17. Juli 2019, 20:23 Uhr

Neue Stimme für Fahrgäste

17. Juli 2019, 20:23 Uhr
Die Stimme von Heiko Grauel wird bald deutschlandweit in Bahnhöfen zu hören sein. (Foto: dpa)

»Bitte bleiben Sie ruhig.« Konzentriert liest Heiko Grauel den Satz von dem Tablet ab, das vor ihm auf einem Lesepult liegt. Und noch einmal: »Bitte bleiben Sie ruhig.« Durch eine Glasscheibe sieht der 45-Jährige den Sounddesigner, der die Aufnahme an mehreren Computerbildschirmen überwacht. Grauels angenehme, tiefe Stimme wird bald zu den bekanntesten in ganz Deutschland gehören. Denn der Hesse aus Dreieich ist der neue Ansager der Deutschen Bahn. Aus den Sätzen, die er im Tonstudio eingesprochen hat, werden die automatischen Durchsagen für alle rund 5700 Bahnhöfe des Unternehmens produziert.

60 Stunden lang dauerten die gerade abgeschlossenen Aufnahmen insgesamt, verteilt auf vier Wochen. Mehr als 14 000 einzelne Zeilen hat Grauel dafür abgelesen, vier bis fünf Stunden pro Tag verbrachte er in der Aufnahmekabine. Auch scheinbar unsinnige Sätze waren dabei. »Die restlichen Kräuter grob abzupfen« etwa - wie der 45-Jährige nun lachend demonstriert. »Entschuldigung, noch mal«, sagt er ins Mikrofon und wiederholt den Satz im angemessen ruhigen und sachlichen Tonfall. »Wichtig ist, dass die Stimme immer gleich klingt«, sagt Sounddesigner Stephan Becker. Lautstärke, Betonung und Stimmfarbe wurden bei den Aufnahmen ständig kontrolliert. Grauel setzte sich unter Hunderten professionellen Sprechern bei einem Casting durch, in das auch die BahnMitarbeiter eingebunden waren. Dabei ging es unter anderem darum, eine Stimme zu finden, die trotz der an Bahnhöfen erheblichen Geräuschpegel deutlich zu verstehen ist.

Das Unternehmen führt gemeinsam mit der neuen Stimme eine neue Technologie ein. Eine Software zerhackt die aufgenommenen Sätze in einzelne Laute, um sie dann zu einer beliebigen Anzahl und Auswahl an neuen Sätzen zusammenzufügen. Bisher wurden einzelne Wörter aneinandergefügt, was abgehackt und künstlich klang.

»Künftig werden die Wörter besser miteinander verbunden«, sagt Labahn. Zugleich werde die Bahn flexibler, da sich aus den einzelnen Lauten beliebige Wörter bilden ließen, auch auf Französisch oder Englisch. Für Grauel heißt das, bald von 20 Millionen Reisenden und Bahnhofsbesuchern gehört zu werden, die die Bahn täglich zählt. Diese Vorstellung sei überwältigend, sagt er.

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