05. Mai 2021, 21:16 Uhr

Geldregen für Waldsolms

Trotz eines Millionenerbes sind Politiker und Bürger in der Gemeinde Waldsolms auf dem Teppich geblieben. Sie wollen das Geld etwa in die Sanierung von Straßen und der Wasserversorgung investieren.
05. Mai 2021, 21:16 Uhr
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Von DPA

Vor rund einem Jahr ist die kleine Gemeinde Waldsolms zur Multimillionärin geworden, viel geändert hat sich seit der reichhaltigen Erbschaft jedoch nicht. Das gilt auch für das Büro des Bürgermeisters Bernd Heine. Der Sozialdemokrat residiert nach wie vor in einem kleinen Raum im ersten Stock der Gemeindeverwaltung mitten im Hauptort Brandoberndorf. Grauer Teppich, weiße Wände, rote Vorhänge, ein Schreibtisch, an der Wand einige Kalender und Gemälde. Doch zumindest eines ist neu: Der Bürgermeister kennt sich nun mit Aktienkursen aus. »Das hat mich früher nie interessiert«, erzählt der 61-Jährige.

Früher besaß seine Gemeinde, die innerhalb der üblichen Sparzwänge solide gewirtschaftet hatte und kaum verschuldet war, auch noch nicht ein Aktiendepot. Auf 6,2 Millionen Euro wurde die Erbschaft einst taxiert, mittlerweile ist das Depot einiges mehr wert. Die genaue Summe mag der Bürgermeister nicht sagen. Das Depot ist das Haupterbe, hinzu kamen ein Haus und diverse Wertgegenstände.

Das alles gehörte einst einem Waldsolmser Ehepaar, das etwa vier Jahrzehnte lang zurückgezogen im Ortsteil Weiperfelden gelebt hatte. Er war selbstständiger Börsenmakler und starb 2014, seine Frau lebte noch weitere fünf Jahre. Sie setzte die Gemeinde, in deren sechs idyllisch gelegenen Dörfer knapp 4800 Menschen leben, als Erbin ein. Ihre Bedingung: Das Geld soll für Einrichtungen der Gemeinde und die Infrastruktur verwendet werden. »Wir haben gedacht, dass irgendwo ein Komma verrutscht ist«, erinnert sich der Bürgermeister an die ersten Reaktionen im Frühjahr 2020, als die Gemeinde von dem Geldregen erfuhr. Eine Erbschaft in dieser Größenordnung hat es nach Auskunft des Hessischen Städte- und Gemeindebunds zuvor noch nie gegeben.

Der Gemeindeordnung zufolge dürfen Kommunen nicht in Aktien investieren. Doch was tun mit dem Geld aus dem Depot? Fest stehe, dass es keine Prestige-Bauten geben werde, sagt Bürgermeister Heine, von Haus aus Finanzbeamter mit pragmatischem Naturell. Klar würde das Geld zum Beispiel für den Bau eines Schwimmbades reichen. »Doch man muss auch an die Folgekosten denken.« Zudem hat die Gemeinde bereits ein Freibad. Ein Bürger schlug vor, dieses könne doch nun beheizt werden. Aber der Bürgermeister winkte ab. »Dann hätten wir jedes Jahr vielleicht zwei Wochen länger auf, das bringt es nicht. Man muss immer das Verhältnis Kosten/Nutzen sehen.«

Auch der Neubau von Kitas kommt für ihn nicht infrage. Schließlich wurde in diese Einrichtungen in den vergangenen Jahren investiert, das wäre dann alles umsonst gewesen. Eher soll das Geld in Bauten gesteckt werden, die bereits bestehen. Die Kitas könnten modernisiert und ausgebaut werden, erklärt der Gemeindechef. Auch die Sanierung von Straßen, Radwegen sowie der Wasser- und Abwasserversorgung sei sinnvoll. Doch immerhin einen Neubau könnte es in nächster Zeit in Waldsolms geben: Angedacht ist ein Skaterpark für Jugendliche.



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