23. September 2019, 20:23 Uhr

Savanne unterm Hallendach

23. September 2019, 20:23 Uhr

Noch gibt es sie im Frankfurter Zoo, die gekachelten Tieranlagen mit der keimfreien Fliesenästhetik der 50er Jahre. »So weckt man keine Emotionen«, räumt Zoodirektor Miguel Casares freimütig ein. Die Zukunftsvision für den Zoo ist eine andere: Besucher sollen regelrecht eintauchen in die Welt der Tiere, sollen Trennwände oder Gitter zumindest optisch kaum wahrnehmen. »Zookunft 2030+« lautet der Name des Entwicklungsplans, den Casares und die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) am Montag vorgestellt haben.

Danach soll Schluss sein mit den 60 oder 70 Jahre alten, nach heutigen Maßstäben viel zu kleinen Tierhäusern im Fliesen-Stil. »Wir müssen da einfach rangehen«, sagt Casares. Moderne Großhallen sollen der Zooanlage ein völlig neues Gesicht geben.

Etwa die Hälfte des elf Hektar großen Zoogeländes soll nach einer am Montag vorgestellten Konzeptstudie vollständig umgestaltet werden. Derzeit seien viele Gebäude und Anlagen nicht mehr zeitgemäß, so Hartwig. »An zu vielen Stellen werden sie weder den Bedürfnissen der uns anvertrauten Tiere noch den Besuchern gerecht«, sagte sie. Ein zukunftsfähiger Entwicklungsplan für den Zoo sei »längst überfällig«.

Mit dem Entwicklungsplan »Zookunft 2030+« steht allerdings noch nicht fest, welche Kosten mit der Umgestaltung verbunden sind. Dies soll in einem Masterplan errechnet werden, der innerhalb eines Jahres fertiggestellt werden soll. Nach dem Entwicklungsplan soll im Nordosten des Zoos eine etwa 6700 Quadratmeter große »Amazonien«-Halle als Fluss- und Sumpflandschaft mit frei fliegenden Vögeln entstehen. Im Südwesten soll eine 10 200 Quadratmeter große Afrika-Halle vor allem in den Wintermonaten Savannenbewohnern ein Zuhause bieten, das der Landschaft in der ursprünglichen Heimat der Tiere nachempfunden ist. Zum Vergleich: Der Borgoriwald, in dem im Frankfurter Zoo die Menschenaffen untergebracht sind, ist »nur« 3600 Quadratmeter groß.

»Wir wollen die Faszination Wildtier erlebbar machen«, sagt Casares. »Unsere Besucher sollen eintauchen in die Welt der Tiere.« Nur über eine gelungene und artgemäße Tierpräsentation könnten die Besucher dazu bewegt werden, sich für Wildtiere und ihre natürlichen Lebensräume einzusetzen. Überhaupt komme gerade angesichts des Klimawandels und seiner Folgen sowie der bedrohten Artenvielfalt dem Thema Naturschutz besondere Bedeutung zu.

Bewusstsein dafür zu schaffen - das sieht der Weltverband der Zoos schon seit einigen Jahren als die dringlichste Aufgabe für Zoos und Tierparks an. Frankfurt könne hierbei »europaweit ein einzigartiges Modell werden«, versichert Casares. Denn durch die engen Kontakte zur Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) sitzen Experten für den Schutz großer Wildnisgebiete sozusagen unter dem gleichen Dach.

Mit Südamerika und Afrika liegt der Schwerpunkt von »Zookunft 2030+« denn auch auf zwei Kontinenten, auf denen die ZGF besonders viele Projekte hat. Giraffen, Zebras, Antilopen und vielleicht auch Spitzmaulnashörner sollen etwa in der Afrikahalle auch in den Wintermonaten naturalistische Gehege haben. Im Außenbereich werden die Wälder des Kongo und die »klassische« afrikanische Savanne erlebbar gemacht. Kleiner Wermutstropfen für alle die Frankfurter, die von einer Elefantengruppe träumen: Das wird es nicht geben. »Wir halten nur die Tiere, die wir exzellent halten können«, sagt Casares.

Angesichts des begrenzten Areals in der Innenstadt ist das für Elefanten nicht möglich - nur als Modell soll eines der »charismatischen Tiere« vertreten sein und auf die Bedrohung der Art durch Wilderer und Zerstörung aufmerksam machen. Denn ein Umzug des Zoos an die Peripherie, betont Hartwig, »kommt nicht infrage«.

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