26. Februar 2021, 22:02 Uhr

Friseure greifen wieder zur Schere

Die gebeutelten Friseure haben es herbeigesehnt. Ebenso geht es den Kunden, die nach zehn Wochen geschlossener Salons wieder auf einen gepflegten Haarschnitt hoffen. Am Montag dürfen die Friseurläden wieder öffnen, Termine dürften aber anfangs meist vergeben sein.
26. Februar 2021, 22:02 Uhr
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Von DPA
Die Stühle des Salons »Schick Friseure« in Seeheim-Jugenheim sind auf Abstand gestellt. Ab Montag (1. März) schneiden in Hessen wieder die Friseure die Haare. Hilfsgelder lassen derweil immer noch auf sich warten. FOTO: DPA

Zweieinhalb Monate sind die Türen der Friseure jetzt verschlossen. Wem das Haar zu lang, zu ungepflegt oder zu wirr wurde, der musste selbst Hand anlegen oder Mama und Papa oder Bekannte griffen zur Schere. Damit ist am Montag Schluss. Mit einer der ersten Lockerungen im zweiten Lockdown darf am 1. März wieder geschultes Personal schneiden, föhnen, legen und tönen. »Die Hoffnung ist jetzt, wieder seinen eigenen Lebensunterhalt bestreiten zu können«, sagt der Geschäftsführer des Landesinnungsverbands des Friseurhandwerks in Hessen, René Hain.

Der Umsatz sei komplett weggebrochen, die Menschen mussten von Rücklagen leben, beschreibt Hain das Problem des Handwerks. 10 bis 20 Prozent der Unternehmen hätten angegeben, ohne Hilfen insolvent zu gehen. Die Hilfen hätten auf sich warten lassen, könnten jetzt aber beantragt werden.

500 Buchungen an ersten zwei Tagen

Die Erleichterung bei den Friseuren ist groß, ebenso wie der Ansturm der Kunden. Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks hatte schon nach Bekanntwerden des Öffnungstermins davon gesprochen, dass jeder Kunde möglichst gleich in der ersten Woche einen Termin will. Das bestätigen auch Friseure in Hessen. »Die Anfrage ist groß. Die erste Woche ist ausgebucht«, sagt die Inhaberin des Friseursalons Capelli in Kassel, Patrizia Bernat-Spada.

»Wir haben an den ersten beiden Tagen 500 Buchungen«, sagt auch Konstantin Schick, über seinen Salon im südhessischen Seeheim-Jugenheim. »Wir sind fast den kompletten März ausgebucht.« Sein E-Mail-Konto habe wegen der Flut der Terminwünsche kurzfristig den Spam-Schutz aktiviert, der normalerweise unerwünschte oder möglicherweise schädliche E-Mails blockieren soll.

»Telefonisch wäre das gar nicht gegangen«, sagt der 32-Jährige, der 2016 mit seinem Salon startete und am Montag mit sieben Mitarbeitern wieder Friseurhandwerk an die Kunden bringt. Bei der immensen Kundennachfrage versteigerte ein Friseur in Bayreuth sogar seinen ersten Termin für einen guten Zweck für 422 Euro.

Schick hat kein Verständnis für die wochenlange verordnete Arbeitsniederlegung, die für viele Betriebe existenzbedrohend ist. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Infektionsgefahr in den Salons gering ist. Schick zog wegen der Schließung wie einige wenige seiner Kollegen in Deutschland vor Gericht und wollte mit einem Eilantrag die Öffnung seines Salons erzwingen. »Die Klage war der einzige niveauvolle Weg, um auf sich aufmerksam zu machen«, sagt Schick. Doch der Schritt blieb ohne Erfolg. Die angegriffene Regelung sei weder rechtswidrig, noch sei eine Außervollzugsetzung geboten, teilte der Hessische Verwaltungsgerichtshof Anfang Februar mit.

Mit Klage vor Gericht gescheitert

Für den Friseur aus Seeheim-Jugenheim ist das infektionstechnisch kontraproduktiv. Statt in den den Hygienestandards entsprechenden Salons die Kunden zu empfangen, habe das Verbot finanziell gebeutelte Friseure auch in die Illegalität getrieben.

Dass am Fiskus vorbei geschnitten und geföhnt wurde, bestätigt auch der Landesinnungsverband. Kunden und Konkurrenten hätten Hinweise gegeben und gesagt: »Wir sehen Leute, die mit langen Haaren rein- und mit kurzen Haaren rausgehen.« Jetzt mit der Perspektive sei alles wieder in gelenkten Bahnen, sagt Hain. Von den bundesweit rund 80 000 Salons sind dem Verband zufolge rund 6000 in Hessen, mit etwa 17 000 Beschäftigten.

»Wir haben Hilfen für das Unternehmen beantragt, aber es ist noch nichts auf dem Konto«, sagt Schick. »Wir haben von nichts anderem als von Rücklagen gewirtschaftet«, sagt auch seine Lebensgefährtin und Salonleiterin, Michaela Stockinger. Auch bei Bernat-Spada, die am Montag mit drei Mitarbeitern ihren Salon wieder öffnet, ist noch kein Geld vom Staat auf dem Konto angekommen.

Auch für die Auszubildenden ist die Öffnung ein wichtiger Schritt. Weil Schick genügend Meister beschäftigt, konnten seine zwei Auszubildenden praktisch weiterarbeiten. »Es hat immer ein Meister mit uns an Puppenköpfen gearbeitet«, sagt Laura Heller. Die Chance, auch praktisch weiterzuarbeiten, hätten während des Lockdowns aber nicht alle gehabt. In ihrer Berufsschulklasse seien dies vielleicht 5 von 25 gewesen.



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