30. November 2021, 22:08 Uhr

Ausgrenzung bleibt Problem

30. November 2021, 22:08 Uhr
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Von DPA
In einem Blister werden die Medikamente für HIV-Vorbeugung (PrEP, Prä-Expositions-Prophylaxe) mit Tabletten ausgegeben. FOTO: DPA

- Die Aids-Hilfe Frankfurt (AHF) hat mit Blick auf den bevorstehenden Welt-Aids-Tag am 1. Dezember das aktuelle Infektionsgeschehen mit HIV bewertet. Nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts ging die Zahl der Neuinfektionen in Hessen zurück. 2019 steckten sich noch 220 Menschen mit dem Virus an, im vergangenen Jahr 170. Insgesamt wird geschätzt, dass in Deutschland circa 91 000 Menschen mit HIV leben.

»Aids ist selbstverständlich noch ein Problem«, sagt Christian Setzepfandt vom Vorstand der AHF. Dabei gehe es nicht nur um die Infektionen, sondern vor allem um die in weiten Teilen immer noch vorhandene Stigmatisierung. Man kämpfe auch 35 Jahre nach der Gründung der AHF weiter gegen Vorurteile und Unwissenheit im Bezug auf die Krankheit. Dass die Zahlen rückläufig sind, könne durchaus mit der Pandemie zu tun haben, in der Leute sexuelle Kontakte zurückfahren oder vermeiden. Auch die Anwendung der PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe), bei der HIV-negative Menschen ein HIV-Medikament vorbeugend einnehmen, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schützen, beeinflusse die Zahlen positiv, sagt Setzepfandt. Dass zurzeit wieder ein Virus grassiere, lasse sich beim Blick auf HIV nur schwer ausblenden. Die Parallelen seien da, so Setzepfandt: Beschränkungen, Ausgrenzung, Tod und wilde Theorien über den Ursprung der Krankheit. Auch bei HIV hatten manche vermutet, dass das Virus im Labor gezüchtet wurde oder dass es gar nicht existiere. Auch die Theorie, dass die Medikamente töten oder schaden, habe es damals wie heute gegeben. Setze-pfandt wünscht sich, dass die Leute nicht ausgegrenzt werden, egal welche Viruserkrankung sie haben.

Die Aids-Hilfe Frankfurt fordert die Stadt und das Land Hessen auf, ihre finanzielle Unterstützung für die AHF zu erhöhen. 300 000 Euro mehr brauche man pro Jahr, um bereits laufende Projekte aufrechtzuerhalten und neue zu entwickeln. Außerdem müsse das HIV-Testangebot weiter ausgebaut, der Zugang zur PrEP-Therapie erleichtert werden. Für Frankfurt fordert die AHF ein tägliches Testangebot und kostenlose HIV-Tests. Darüber hinaus müssten die Forschung an einem HIV-Impfstoff intensiviert und mehr Gelder dafür zur Verfügung gestellt werden. Steven Micksch



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