21. August 2019, 22:17 Uhr

Robuste Landschaftspfleger mit Mähne

21. August 2019, 22:17 Uhr
Vor rund zehn Jahren wurde ein Wildpferde-Projekt in Hanau ins Leben gerufen. Wegen des Erfolgs auch an anderen Standorten; wird es ausgeweitet. (Foto: dpa)

Seit mittlerweile einem Jahrzehnt galoppieren und traben echte Wildpferde durch Hessen. Mitte September 2009 hatte das landesweit einmalige Artenschutzprojekt in Hanau seinen Anfang genommen. Damals staksten fünf Wildpferde aus Transportern und erkundeten ihre neue Heimat, eine damals 30 Hektar große Pferdekoppel in einem Naturschutzgebiet. Zehn Jahre später bilanziert der Leiter des Bundesforstbetriebs Schwarzenborn, Christoph Goebel: »Es ist ein besonders erfolgreich verlaufendes Projekt. Dass es so gut läuft - damit war nicht unbedingt zu rechnen. Die Pferde sind ein Glücksfall.«

Bei den Tieren handelt es sich um Przewalski-Pferde. Sie sind eigentlich in Zentralasien beheimatet. Benannt sind sie nach ihrem Entdecker, dem russischen Forscher Nikolaj Przewalski. Zeitweise galten sie als fast ausgestorben. Heute umfasst der Bestand durch Zucht wieder weltweit rund 2400 Tiere in Zoos und Zuchtstationen, wie Goebel sagte. Przewalskis sind etwa so groß wie Ponys (1,40 Meter) und sehr widerstandsfähig. Sie können in eisiger Kälte, aber auch in extremer Hitze leben. Optisch erinnern sie ein wenig an Norweger. »Aber sie sind viel robuster, wahre Kraftpakete. Auffallend ist ihre struppige Stehmähne«, erklärt Goebel.

Die Anfangsgruppe der fünf Stuten in Hanau hat sich vergrößert, es gab Zuwachs. Auch in Gießen, Babenhausen (Kreis Darmstadt-Dieburg) und in Schweinheim, kurz hinter der hessisch-bayerischen Landesgrenze bei Aschaffenburg, leben Wildpferdegruppen. An den Standorten, allesamt ehemalige Militärgelände, sind es insgesamt rund 40 Tiere. »Die Wildpferde haben hier ein Zuhause gefunden«, sagt Goebels Bundesforstkollege Matthias Pollmeier. Und das Zuchtprojekt wird noch ausgeweitet. Ein fünfter Standort auf einem früheren US-Militärgelände in Münster (Kreis Darmstadt-Dieburg) soll demnächst hinzukommen. Planungen gibt es auch für einen sechsten Standort in Erlensee (Main-Kinzig-Kreis), wie Goebel sagt. Für den Zuchterfolg ist vor allem Fury verantwortlich. Der Hengst erwies sich als zeugungskräftig und sorgte rund ein Dutzend Mal für Nachwuchs an verschiedenen Standorten. »Wir mussten ihn kastrieren. Seine Gene sind nun ausreichend repräsentiert«, berichtet Gobel.

Die in Hanau geborenen Stuten Pepper und Priska stehen für einen Meilenstein in der Projekthistorie, wie eine Sprecherin der Stadt sagt. Sie wurden im Frühjahr vom Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für die Auswilderung in der Westmongolei, dem ursprünglichen Lebensraum, ausgewählt. Aktuell befinden sich die Tiere noch in einem Außengehege nahe des Prager Zoos. Von dort aus werden sie nach einer Übergangsphase mit weiteren Pferden in einen Nationalpark zu frei lebenden Przewalskis gebracht.

Doch das Wildpferdeprojekt ist nicht nur für die Zucht interessant. Die Pferde fungieren auch als Landschaftspfleger. Auf dem Campo Pond in Hanau, einem ehemaligen Trainingsgelände der US-Armee, tragen sie zum Erhalt des Biotops mit seiner Tier- und Pflanzenwelt bei. Sie sorgen dafür, dass die Offenlandfläche nicht überwuchert, knabbern neue Baumtriebe ab und halten das Gelände vom Unterholz frei.

Der Naturschutzbund Hessen begrüßt solche Beweidungsprojekte. »Sie sind wertvoll zur Flächenpflege. Es macht auch einen Unterschied, ob dort Pferde oder etwa Rinder fressen. Das bringt mehr Vielfalt für Insekten und Kräuter«, sagt Mark Harthun von der Naturschutzorganisation. Eine solch attraktive Art wie die Przewalskis bringe auch einen Erlebniswert mit sich.

Fest und Führungen

Was für eine Entwicklung das frühere Militärgelände auf seinen rund 100 Hektar genommen hat und wie die Wildpferde dazu beitragen, davon können sich Besucher bald einen Eindruck verschaffen. Zu zehn Jahre Przewalski-Pferde in Hanau wird am Sonntag (25. August) ein Fest (15 bis 18 Uhr) auf dem Gelände gefeiert.

Auf dem meist für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Gelände können auch Führungen gebucht werden. »Die Angebote werden sehr gut nachgefragt. Von der Lehrerfortbildung bis zum Betriebsausflug war schon alles dabei«, sagt Goebel. »Viele Besucher sind ebenso fasziniert von den Tieren wie ich. Sie sind nicht zuletzt wegen ihrer Seltenheit etwas Besonderes. Die Tiere habe eine gewisse Aura. Wenn ich viel Stress habe und sich die Möglichkeit bietet, zu Wildpferden zu fahren, bleibe ich eine Weile dort und beobachte die Pferde.«

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