06. Juli 2017, 22:02 Uhr

Schlag gegen Kinderpornografie

06. Juli 2017, 22:02 Uhr
Die Ermittlungen laufen weltweit, der Fokus richtet sich auf Deutschland und Österreich. Mitglieder eines Darknet-Forums stehen im Verdacht, Kinderpornografie ausgetauscht und Verabredungen zum Missbrauch getroffen zu haben. (Foto: dpa)

Wiesbaden (dpa). Ermittler haben bei einem Schlag gegen die Kinderpornografie-Szene eine Internet-Plattform mit mehr als 87 000 Mitgliedern abgeschaltet und mehrere Menschen festgenommen. Hauptverdächtiger ist ein 39-Jähriger aus dem Landkreis Limburg-Weilburg, teilten das Bundeskriminalamt (BKA) und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Donnerstag mit. Zwei weitere Männer aus Baden-Württemberg und Bayern seien ebenfalls als dringend verdächtig festgenommen worden.

Auf der Plattform im Darknet – einem abgeschirmten Bereich des Internets – soll seit Ende vergangenen Jahres weltweit Kinderpornografie ausgetauscht worden sein. Zudem diente die Plattform der Verabredung zum sexuellen Missbrauch von Kindern. Zu dem Bild- und Videomaterial, das die Mitglieder austauschten, gehörten nach Angaben der Ermittler auch Aufnahmen von schwerstem sexuellen Missbrauch von Kindern. Auch Kleinstkinder seien unter den Opfern. Außerdem habe es Darstellungen sexueller Gewalthandlungen an Kindern gegeben. Als mutmaßlicher Betreiber der Plattform mit dem Namen »Elysium« wurde der 39-Jährige festgenommen. Er soll als Administrator der Plattform maßgeblich für die Bereitstellung der technischen Infrastruktur verantwortlich gewesen sein. Der Mann wird auch verdächtigt, Bilder selber aufgenommen und ins Darknet gestellt zu haben. In der Wohnung des 39-Jährigen wurde der Server der Plattform beschlagnahmt. Der Mann sitzt nach einem Haftbefehl des Amtsgerichts Gießen wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft.

Neben dem Administrator gab es nach Angaben der Ermittler weltweit weitere Festnahmen, vor allem aber in Deutschland und Österreich. Den Beschuldigten wird neben der Verbreitung von Kinderpornografie zum Teil auch schwerer sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen, teilten das BKA und die Generalstaatsanwaltschaft mit.

ZIT in Gießen federführend

Für die Ermittler ist dieser Schlag gegen die Kinderporno-Szene ein außergewöhnlicher Erfolg. Es sei die europaweit größte Darknet-Plattform vom Netz genommen worden, erklärte der Frankurter Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk. Besonders erstaunlich ist für die Experten auch der massive Mitgliederzuwachs von »Elysium« in kürzester Zeit. Erst Ende 2016 war die Plattform im Darknet – dort können sich Internetnutzer fast komplett anonym bewegen – freigeschaltet worden. Dass es innerhalb nur eines halben Jahres bis zum Abschalten Mitte Juni dieses Jahres fast 90 000 Nutzer gab, zeige, wie groß die Szene ist, sagte der Oberstaatsanwalt. Die Ermittlungen gegen die Plattform wurden von der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) in Gießen geführt, die zur Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt gehört.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bundeskriminalamt
  • Kindesmissbrauch
  • Plattformen
  • Sexueller Missbrauch
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos