17. November 2020, 18:12 Uhr

Begehbares Geschichtsbuch zum Hören

17. November 2020, 18:12 Uhr
Gesa Coordes hat entdeckt, dass ein Opfer der Hexenprozesse vermutlich in der Wettergasse/Ecke Schlosssteig gewohnt hat. FOTO: PM

- Catharina Staudinger wurde 1656 in Marburg als Hexe verbrannt. Wo hat sie gelebt? Was war passiert? Wie wurde ihr der Prozess gemacht? Das und vieles mehr wird im neuen Audioguide »Hexenroute. Ein Stadtspaziergang zum Hören« aufgegriffen. Exemplarisch erfahren Hörer so mehr über die Hexenverfolgung in Marburg. Die »Hexenroute« gibt es kostenfrei.

Die Stadt Marburg hat das Jahr 2020 unter den Themenschwerpunkt »Andersartig. Hexen. Glaube. Verfolgung.« gestellt. In unterschiedlichsten Veranstaltungen wird das Thema Hexen und Hexenverfolgung beleuchtet und aufgearbeitet. Dr. Ronald Füssel hat dazu eine wissenschaftliche Studie veröffentlicht, die als Stadtschrift unter dem Titel »Gefoltert, gestanden, zu Marburg verbrannt. Die Marburger Hexenprozesse« erschienen ist. Die Ergebnisse dieser Studie wurden nun auch zur Vorlage für ein neues Projekt: »Wir wollen an Menschen erinnern, die in Marburg in der Vergangenheit großem Unrecht zum Opfer gefallen sind. Dazugehört auch die Geschichte der Menschen, die vor rund 350 Jahren während der allgemeinen Hexenhysterie getötet wurden«, sagt Oberbürgermeister Thomas Spies. »Der Stadtspaziergang macht Marburg zu einem begehbaren Geschichtsbuch für Groß und Klein.« Denn wenn Menschen aus der Geschichte lernen sollen, reiche es nicht, sie Daten aus Büchern auswendig lernen zu lassen.

Viele verschiedene Schauplätze

Mit dem Audioguide und dem Faltblatt zur Hexenroute können alle jederzeit selbstständig in die Geschichte der Hexenprozesse in Marburg eintauchen und Orte, die mit den Hexenverfolgungen zusammenhängen, selbst aufsuchen. Der Weg führt von ehemaligen Gefängnissen im Marburger Schloss über den Marktplatz, wo öffentlich und unter freiem Himmel die Urteile verkündet wurden, bis zum Rabenstein auf der anderen Lahnseite; hier fanden die Hinrichtungen statt. Der Autorin des Audioguides der Hexenroute, Gesa Coordes, ist es zudem gelungen, das wahrscheinliche Wohnhaus einer als Hexe verbrannten Marburgerin zu identifizieren. Die Schneiderwitwe Catharina Staudinger wurde 1656 Opfer eines Hexenprozesses, der mit ihrer Hinrichtung endete. Von ihrem Haus an der Ecke Wettergasse/Schlosssteig ausgehend, können die Hörer alle Stationen ihres Leidensweges besuchen und werden dabei Zeugen ihres Verhörs und ihrer Verurteilung. Denn der Audioguide wurde dazu von der beauftragten Agentur Werkraum56 eindrucksvoll in Szene gesetzt. So ist der Folterkeller etwa eine Szene mit klirrenden Ketten und Hall, mit den originalen Worten von Catharina Staudinger aus dem Folterprotokoll. So hat die Hexenroute auch einen kleinen Gruselfaktor. Das Faltblatt »Marburger Hexenroute« ist in der Touristen-Informa- tion kostenlos erhältlich. Der Audioguide kann unter www.marburg.de heruntergeladen werden. Und die Stadtschrift »Gefoltert, gestanden, zu Marburg verbrannt« ist im Buchhandel sowie im Rathausverlag zu bekommen. eb

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