27. August 2019, 18:38 Uhr

Waschen, trocknen, reden

27. August 2019, 18:38 Uhr
Esmail van Elkan betreibt einen Waschsalon kombiniert mit einem Bistro in Marburg. (Foto: dpa)

Wäsche rein und Münze einwerfen: Waschsalons sind nicht aus der Mode gekommen, auch wenn die meisten Hessen zu Hause eine Waschmaschine besitzen. In den größeren Städten im Bundesland gibt es 48 dieser Läden. Das geht aus der Antwort des Umweltministeriums auf eine FDP-Landtagsanfrage hervor. Spitzenreiter ist demnach Frankfurt mit 15 Salons, gefolgt von Wiesbaden und Offenbach. Auch in Uni-Städten wie Gießen und Marburg gibt es Angebote.

Rund sechs Prozent der hessischen Privathaushalte verfügen nach den Zahlen, die dem Ministerium vorliegen, über keine eigene Waschmaschine. Entsprechend sind sie darauf angewiesen, außer Haus ihre Wäsche sauber zu bekommen. Beispielsweise in der Hochschulstadt Marburg, wo sich seit fast 30 Jahren die Trommeln im »Bistro Waschbrett« drehen.

Einmal im Monat komme er her, sagt ein Rentner, der dort gerade mehrere Kilo Hemden und Hosen in eine große rote Maschine stopft. »Meine Waschmaschine ist kaputt. Hier zu waschen, ist im Vergleich eigentlich billiger, als sich ein neues teures Gerät anzuschaffen«, sagt der 77-Jährige. Während die Maschine läuft, setzt er sich an einen Tisch und isst ein warmes Mittagessen.

Inhaber Esmail van Elkan betreibt den Salon kombiniert mit einem Bistro. »Es ist nicht nur Waschen«, sagt er. »Es ist ein Treffpunkt. Man kommt mit anderen in Kontakt und ins Gespräch.« Das ist dem 60-Jährigen nach eigener Aussage sehr wichtig - und auch, den Kunden mit Rat und Tat zur Seite zu stehen: Etwa zu vermitteln, dass alles auch mit einer kleinen Menge Waschpulver sauber wird. Oder jungen Leuten, die im »Hotel Mama« noch nie selbst gewaschen haben, die Waschprogramme zu erklären.

Studenten gehören neben Rentnern häufig zu den Kunden. Aber auch Besucher auf der Durchreise, große Familien mit Wäschebergen sowie Marburger, die sperrige Bettwäsche reinigen möchten. Denn hier stehen auch Maschinen, die bis zu 13 Kilo aufnehmen können. »Ich finde es gut, dass es so etwas noch gibt«, sagt ein 26-Jähriger, der zwar eine Waschmaschine besitzt, aber keinen Trockner. Er hat seine Urlaubswäsche mitgebracht, um sie rasch zu trocken. Für ein paarmal Turbo-Trocknen im Jahr lohne sich für ihn ein eigenes Gerät nicht.

Dieses Argument hört auch Michael Spruch immer wieder. Er ist Inhaber des Unternehmens Nextwash, das unter anderem in Hessens größter Stadt Frankfurt Läden betreibt. Spruch zufolge wachse der Anteil der Kunden, die etwa aus Nachhaltigkeitsgründen auf »Sharing Economy« setzen, also in diesem Fall Waschmaschinen lieber gemeinschaftlich nutzen als besitzen wollen. Andere Kunden verzichteten aus Platzgründen auf ein eigenes Gerät, weil sie Single seien, nur vorübergehend in der Stadt lebten oder wegen der steigenden Energiekosten. Sein Waschsalon könne ökonomischer und ressourcenschonender arbeiten als die einzelne Maschine zu Hause, so Spruch. Und die Geräte seien auch schneller: Nach maximal 45 Minuten sei die Wäsche fertig.

Waschsalonnutzer müssen allerdings auf die Öffnungszeiten achten - denn es gibt Beschränkungen wie Sonn- und Feiertage, was die FDP-Fraktion in ihrer Anfrage anbringt. Im Marburger Salon stehen ebenfalls sonntags die Trommeln still. So ein Laden mache schon viel Arbeit, sagt Betreiber van Elkan. Die Übernahme des Geschäftes habe er aber nie bereut. Mit der Zeit ist hier längst nicht nur schmutzige Wäsche gewaschen worden. Gefunkt habe es auch schon. Drei spätere Ehepaare hätten sich hier, beim Warten aufs Ende des Waschprogramms, kennengelernt.

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