02. Juli 2021, 22:23 Uhr

Abwasser zeigt Delta-Ausbrüche an

02. Juli 2021, 22:23 Uhr
Die Professorin Susanne Lackner leitet das Projekt zum Abwasser-Monitoring. FOTO: DPA

Wiesbaden - In Wiesbaden liegen erste Ergebnisse der Abwasseruntersuchungen auf Coronaviren vor. Die zeigen nach Angaben des Gesundheitsamtes, dass Infektionen mit der Delta-Variante ab etwa Mitte Mai deutlich zugenommen haben.

Koordiniert wurde die Untersuchung von der TU Darmstadt. Dort werden am Fachgebiet Abwasserwirtschaft Verfahren entwickelt, um Mutanten des Coronavirus mithilfe der Genomanalyse zu identifizieren und ihre Verbreitungswege zu verfolgen. Das System war zuvor schon in Frankfurt getestet worden.

Seit Ende April sind an zwei Wiesbadener Kläranlagen einmal pro Woche Proben entnommen und analysiert worden. Das Abwasser-Monitoring bietet zusätzliche Informationen zum Meldesystem des Gesundheitsamts. Die Abwasserproben könnten helfen, das Infektionsgeschehen einzuordnen, denn sie würden nicht von Testkapazitäten, Teststrategien oder asymptomatischen Verläufen beeinflusst, heißt es aus dem Gesundheitsamt. Im Wesentlichen korrespondierten die Ergebnisse der PCR-Tests mit denen der Abwasseruntersuchungen. Danach war in dem siebenwöchigen Untersuchungszeitraum die Alpha-Variante, vormals als britische Variante bezeichnet, vorherrschend. Die als ansteckender geltende Delta-Variante nahm aber zu.

Mithilfe des Abwassers lässt sich zwar nicht ermitteln, wie viele Menschen erkrankt sind, aber ein Trend ist erkennbar. Wenn die Virenlast steigt, kann das ein Hinweis auf einen Ausbruch sein. Das war auch in Wiesbaden der Fall, wo das Gesundheitsamt - zunächst unabhängig vom Abwasser-Monitoring - feststellte, dass sich im Mai und Juni in den beiden Stadtteilen Kastel und Kostheim Corona-Infektionen häuften. Die Sequenzierung ergab, dass die Infektion auf die Delta-Variante zurückzuführen waren.

Um den Ausbruch lokalisieren und eine differenziertere Aussage über das Vorkommen und die Verbreitung der Delta-Variante erhalten zu können, wurden zusätzliche Proben am Pumpwerk Kastel und in Kanälen in Kostheim und Kastel entnommen. Mit Proben direkt aus den Kanälen könnten die Ergebnisse auf Stadtteile oder sogar Häuserblocks heruntergebrochen werden, erklärte Susanne Lackner, Professorin für Abwasserwirtschaft an der TU Darmstadt und Leiterin des Projekts kürzlich in einem Gespräch mit der Deutschen Presseagentur. Die Forschung habe gezeigt, dass es möglich sei, Kläranlagen als Frühwarnsystem zu nutzen. Ob das Monitoring in Wiesbaden fortgesetzt wird, ist noch nicht klar. Dazu würden Gespräche geführt, hieß es. Diana Unkart

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