25. Juni 2021, 19:40 Uhr

PROGRAMM

Ein Bild von Sylt

Die Pandemie hat ihn lange ausgebremst. So wie alle Künstler, egal, in welchem Bereich der Kunst sie tätig sind. Peter Seharsch gehört zu den bildenden Künstlern. Am Malen hat Corona ihn nicht gehindert. Aber ein Künstler möchte sein Werk auch zeigen. Und das war lange Zeit nicht möglich. Nun meldet sich auch Seharsch zurück - mit einem großen Programm zum Jubiläum »45 Jahre Atelier Seharsch«. Und er hat sechs seiner Gemälde für eine Verlosung an unsere Leser zur Verfügung gestellt.
25. Juni 2021, 19:40 Uhr
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Von Burkhard Bräuning

Die Kunsthistorikerin Maximiliane Mohl schreibt: »Es ist die Vielschichtigkeit, die im Werk Peter Seharschs begeistert, gleichzeitig aber auch sein Blick auf das Wesentliche, das jedes Werk kennzeichnet. Trotz aller Bekanntheit und Prominenz ist Peter Seharsch bodenständig geblieben.« Das kann man sagen, denn für die Menschen in der Region ist Seharsch sichtbar: Er lebt und arbeitet in Lich. In der Provinz, hat man früher gesagt. Aber seine Kunst kennt man weit über die Grenzen der Region hinaus. Seharsch ist ein wandlunsgfähiger Künstler. Schubladendenken gibt es bei ihm nicht. Er macht sein Ding, das, was ihn bewegt, was ihn berührt, was ihn fasziniert.

Blick für das Wesentliche

Zu seinem 75. Geburtstag würdigte ihn diese Zeitung unter anderem mit diesen Worten: »Es waren keine einfachen Zeiten, in die Seharsch hineingeboren wurde. Am 27. September 1944 erblickte er in Böhmen das Licht der Welt. Mit der Vertreibung 1946 kam er nach Oberhessen; zunächst nach Saasen, dann nach Lich. Auf Elterngeheiß hin lernte er erst ›was Ordentliches‹, absolvierte eine Malerlehre. Dann aber - in seinen frühen Dreißigern - folgte er seinem Herzen und eröffnete auf seinem Künstlerhof in Muschenheim eine Bauernmalereischule. In diesem Sujet verdiente er sich erste Sporen; unvergessen seine Hessenteller, die er alljährlich zum Hessentag neu entwarf - von Grünberg 1980 bis Lich 1993. Im ehemaligen Kloster eröffnete er 1976 eine Galerie, die immer noch Bestand hat. Er lehrte andere den Umgang mit Pinsel und Farbe, den Blick für das Wesentliche, und er entwickelte sich selbst weiter, malte Gegenständliches, fand zunehmend eine eigene Form der abstrahierenden Darstellung. Mit der Zeit verließ er - auch sinnbildlich gemeint - den ursprünglichen oberhessischen Schaffensraum, schuf Werkzyklen mit Motiven aus Sylt, Masuren, Venedig und sogar Tibet. Anfang 2019 erfolgte der Umzug vom Künstlerhof in Muschenheim zum Künstlerhaus in Lich.«

Im Gespräch in eben diesem Kunsthaus in Lich trägt er recht nüchtern vor, was er zu seinem Jubiläum »45 Jahre Atelier Seharsch« zu sagen hat (siehe Programm unten). Als er aber auf seine Kunst, seine Maltechniken und seine Motive zu sprechen kommt, als er über das Funkeln eines Gletschers spricht, da spürt man seine Leidenschaft.

200 überwiegend neue Exponate

Mit dabei im Kunsthaus ist auch sein Sohn Thomas, der in die Fußstapfen des Vaters getreten ist, Kunst studiert und unterrichtet hat. Gemanagt werden die Projekte von Seharschs Galeristin Ursula Bonke. Thomas Seharsch arbeitet viel mit Holz, hat geniale Skulpturen im Künstlerhaus platziert. In der Ausstellung von Vater und Sohn sind über 200 Exponate zu sehen, die überwiegend 2021 entstanden sind. Peter Seharschs neueste Bilder umfassen folgende Themen: Von der Schlei - Ostsee, bis Sylt - Nordsee, Toskana, Lanzarote, Pfahlbauten am Bodensee und natürlich seine regionalen Motive - die Wetterau, Kloster Arnsburg, sowie abstrakte und florale Werke.

Auch Lichs Bürgermeister Julien Neubert freut sich darüber, dass Seharsch nun wieder Kunst präsentieren kann. Er schreibt in seinem Grußwort zum Jubiläum: »Lich, Mittelhessen und Hessen - wie ein roter Faden ziehen sich diese Motive durch die Werke Seharschs.

In unzähligen Gebäuden in Hessen - von der Bank oder der Arztpraxis über die Zweizimmerwohnung in Lich bis hin zu Villen und Verwaltungsgebäuden - finden sich Werke Seharschs. Auch ich persönlich kann mich darüber freuen, dass einige seiner Werke meine Wohnung bereichern.

In den letzten Jahren drückte Seharsch in seinen Arbeiten immer wieder auch die Liebe zu seiner zweiten Heimat, der Insel Sylt, aus. Ob es nun Lich oder Sylt ist - mit seinen Gemälden weckt Peter Seharsch nicht nur Begeisterung für die Malerei, sondern auch für das Motiv Heimat.«

Lob kommt auch noch von anderer Seite: Seharschs Weggefährte Prof. Klaus Doll schreibt: »Trotz aller Prominenz als herausragende Künstlerpersönlichkeit fühlt sich Peter Seharsch unserer Region nach wie vor verbunden.«

Und: »In diesem Sinne ist die vor 45 Jahren gegründete Galerie Seharsch als kultureller Leuchturm aus dem kulturhistorisch und touristisch attraktiven Ensemble Kloster Arnsburg und der Kulturlandschaft der Region nicht mehr wegzudenken.«

Der Licher Künstler Peter Seharsch hat für sein Jubiläum »45 Jahre Galerie Seharsch« ein ambitioniertes Programm zusammengestellt:

Sonderausstellung: Peter Seharsch öffnet ab sofort samstags und sonntags seine Sonderausstellung zum Jubiläum im Kloster Arnsburg in seiner Galerie im Bursenbau, bei schönem Wetter auch in der Klosterruine. Öffnungszeiten: samstags und sonntags, jeweils von 14 bis 18 Uhr.

Kunsthaus Seharsch : Peter Seharsch und sein Sohn Thomas zeigen im Rahmen der Neueröffnung des Kunsthauses Seharsch (Lich, Lessingstraße 3) ihre neuesten Exponate. Telefonische Anmeldung notwendig: 0 64 04/6 32 98.

Weihnachtsausstellung: Das Jubiläumsjahr endet mit einer Weihnachtsausstellung im Dezember, wieder im Kunsthaus Seharsch in Lich, Lessingstraße 3.

Katalog: Ein Katalog zur Sonderausstellung erscheint im August.



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