04. Oktober 2019, 22:32 Uhr

Pferde mit Drahtseilnerven

04. Oktober 2019, 22:32 Uhr
Mit einer speziellen Manschette für Nase und Augen sind die Polizeipferde bei Einsätzen geschützt. (Foto: dpa)

Es knallt und zischt, grellbunte Farben flackern, dichter Rauch steigt auf: Ein Feuerwerk in der Reithalle bringt Pferde normalerweise dazu, in Panik davonzulaufen. Aber Ramino, Sam, Grey und Frodo galoppieren mit ihren Reiterinnen im Sattel ruhig im Kreis, zeigen sich unbeeindruckt. Drahtseilnerven gehören bei den vier Wallachen zum Berufsbild. Sie sind Polizeipferde bei der hessischen Reiterstaffel in Frankfurt.

Bis ein Pferd in einen Einsatz gehen kann, benötigen die Ausbilderinnen viel Zeit und Geduld. Wichtigste Mitarbeiter sind dabei die Routiniers unter den Polizeipferden, wie etwa der 23 Jahre alte Quirl, der bald in Rente geht, oder die besonders erfahrenen Wallache Ramino und Sam. Jüngere Pferde orientieren sich an ihren Artgenossen und lernen an deren Seite, bedrohliche Situationen zu meistern.

»Der Ramino beispielsweise ist so ruhig und selbstbewusst, der führt die Gruppe an 50 000 Fans auf der Haupttribüne der Commerzbank-Arena vorbei«, sagt Ausbilderin Stefanie Richter und zeigt auf das stattliche braune Pferd mit der Blesse. Ein Fußballspiel zählt zu den typischen Einsätzen für ein Polizeipferd.

Besonders bei Begegnungen von Mannschaften mit verfeindeten Fangruppen sei es wichtig, die Reiter dabeizuhaben, sagt der stellvertretende Staffelleiter, Michael Laskus. »Wenn es eng wird, sind die Pferde oft das letzte Mittel, das hilft.« Dies gelte beispielsweise, wenn die Fußball-Fans von Eintracht Frankfurt und SV Darmstadt 98 auf Abstand gehalten werden müssen. Die rund 600 Kilo schweren und meist über 1,70 Meter großen Pferde flößen großen Respekt ein.

Außerdem hat der Reiter vom Sattel aus eine erhöhte Position und im Gelände oft den besseren Überblick als seine Polizeikollegen zu Fuß. Mit einem Pferd sind die Beamten außerdem sehr flexibel und können flott den Standort wechseln, etwa mit einem Galopp über Waldwege. »Unsere Polizeireiter und ihre Tiere sind exzellent aufeinander abgestimmte Teams. Ross und Reiter behalten in unübersichtlichen Situationen den Überblick und sind in fast jedem Gelände einsetzbar«, lobt Innenminister Peter Beuth (CDU). »Sie wirken auch deeskalierend, denn: Wer schon einmal vor einem Polizeipferd stand, weiß, dass es keine gute Idee ist, sich mit den eindrucksvollen Tieren anzulegen.«

Aber die Arbeit der Reiterstaffel ist nicht ungefährlich: »Wir wurden schon mit Stöcken, Steinen, Flaschen und Pyrotechnik beworfen«, erzählt Richter. Wenn es brenzlig wird, können die Beamtinnen den Reithelm mit einem Einsatzhelm tauschen, der in einer großen Satteltasche verstaut wird. Im Einsatz tragen die Pferde eine spezielle Schutzausrüstung am Kopf und an den Beinen. Der Rest des Körpers sei so muskelbepackt, dass er relativ unempfindlich ist, sagt Laskus. Allerdings sei das Fell von Polizeipferden schon mal angesengt worden, als Hooligans Silvesterraketen gegen die Tiere schossen.

In der Halle der Reiterstaffel werden alle denkbaren Einsatzsituationen geübt: Mal rennt Ausbilderin Richter mit einer bedrohlich knisternden Rettungsfolie auf die Tiere zu, mal umkreist sie das Quartett im Polizeiwagen mit Blaulicht und Sirene. Nur wenige Zentimeter von den Pferden entfernt feuert die 29-Jährige eine Schreckschusswaffe ab. Die Tiere zucken kurz, bleiben aber ruhig stehen. Für Fluchttiere, wie Pferde es sind, eine immense Leistung.

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