17. Mai 2019, 22:03 Uhr

Teekochen ohne Beutel

17. Mai 2019, 22:03 Uhr
Schmidt senior und junior sind Geschäftsinhaber der Firma OPTOcomm. Simon Schmidt junior (links) will in Kürze seine Erfindung für beutel- und filterlosen Teegenuss vorstellen. (Foto: dpa)

Einfallsreichtum ist seine Stärke. Für das Ergebnis seiner nicht alltäglichen Arbeit wurde Simon Schmidt bereits mit dem Hessischen Gründerpreis prämiert. 2017 präsentierte der Wirtschaftsingenieur für den Wettbewerb ein Reparaturverfahren für Bahnschienenteile.

Das Erstaunliche an dem erst 35 Jahre alten Erfinder aus Gründau (Main-Kinzig-Kreis) ist: Er tüftelt nicht nur in einer Branche an Innovationen. Sie betreffen diverse Fachgebiete. Schmidt hat bereits einige Produkte und Geschäftsideen entwickelt. Mal geht es um Batterien für Elektroautos, um eine Verkaufsplattform für Videospiele und Konsolen oder um ein Werkzeug, mit dem lotrechte Bohrlöcher und Gewinde ohne aufwendige Maschinen gelingen sollen. Seine neueste Idee dreht sich um Tee. Wenn es nach ihm geht, sollte das Aufbrühen schneller gehen - ohne Teebeutel, Filter oder Sieb. »Unpraktisch«, findet er. Auf die Idee gekommen ist Schmidt bei einem Hotelfrühstück: Er ärgerte er sich über einen Fleck von schwarzem Tee auf der Kleidung. Da kam ihm der Geistesblitz: »Gibt es da nichts Praktischeres als Teebeutel?« Dessen Erfindung sei immerhin schon älter als 90 Jahre. Schmidt führt das Resultat seiner Entwicklungen in der heimischen Küche vor: Er greift zu einem kleinen Behälter, der an einen Süßstoffspender erinnert. Aus ihm gibt er ein paar kleine Kügelchen in eine Tasse mit heißem Wasser. »Kurz umrühren, einen Moment warten, schon haben sie sich aufgelöst - fertig«, demonstriert Schmidt. Schmidt hat seiner Idee den Namen Teaballs gegeben. Das Produkt hat er Mitte Mai vorgestellt und arbeitet nun an der Markteinführung. Die Teaballs hat er zusammen mit einer Partnerfirma in mehreren Geschmacksrichtungen entwickelt. Das Markenaussehen ist entworfen. Der Markenname ist geschützt. Aber Fragen zur maschinellen Großproduktion müssen noch geklärt werden, sagt Schmidt.

Werden sich Käufer für Teekügelchen begeistern lassen? »Bei der Marktforschung kommt das Produkt schon mal gut an«, betont er. Er habe auch bereits positive Gespräche mit dem Handel geführt. »Da gibt es einige Interessenten. Aber ich darf noch nichts verraten.« Die Teaballs bestehen aus reinen Pflanzenextrakten ohne Zusatzstoffe, wie Schmidt erklärt. 60 Milligramm pro Kügelchen. Pro Tasse verwendet er zwei, drei davon. Dosiert wird je nach Geschmack.

Für To-go-Generation

Schmidt sagt: »Ich habe nicht die Absicht, das Teetrinken zu revolutionieren. Aber es wird sicher viele Konsumenten geben, die auch die Vorteile entdecken werden: weniger Abfall, mehr Nachhaltigkeit, praktisch transportierbar in der Hosentasche.

Für Experten ist die Verwendung von Extrakten zur Teezubereitung zwar nicht neu, aber sie halten das Konzept für interessant. »Die Idee finde ich toll und innovativ«, sagte Joachim Schmitt, Professor für Lebensmitteltechnologie an der Hochschule Fulda. Die Teaballs trügen mehreren Trends Rechnung: weniger Abfall, mehr Nachhaltigkeit. Auch Harald Seitz, Sprecher beim Bundeszentrum für Ernährung (Bonn), sagte, das Produkt passe zum Zeitgeist der To-go-Generation - dem schnellen, zwanglosen Konsum im Vorbeigehen. Joaquin Enriquez aus Kassel, Betreiber einer Community-Internetseite für Teetrinker und selbst großer Tee-Fan, sagt: Den Geschmack breiter Bevölkerungsschichten könnten die Teaballs vielleicht treffen. »Aber ambitionierte Genießer lassen sich bestimmt nicht überzeugen.« Er glaube nicht, dass die Kügelchen das Aroma von hochwertigem Tee wiedergeben könnten.

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