08. Juni 2018, 12:57 Uhr

Mordfall Susanna

Verdächtiger Iraker im Wiesbadener Mordfall Susanna festgenommen

Der Tatverdächtige im Fall der getöten Susanna aus Mainz ist im Nordirak festgenommen worden. Die 14-Jährige war bei Wiesbaden vergewaltigt und getötet worden.
08. Juni 2018, 12:57 Uhr
Der gesuchten Ali B. konnte im Irak festgenommen werden. Der 20-jährige Iraker gilt im Fall des gewaltsamen Todes von Susanna F. als dringend tatverdächtig und hat sich offenbar in den Irak abgesetzt. (Foto: dpa)

Der Tatverdächtige im Fall der getöten Susanna aus Wiesbaden ist festgenommen worden. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) gab bekannt: Der 20-jährige Ali B. (20) wurde im Nordirak festgenommen.Gegen den mutmaßlichen Täter lag ein internationaler Haftbefehl vor.

 

Mordfall Susanna: Was war passiert?

Nachdem das 14-jährige Mädchen Susanna vor zwei Wochen verschwunden war, wurde am Mittwoch in einem Erdloch bei Wiesbaden ihre Leiche gefunden. Die Schülerin war nach ersten Angaben der Ermittler durch eine «Gewalteinwirkung» auf den Hals zu Tode gekommen. Ob sie erwürgt oder erdrosselt wurde, blieb zunächst unklar. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Mädchen ermordet wurde, um eine Vergewaltigung zu vertuschen. Die 14-jährige Susanna war am 22. Mai von ihrer Mutter als vermisst gemeldet worden. Sie war mit Freunden in der Wiesbadener Innenstadt unterwegs gewesen und abends nicht wie abgesprochen nach Hause zurückgekehrt. Laut Obduktion der Leiche soll sich die Tat bereits am Abend ihres Verschwindens ereignet haben.

 

Mordfall Susanna: Wie kam die Polizei auf den Tatverdächtigen?

Der entscheidende Hinweis auf den mutmaßlichen Täter kam von einem 13-jährigen Jungen, der in der gleichen Flüchtlingsunterkunft wie Ali B. wohnte. Susanna soll sich öfter in der Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden-Erbenheim aufgehalten haben und den Bruder des tatverdächtigen Irakers näher gekannt haben, sagte der Polizeipräsident. Zuvor hatte die Polizei tagelang nach dem vermissten Mädchen gesucht. Der Zeuge hatten den Ermittlern berichtet, Ali B. habe ihm von der Tat persönlich erzählt. 

 

Mordfall Susanna: Was ist über den Tatverdächtigen bekannt?

Der Verdächtige ist ein 20 Jahre alter irakischer Flüchtling.  Mit seiner Familie bestehend aus Vater, Mutter und sechs Kindern habe zuletzt zusammen in einer Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden gelebt. Wie das Bundesinnenministerium am Freitag bestätigte, war der tatverdächtige Ali B. vom Flughafen Düsseldorf ausgereist. Der 20-Jährige war in diesem Jahr bereits mehrfach polizeilich aufgefallen. Neben Pöbeleien und Prügeleien soll sein Name auch in Zusammenhang mit der Vergewaltigung eines elfjährigen Mädchens aus der Flüchtlingsunterkunft gefallen sein, erklärte der Polizeipräsident. Die Hinweise hätten sich aber nicht erhärtenkönnen. Es habe daher keine Gründe für eine Inhaftierung gegeben.

 

Mordfall Susanna: Wie konnte der Tatverdächtige ausreisen?

Der tatverdächtige Iraker sei vermutlich am vergangenen Donnerstagabgereist, berichtete der Wiesbadener Polizeipräsident Stefan Müller. Sie sei nach bisherigen Erkenntnissen von Düsseldorf aus nach Istanbul und von dort aus weiter ins irakische Erbil geflogen. Auf den Flugtickets seien andere Namen angegeben gewesen als auf den ebenfalls am Flughafen vorgelegten Aufenthaltspapieren für Deutschland, sagte Müller. Die Gruppe habe aber auch sogenannte Laissez-passer-Dokumente - eine Art Passierschein - in arabischer Sprache mit Passbildern dabei gehabt, die von der irakischen Botschaft ausgestellt worden seien. Am Flughafen seien nach den bisherigen Erkenntnissen die Passfotos, aber nicht die Namen abgeglichen worden. Botschaften zum Beispiel können solche Passersatzpapiere ausstellen,wenn der Reisepass abhanden gekommen oder nicht mehr gültig ist. Ein zur Ausreise verpflichteter abgelehnter Asylbewerber kann Deutschlandmit dem Papier schnell und unbürokratisch verlassen. Es berechtigtzur einmaligen Einreise und ist wenige Tage gültig. Laissez-passerkommt aus dem Französischen und bedeutet «Bitte durchlassen».

 

Mordfall Susanna: Gibt es ein Auslieferungsabkommen mit dem Irak?

Nein. Das Auswärtige Amt weist darauf hin, dass es kein Auslieferungsabkommen mit dem Irak gibt. In Einzelfällen sei die Auslieferung eines Tatverdächtigen aus dem Irak nach Deutschland aber möglich, sagte eine AA-Sprecherin am Freitag in Berlin.

 

Mordfall Susanna: Welche Reaktionen gibt es?

Der Zentralrat der Juden zeigte sich tief betroffen über dasVerbrechen. «Susanna und ihre Mutter waren bzw. sind Mitglieder derJüdischen Gemeinde Mainz», hieß es in einer Mitteilung. «Wir erwarten von den Strafverfolgungsbehörden eine rasche und umfassende Aufklärung sowie harte Konsequenzen für den oder die Täter. Allevoreiligen Schlüsse oder gar Ressentiments verbieten sich jedoch.» Auch der hessische Innenminister Peter Beuth reagierte mit tiefer Betroffenheit auf das Gewaltverbrechen. «Unsere Gedanken sind imMoment bei den Angehörigen, unsere Anteilnahme», sagte der CDU-Politiker. «Wir werden alles daran setzen, dass wir den Täterfinden und einer gerechten Strafe zuführen können.» Beuth warnte davor, den Fall schon politisch zu diskutieren. Die Politik sei gutberaten, jetzt erstmal die Ermittler ihre Arbeit machen zu lassen, sagte er. Auch die Ortsvorsteherin des Mainzer Stadtteils, in dem Susannawohnte, drückte ihr Mitgefühl aus. Vor dem Wohngebäude der Familie hätte Anwohner Kerzen aufgestellt und Blumen abgelegt. «Die Familiewar bekannt.» Das Verbrechen habe viele Menschen vor Ort geschockt. "Es ist schrecklich." In Mainz sind in den kommenden Tagen eine Serie von Demonstrationen und Mahnwachen geplant. Für diesen Samstag um 13.00 Uhr lädt die «Gutmenschliche Aktion Mainz» zu einer Trauerkundgebung für Susanna auf den Petersplatz ein und wendet sich gegen Rassismus. Um 15 Uhr will die AfD-Landtagsfraktion von Rheinland-Pfalz unter dem Motto «Es reicht! Endlich Konsequenzen ziehen!» vor der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei demonstrieren.

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