13. Juni 2017, 21:00 Uhr

Kauf- und Mietpreise

Stadtleben statt Quadratmeter

In Hessen wollen trotz tendenziell steigender Preise und Mieten immer mehr Menschen in Mittel- und Großstädten wohnen. Dies trifft vor allem Menschen mit geringem Einkommen.
13. Juni 2017, 21:00 Uhr
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Von DPA
Aussicht und Lage bedeuten viel: Stadtleben wird Menschen immer wichtiger. (Foto: dpa)

Zugunsten eines kulturellen Angebots und einer breitgefächerten Infrastruktur akzeptieren die Mieter in Hessen lieber geringere Wohnflächen. Dementsprechend verteuerten sich Grundstücke gerade in Ballungsräumen weiter deutlich. Die Preise für Grundstücke hätten Ende Januar vereinzelt um bis zu 30 Prozent höher als vor einem Jahr gelegen, berichtete der Verband. In Frankfurt kostet der Grund in sehr guter Wohnlage im Schnitt 1100 Euro pro Quadratmeter und damit deutlich mehr als noch vor Jahresfrist (850 Euro). Noch teurer waren Grundstücke nur in Wiesbaden (1200). Am günstigen war Boden im Umland von Kassel (175 Euro pro Quadratmeter).

Auch bei den Kaufpreisen gibt es immens große Unterschiede zwischen den verschiedenen Regionen. Während in Frankfurt für Wohnungen mit mittlerem Wohnwert (Standardausstattung) und guter Lage im Schnitt rund 3800 Euro je Quadratmeter fällig wurden, waren es in Hanau nur 1500 Euro und im Kasseler Umland sogar nur noch 1300 Euro.


Lieber kaufen als mieten

Aufgrund der hohen Nachfrage geht der IVD, der Makler, Sachverständige und Immobilienverwalter vertritt, weiter von steigenden Preisen für Miet- und Kaufobjekte aus. Zwar werde das Wohnungsangebot weiter wachsen, jedoch nicht in gleichem Maße wie der Bedarf. Das knappe Angebot an Wohnraum treffe vor allem Menschen, die wenig Geld zur Verfügung haben.

Der Bevölkerungszuwachs und steigende Einkommen seien weiter Gründe für den allgemeinen Mangel, erklärte der IVD. Eine Ausnahme bei dem Preisspiegel machten die Mieten, die auch in den Großstädten kaum gestiegen oder sogar zurückgegangen seien.

In Frankfurt etwa kostet der Quadratmeter bei mittlerem Wohnwert (zehn Euro) und gutem Wohnwert (13 Euro) so viel wie im Vorjahr. Bei sehr gutem Wohnwert ist der Preis pro Quadratmeter sogar von 15 auf 14 Euro leicht gesunken. Grund sei, dass aufgrund der niedrigen Zinsen eher gekauft als zu einem hohen Preis gemietet werde, hieß es.


Kleine Wohnungen fehlen

Gerade Single-Haushalte wie Studenten, Rentner oder Alleinerziehende sind jedoch keine Eigenheimkäufer. Nur ein Monatsgehalt, Rente oder BAföG reichen für eine Wohnung in Großstädten wie Frankfurt und Umgebung häufig nicht mehr aus. Zudem fehlen in Metropolen häufig kleine Wohnungen, da meistens große Einheiten errichtet werden. »Wir bauen am Bedarf vorbei«, kritisierte Michael Voigtländer, Immobilienexperte am Institut der deutschen Wirtschaft. Wie es aber weitergehen soll mit dem deutschen Wohnungsmarkt, ist äußerst unklar.



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