Unterlagen gefälscht sind«, sagte eine Sprecherin der Kammer dem Sender Hit Radio FFH.

Mithilfe digitaler Anwendungen könnten Zeugnisse immer häufiger so gut gefälscht werden, dass sie von Originalen nicht oder so gut wie nicht unterscheidbar seien, sagte die Sprecherin der dpa. Das sei auch im Fall der Ärztin so gewesen. Der Ärztekammer zufolge war im Oktober 2018 aufgefallen, dass die angeblich in Rheinland-Pfalz ausgestellte Zulassungsurkunde nicht echt sein konnte. »Eine Annahme, die sich nach Prüfung durch die Approbationsbehörde in Rheinland-Pfalz als zutreffend erwies.« Am 19. November 2018 habe die Landesärztekammer Hessen Strafanzeige gestellt.

Angesichts der neuen Details bekräftigte die Deutsche Stiftung Patientenschutz ihre Forderung nach einer Reform des bisherigen Kontrollsystems: Um es Tätern im Vorfeld schwer zu machen, sollten die entsprechenden Prüfungsämter einbezogen werden und vor Ausstellung der Approbation die Echtheit des Staatsexamens bestätigen. Zudem brauche es ein Zentralregister bei der Bundesärztekammer und eine Pflicht für Krankenhausträger, dort die Zulassungen von Ärzten abzufragen.

Die 48-Jährige hatte von 2015 bis 2018 in der Klinik Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar als Assistenzärztin gearbeitet. Sie soll ohne entsprechende Ausbildung Patienten betäubt haben. Vier starben, in acht weiteren Fällen sollen Gesundheitsschäden eingetreten sein. Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln unter anderem wegen des Verdachts des Totschlags, gefährlicher Körperverletzung, Urkundenfälschung, Betrugs und des Missbrauchs von Titeln.

Die Verdächtige war auch in anderen medizinischen Einrichtungen tätig: In Nordhessen arbeitete sie zeitweise für den Gesundheitsdienstleister Vitos - aber nur als freie Dozentin in einer Schule für Gesundheitsberufe, sagte eine Vitos-Sprecherin. Laut Staatsanwaltschaft arbeitete die Verdächtige zudem nach ihrer Tätigkeit in Nordhessen in Schleswig-Holstein - für rund zwei Monate in einer Reha-Klinik im Landkreis Plön.

Die Ermittler hatten am Freitag ein Telefon für Hinweise und mögliche weitere Geschädigte eingerichtet. Dort gingen bis Montag 26 Hinweise ein. Es handele sich nicht um weitere potenzielle Geschädigte, sondern um mögliche Zeugen, sagte ein Polizeisprecher in Homberg. (Foto: Hofmeister)

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