17. September 2021, 21:57 Uhr

Die Stunde der Dorfkümmerin

In Waldsolms im Lahn-Dill-Kreis arbeitet eine der wenigen Dorfkümmerinnen Hessens. In Zeiten von Corona hat sie es nicht leicht - doch mittlerweile ist viel auf den Weg gebracht.
17. September 2021, 21:57 Uhr
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Von DPA
Für die Menschen da: Monika Hoffer-Lorisch, Sozialkoordinatorin in Waldsolms, hat mittlerweile einiges auf den Weg gebracht. FOTO: DPA

In der idyllischen Gemeinde Waldsolms kümmern sich die Menschen umeinander - seit dem vergangenen Jahr sogar noch mehr als sonst. Im Frühjahr 2020 hat dort Monika Hoffer-Lorisch ihren Job als »Dorfkümmerin« angefangen. Wegen der Corona-Pandemie war dies ein denkbar schlechter Zeitpunkt, wie sie selbst sagt. Eigentlich hatte sie geplant, sich und ihre Arbeit an Seniorennachmittagen, Festen und Vereinstreffen vorzustellen. »Doch ich konnte die Menschen nur einzeln oder höchstens in kleinen Runden kennenlernen.« Auch die geplante Einrichtung eines Demenzcafés wurde erst einmal auf unbestimmte Zeit verschoben. Trotzdem hat sie mittlerweile viel auf den Weg gebracht hat.

EU gibt Geld

In den kleinen Gemeinden Ostdeutschlands gibt es häufig solche Dorfkümmerer - in Hessen sind sie selten. In Waldsolms hatten die Gemeindeverwaltung und die Kirchen die Idee, eine »Sozialkoordinatorin« zu engagieren, wie es in der Stellenausschreibung hieß. Das Geld dafür stammt unter anderem von der EU, damit sollen im Rahmen eines Projekts sogenannte LEADER-Regionen auf dem Land unterstützt werden. Waldsolms gehört zur LEADER-Region Lahn-Dill-Wetzlar, wobei LEADER für »Liaison entre actions de développement de l’économie rurale« steht - also Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft. In Hessen gibt es laut Auskunft des zuständigen Umweltministeriums 24 LEADER-Regionen - vom Burgwald über das Marburger Land bis hin zur Wetterau. Wie das Geld verwendet wird, ist völlig unterschiedlich. So wurde damit etwa in einer nordhessischen Kommune ein denkmalgeschütztes Haus umgebaut. Eine andere Gemeinde veranstaltete ein Video- und Fotowettbewerb für Jugendliche, um deren Bewusstsein für die Heimatregion zu fördern. In der Rhön entstand ein Bürger- und Freizeittreff inklusive Boulebahn und Kinderspielplatz.

Waldsolms leistet sich von dem Geld eine Dorfkümmerin. »Es gab nur positive Reaktionen«, sagt Hoffer-Lorisch. Sie lädt zu gemeinsamen Spaziergängen und Kaffeetrinken ein, initiierte einen öffentlichen Bücherschrank, ein Gemeindeblättchen und in der vergangenen Adventszeit einen Krippenweg: Die Bürger sollten gut sichtbar Krippen in ihren Garten sowie in den Wald und auf Wiesen stellen. Die Dorfkümmerin machte daraus einen 18 Kilometer langen Wanderweg an 40 Krippen entlang.

Häusliche Probleme

Gut kommen auch die Handy- und Tablet-Kurse für Senioren an, ebenso wie ihre offene Sprechstunde zweimal die Woche. Oft sind es häusliche Probleme, mit denen die Menschen zu ihr kommen - etwa wenn ein Elternteil erkrankt ist und der Betroffene nicht weiß, wo und wie er Hilfe bekommen kann. Als gelernte Krankenschwester, die lange in der Pflege gearbeitet hat, sind für die Dorfkümmerin diese Themen nicht neu.

Sie hat sich trotz Corona mittlerweile gut eingearbeitet, viele Kontakte geschmiedet und festgestellt: »Die sozialen Strukturen hier sind gut, die Familien halten zusammen, die Menschen kümmern sich umeinander.« Was sie bedauert: Ihr Vertrag läuft nur noch bis zum nächsten Frühjahr, dann endet die EU-Förderung. »Ich hoffe, dass meine Arbeit weitergeht. Schließlich dauert es, bis man wirklich im Dorf angekommen ist und die Leute Vertrauen haben.«



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