11. Mai 2020, 20:41 Uhr

Verkürzte Textversion

11. Mai 2020, 20:41 Uhr
Ministerpräsident Volker Bouffier weist die heftige Kritik an seinem FAZ-Beitrag zurück. Dieser sei gekürzt worden. FOTO: DPA

Wiesbaden/Frankfurt - Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) weist die teils heftige Kritik an seinem Gastbeitrag in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« (FAZ) anlässlich des Kriegsendes vor 75 Jahren zurück. Kritiker hatten Bouffier vorgeworfen, eine Parallele zwischen den Verheerungen des Zweiten Weltkriegs und den Folgen der Corona-Krise gestellt zu haben.

Der Ministerpräsident erklärte nun, er habe in dem Gastbeitrag sehr wohl auf die Problematik historischer Vergleiche hingewiesen. Die entscheidenden Sätze habe die Redaktion aber später ohne Rücksprache aus dem Text herausgekürzt, teilte die Staatskanzlei in Wiesbaden mit.

Marshallplan als Hintergrund

Bouffier beschreibt in dem Text, wie der Nationalsozialismus Deutschland ruiniert hat. Er spricht in dem Text von einer »Stunde null« nach der Befreiung. Dann heißt es weiter: »Nach der ›Stunde null‹ von 1945 befinden wir uns derzeit wieder in einer ›Stunde null‹. Um Menschenleben zu retten, musste das gesamte öffentliche Leben pausieren, musste die Wirtschaft vorübergehend stillstehen und unser ganzes Land für einen Moment innehalten.« Wie damals könne auch in der heutigen »Stunde null« ein Neuanfang liegen.

Der Ministerpräsident zielt dabei auf die US-Unterstützungen durch den damaligen »Marshallplan« ab, der den Wiederaufstieg Deutschlands erst ermöglichte. Europa brauche auch jetzt wieder einen Marshallplan.

In der Online-Version ist besagte Textpassage nun plötzlich zu finden, verbunden mit dem Hinweis der Redaktion: »Dieser Satz war in einer früheren Textversion um den jetzt kursiv hervorgehobenen Halbsatz gekürzt veröffentlicht worden. Wir bedauern etwaige Missverständnisse.«

Vorwurf: Opfer des Krieges beleidigt

Kritik an dem Text gab es vor allem in sozialen Netzwerken und von anderen Parteien. Der Landtagsabgeordnete und Generalsekretär der hessischen SPD, Christoph Degen, warf Bouffier »menschliche, historische und politische Ignoranz« vor.

»Der Vergleich, den der Ministerpräsident in seinem unsäglichen Text anstellt, ist nicht nur geschichtsvergessen, sondern in jeder Hinsicht instinkt- und geschmacklos«, schreibt Degen in einer Mitteilung. »Wer eine Gesundheits- und Wirtschaftskrise - wie schwer sie auch sein mag - gleichsetzt mit dem unbeschreiblichen Grauen der Konzentrationslager und des Krieges, beleidigt die 60 Millionen Menschen, die dem Nazi- Regime und dem von ihm entfesselten Weltkrieg zum Opfer gefallen sind.«

Dies sei »unerträglich und unentschuldbar«. »Ich bin fassungslos über das Maß an menschlicher, historischer und politischer Ignoranz, das Volker Bouffier hier offenbart. Sein Text ist eines hochrangigen Repräsentanten unseres Staates unwürdig.«

Der Ministerpräsident teilte nach der heftigen Kritik mit, dass man niemals die Verbrechen der Nationalsozialisten »relativieren oder vergleichen« könne. »Der 8. Mai markiert das Ende einer Zeit, die geprägt war von einer menschenverachtenden Diktatur, der Millionen Menschen zum Opfer fielen und die mit systematischem Völkermord einen absoluten Tiefpunkt in der Geschichte unseres Landes erreichte. Das Geschehene ist niemals zu relativieren oder zu vergleichen«, teilte Bouffier mit. Daniel Göbel

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