21. September 2021, 20:28 Uhr

Ikone der Frauenrechte

21. September 2021, 20:28 Uhr
Eine Kämpferin für die Gleichberechtigung: Eine Statue der Kasseler Ehrenbürgerin Elisabeth Selbert wird von Frank-Walter Steinmeier und seiner Frau Elke Büdenbender enthüllt. FOTO: DPA

Kassel - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier fasste gleich zu Beginn seiner Rede in der Kasseler Brüderkirche zusammen, wer Elisabeth Selbert eigentlich war. Er nannte sie »eine Ikone der Gleichberechtigung, der Frauenrechte und des demokratischen Engagements von Frauen in der Politik«.

Um das zu unterstreichen, skizzierte Steinmeier in der Folge das Leben der Juristin aus Kassel - und im Zentrum stand jener Satz, für den Elisabeth Selbert so sehr gekämpft hat und den sie 1948/49, wie Steinmeier es formulierte, fast im Alleingang ins Grundgesetz gebracht hat: »Männer und Frauen sind gleichberechtigt.«

Viele Widerstände

Wie groß Elisabeth Selberts Kampf um diesen Satz gewesen ist und wie wenig selbstverständlich er auch heute noch ist, darum drehte sich fast alles während dieses Festaktes zu Ehren Elisabeth Selberts, die am heutigen Mittwoch, 22. September, 125 Jahre alt geworden wäre. Steinmeier drückte es so aus: »Wenn wir daran erinnern, dann machen wir uns bewusst, wie lang und steinig der bisherige Weg zu mehr Gleichberechtigung der Geschlechter in unserem Land war, wie viele Widerstände zu überwinden waren, wie viele Rückschläge es auch gab.«

Steinmeier stellte Selberts Beharrlichkeit dar: Leidenschaftlich und unbeirrt habe sie für ihren Antrag und den einen Satz geworben, als es viel Gegenwind gab. Und als er zunächst abgelehnt worden war, da habe sie sich an die Öffentlichkeit gewandt und einen Proteststurm ausgelöst. Steinmeier: »Es zeichnet Elisabeth Selbert als geschickte, durchsetzungsstarke Politikerin aus, dass sie den Protest zu nutzen wusste, um ihr Ziel zu erreichen. Am 18. Januar 1949 wurde ihr Vorschlag schließlich angenommen - ohne Gegenstimme.«

Der Bundespräsident nutzte den Festakt aber auch, um zu mahnen: »Die Erinnerung an Elisabeth Selbert macht uns auch bewusst: Was einmal errungen ist, ist deshalb nicht unumkehrbar.« Es müsse aufschrecken, wenn Frauen, die politische Verantwortung tragen, beschimpft, beleidigt oder bedroht würden. »Viel ist erreicht auf dem Weg zur Gleichstellung der Geschlechter. Aber viel bleibt zu tun.«

Stärker werden

Darauf wies auch Rita Süssmuth hin, die von 1988 bis 1998 Präsidentin des Deutschen Bundestages war. Sie machte deutlich, dass Frauen auf vielen Gebieten noch unterrepräsentiert sind und stellte klar: »Wir müssen stärker werden.« Süssmuth stellte Elisabeth Selbert als Vorbild dar - auch deshalb: »Bei allen Rückschlägen hat sie nie aufgegeben.« Vom Aufgeben riet Süssmuth generell ab, sie hatte stattdessen einen Tipp parat: »Es kommt darauf an, wer am längsten durchhält.« Wie Steinmeier auch, sieht sie den Kampf um Gleichstellung als eine gemeinsame Sache an - als eine von Mann und Frau. FLORIAN HAGEMANN, HNA

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