18. Mai 2021, 21:13 Uhr

Einladendes Kita-Mobil

18. Mai 2021, 21:13 Uhr

Wiesbaden - Dieses Campingmobil ist anders als die meisten Wohnmobile, die auf Hessens Straßen unterwegs sind. Man kann es schon von außen lesen. »Kita für Kinder beruflich Reisender«, steht in grüner Schrift an dem Fahrzeug. Seit September 2020 sind Theresa Saup und ihre Kollegen mit dem umgerüsteten Campingmobil unterwegs, um die Jungen und Mädchen aus Schausteller- und Zirkusfamilien zu erreichen. Drinnen haben sie alles auf Lager, was eine gute Kita benötigt: Kuschelbären und »Papperlapapp«-Spiele, Stifte und Papier, Ausklapptische und Stühle. Auch Vorlagen für erste Lese- und Schreibübungen sind dabei. Damit lernen die jungen Besucher, wie sich »A wie Affe« und »E wie Esel« schreiben.

Seit rund zehn Jahren bereits sind ähnliche Fahrzeuge als »Schulen für Kinder beruflich Reisender« in Hessen auf Tour. Hessen ist das einzige Bundesland außer Nordrhein-Westfalen, in dem es dieses Angebot gibt. Die Schulmobile erreichen rund 90 Kinder regelmäßig und etliche andere, wenn ihre Familien in Hessen Station machen. Dabei haben die Lehrkräfte die Erfahrung gemacht, dass Schüler immer wieder ihre jüngeren Geschwister mitbringen.

Bundesweit einmalig

Nun gibt es in Hessen das bundesweit einmalige Kita-Mobil für die Drei- bis Sechsjährigen. Angeboten wird es ebenso wie das Schul-Mobil vom evangelischen Verein EVIM. Bisher werden nach Angaben von Projektleiter Thomas Schulze 21 Kinder damit erreicht. Manche kämen kaum heraus aus den Plätzen, auf die ihre Familien mit den Wohnwagen ziehen, berichtet er. Es gebe zum Beispiel Kinder, die keine Ampel erkennen würden. Und in der Corona-Pandemie lebten diese Jungen und Mädchen noch isolierter als ohnehin schon.

Nun erstelle das Team Förderpläne für jedes einzelne Kind und organisiere etwa Sprachtherapie oder Logopädie im Online-Format, wenn das helfe. Auch Treffen der beschulten Kinder seien geplant - denn oft käme das Mobil für ein einzelnes Kind oder für zwei. »Die Interaktion mit anderen Kindern fehlt«, stellt Schulze fest.

Jetzt schickten Sozialminister Kai Klose (Grüne) und der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Hessen, Carsten Tag, das Kita-Mobil in Wiesbaden sozusagen offiziell auf Reisen. Der Termin hatte wegen der Pandemie verschoben werden müssen. Beide Institutionen finanzieren das Projekt, das Sozialministerium mit 150 000 Euro im Jahr, die Diakonie mit 30 000 Euro aus Mitteln der Glücksspirale. Dagegen wird das Schulmobil zu hundert Prozent vom Kultusministerium bezahlt.

Carsten Tag betonte, dass die Förderung von Kindern und Jugendlichen der Diakonie ein besonders wichtiges Anliegen sei - gerade in Zeiten der Pandemie. Minister Klose sagte, das Modellprojekt schaffe für die Kleinen »ein neues und einladendes Erfahrungsfeld«. Normalerweise sei ihr Zugang zu frühkindlicher Bildung erschwert, weil sie keine Kindertageseinrichtungen besuchten. Nun kommt das Team um Sozialarbeiterin Theresa Saup in der Regel zweimal in der Woche für zwei bis drei anregende Stunden zu den Kindern. Pitt von Bebenburg

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